"Stehen bleiben und staunen"

Bürgermeister Josef Mayr (links) hat die Krippe von Adolf Bründl über Jahrzehnte hin wachsen sehen. Pünktlich zu Epiphanias wurde die derzeit in der St.-Mangkirche erstmals öffentlich ausgestellte große Krippenlandschaft um die Dreikönigs-Aufstellung ergänzt. Foto: Tröger

Zwar war es nur ein „kleiner, feiner Kreis“, der den Weg durch Wind und Wetter in die St.-Mangkirche zur Feier anlässlich der Dreikönigs-Aufstellung und der Königin von Saba gefunden hatte. Dekan Jörg Dittmar freute sich aber umso mehr darüber, diesmal auch den Leihgeber und Erschaffer der Krippenlandschaft, Adolf Bründl, nach erfolgreicher Reha begrüßen zu können. Wegen einer Erkrankung hatte der 71-jährige Lenzfrieder an der Eröffnung der Weihnachtsaufstellung Anfang Dezember nicht teilnehmen können.

Auch wenn der Aufstellung der Evangelist Matthäus zugrunde liege, habe Bründl „frei“ statt der darin beschriebenen Sterndeuter Könige gewählt. Wie Annelie Wollmann, die an der Landschaftsgestaltung mitgewirkt und die Ausstellung zusammen mit Reinhold Petrich und Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber initiiert hatte, erläuterte, seien die Sterndeuter um das Jahr 200 zu „Königen“ und bei Luther zu „Weisen“ geworden. Die Zahl drei sei erstmals im fünften Jahrhundert aufgetaucht und im sechsten Jahrhundert schließlich hätten sie ihre Namen – Kaspar, Melchior, Balthasar – erhalten. Bründl sei es ein Anliegen, dass man das Dargestellte verstehe, erklärte sie noch weitere tiefgründige Merkmale wie den Weihnachtsstern oder auch die Präsenz der Königin von Saba. Um den Besuchern den Weg zu den Bedeutungen seiner Figuren und Aufstellungen zu weisen, hat Bründl eine gedruckte „Kurze Führung durch die Weihnachtsaufstellung“ ausgelegt. Wie es zu seiner schon knapp vier Jahrzehnte andauernden Leidenschaft kam, erklärte er selbst. Den Anstoß dazu habe 1973 seine damals fünfjährige Tochter gegeben. Angesichts seiner ersten, wenig befriedigenden Schnitzergebnisse, habe ihm sein Arbeitskollege Ulrich Graf unter die Arme gegriffen; beim Kimratshofener Restaurator Josef Schugg habe er vergolden und fassen gelernt; die Steine in der zusammen mit dem Reichholzrieder Bildhauer Walter Konrad geschaffenen Krippenlandschaft habe er selbst auf diversen Bergtouren gesammelt. „Großes Glück“ habe er beim Besorgen der Stoffe für die aufwändig, von Hand gearbeiteten Gewänder „mit Unterrock und gefüttert mit Seidenstoffen“ gehabt, dankte er zugleich seien „beiden Helferinnen“, den Schneidermeisterinnen Martha Epp und Elisabeth Köhler. Und auch eine kleine Besonderheit verschwieg er nicht: In den Gesichtern seiner Figuren hat er unter anderem seine beiden Kinder und auch sich selbst verewigt. Fast liebevoll ging er vor der Krippe stehend auf die einzelnen Preziosen ein, auch auf vermeintlich unwichtige, wie den „kleinen Elefant“. Er sei „früher mal ein großer“ gewesen, „aber als ich den König darauf gesetzt habe, war er dann etwas mickrig“. Da seien die „Pferde größer gewesen als der Elefant“, schmunzelte er. Wie Bürgermeister Josef Mayr (CSU) preis gab, „schmückte diese Krippe mehr als zwei Jahrzehnte das Wohnzimmer von Adi Bründl“ und bei jedem Besuch habe man sie wachsen gesehen. Über die Jahrzehnte sei „ein Kunstwerk entstanden“. Er wünsche sich, „dass möglichst viele Menschen stehen bleiben und staunen“.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Shawn James im "mySkylounge"
Shawn James im "mySkylounge"
"Kuh" wirbt für die Allgäuer Festwoche
"Kuh" wirbt für die Allgäuer Festwoche
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft

Kommentare