Nach der Raumnot ist vor der Parkplatznot

Startschuss für Erweiterungsbau und Sanierungsarbeiten an der Fach- und Berufsoberschule

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Spatenstich für einen Neubau der Fach- und Berufsoberschule (v.l.): Rainer Lindermayr (Architektenbüro F64), Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Altlandrat Anton Klotz, Helga Traut (ehemalige Schulleiterin FOS/BOS) und Josef Mirl (aktueller Schulleiter FOS/BOS). F

Kempten – Bis September 2022 soll ein Neubau auf dem Bildungscampus an der Kotterner Straße errichtet werden.

Doch mit dem Erweiterungsbau könnte man sich in Sachen Parkplatzsituation ein Eigentor geschossen haben.

Nur die himmelblauen Bagger standen am Montagnachmittag in der erbarmungslosen Hitze. Dagegen waren Amtsträger und Zuschauer für die Reden und Danksagungen vor dem Spatenstich in den Schatten geflüchtet. Sie trauten sich erst danach in die pralle Sonne, um dort den Startschuss für den Erweiterungsbau der Kemptener Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) zu geben. Er freue sich auf das Ende der Raumnot, sagte Josef Mirl, Schulleiter der FOS/BOS, in seiner Rede. „Der Neubau macht den Bildungsstandort Kempten noch attraktiver und wird dafür sorgen, dass die Arbeitskräfte weiterhin in der Region bleiben.“ 

Mehr als 700 Schülerinnen und Schüler besuchen das Berufsschulzentrum an der Kotterner Straße. Seit Jahren erfreut es sich dank eines breiten Bildungsangebots einer steigenden Schülerzahl. Dies wirkt sich aber auch auf die Raumbedürfnisse aus. Auf rund 600 Schülerinnen und Schüler war das Zentrum bei Gründung im Jahr 1970 ausgelegt. Der Neubau soll mit 35 neuen Klassenzimmern, zehn Fachräumen sowie zusätzlichen Verwaltungszimmern nun die Raumnot beenden und weiterhin Berufsschulbildung in der Allgäu-Metropole ermöglichen.„Bildung ist die Eintrittskarte ins Berufsleben“, so Oberbürgermeister Thomas Kiechle an der schattigen Rednerkanzel vor dem Spatenstich. „Wir wollen Menschen auch langfristig Perspektiven bieten“, sagte er und fügte an: „Wir haben nichts besseres als die Investition in unsere jungen Menschen.“

Konkret geht es bei dieser „Investition“ um einen Kostenrahmen von rund 33 Millionen Euro für den Erweiterungsbau, der bis September 2022 fertiggestellt sein soll. „Eine stolze Summe“, nannte die Landrätin des Oberallgäus Indra Baier-Müller diesen Betrag in ihrer anschließenden Rede. Als Pädagogin und neue Stellvertretende des Zweckverbands Berufliches Schulzentrum wolle sie, die FOS/BOS in eine „erfolgreiche Zukunft“ führen. Das Baubudget bezieht sich allerdings auch auf die Sanierung des benachbarten Rundbaus, der erst Anfang der 1980er-Jahre errichtet worden war. Doch bedarf dieser bereits jetzt einer umfassenden Sanierung: Anlagen, alte Böden, Heizung, Leitungen und Fassade werden aufgrund von Mängeln erneuert – die tragenden Konstruktionen bleiben aber erhalten. Eine Sanierung sei günstiger als ein Neubau, erklärte der Oberallgäuer Altlandrat Anton Klotz die Durchführung. Als ehemaliger Vorsitzender des Zweckverbands Berufliches Schulzentrum hatte Klotz das Bauprojekt in seiner Amtsperiode auf den Weg gebracht. Vor dem Spatenstich hatte er im Rahmen seiner letzten Verbandssitzung im Kemptener Rathaus den Vorsitz an OB Kiechle abgegeben. Neugewählte Stellvertreterin ist Landrätin Baier-Müller. 

Das Ziel des Bauprojekts? 

Man wolle die Berufsschule auf den Stand der Zeit bringen, so Klotz zum Kreisboten, denn „Menschen und ihre Bedürfnisse änderten sich“. „Ich denke da besonders an Industrie 4.0 und die Digitalisierung.“ Ein Eingriff in die Bausubstanz sei daher „dringend notwendig“, so der 68-Jährige. Auch bei der digitalen Ausstattung wolle man aufrüsten und dabei von Geldern des Digitalpakts der Bundesregierung profitieren. Damit aber nicht genug: Auch die Sanierung der anderen Berufsschulgebäude 1 bis 3 auf dem Campus ist beschlossene Sache – sie soll bis 2028 durchgeführt sein. Hier gäbe es ebenso Sanierungsbedarf wie den Brandschutz und Barrierefreiheit, wie in der Verbandssitzung dazu erläutert wurde. Hierfür ist sogar ein Kostenrahmen von bis zu 106 Millionen Euro eingeplant. 

Um eine erneuten Raumnot auf dem Campus zu verhindern, sollen die Schülerinnen und Schüler auf den bis dahin fertiggestellten Erweiterungsbau sowie Übergangsräumlichkeiten auf dem ehemaligen Telekom-Gelände an der Hirschstraße ausweichen. Nach der Raumnot könnte aber vor der Parkplatznot sein. Denn viele Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS aus den umliegenden Landkreisen haben einen längeren Anfahrtsweg und sind daher auf Parkmöglichkeiten angewiesen. Ein Lösungskonzept für das Dauerthema steht noch aus. Der einstige Parkplatz, wo Kiechle & Co. am Montag in der Hitze den Spatenstich vollzogen, muss nun dem Erweiterungsbau weichen. Schulleiter des Berufsschule 1 Hanns Deniffel adressierte das drohende Problem daher in der Verbandssitzung bereits in Richtung Kiechles: „Wir bitten Sie, Herr Oberbürgermeister, dafür eine Lösung zu finden.“ 

Cian Hartung

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