Steht Religion Friede im Weg?

Unter Leitung der Theologin Ida-Anna Braun (5.v.li.) traten die festen Teilnehmerinnen des Interreligiösen Gesprächskreises für Frauen im Haus International zunächst in Dialog untereinander und später auch mit ihren Gästen, um mehr über andere Glaubensrichtungen zu erfahren. Foto: Tröger

Sich offen, mit gegenseitiger Wertschätzung im Dialog begegnen und dabei Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede der Religionen entdecken, hat sich der Interreligiöse Gesprächskreis für Frauen im Haus International auf die Fahne geschrieben. An aktuellen Themen entspann sich unter Leitung der Theologin Ida-Anna Braun ein angeregter Austausch, der zunächst von sechs Vertreterinnen christlicher, jüdischer und muslimischer Traditionen des festen Gesprächskreises bestritten wurde, bis er mehr und mehr in einen offenen Dialog mit den Gästen überging.

Von Allerheiligen und Allerseelen, das sie am 1. und 2. November gefeiert hatten, berichteten die katholischen Teilnehmerinnen. Der Runde erklärten sie es als eine „Ehrerweisung an die Toten“, mit sehr schön geschmückten Gräbern und einem „Lichtermeer von Kerzen“ darauf, die meist die ganze Nacht brennen würden. Eine deutete die Bewegung der Flamme für sich als Zeichen, „dass der Tod nichts Endgültiges ist, sondern man im Licht Gottes weiter lebt“. Im jüdischen Glauben gebe es keine gemeinsame Feier, aber am ersten Todestag werde normalerweise individuell eine Kerze angezündet. Das Totengebet, den Kadisch, dürfe man nicht allein beten. Am Grab „müssen zehn jüdische Menschen gemeinsam beten“ – bei den „Liberalen“. Die konservativen Juden würden zehn jüdische Männer fordern, klärten zwei Teilnehmerinnen über Feinheiten ihres Glaubens auf. Zwar werde im Islam häufig nach dem Ramadan der Toten gedacht, aber einen festen, „für alle gültigen Termin gibt es nicht“, erklärten zwei Muslima. „Kerzen zünden wir für die Toten nicht an“, meinten sie, aber Lichter schon. Für die Evangelen am Tisch war der Reformationstag am 31. Oktober ein wichtiges Fest gewesen, dessen Hintergrund ebenfalls erklärt wurde. „Ladet Ihr dazu auch Katholiken ein?“ wollte ein Mitglied der Runde wissen. Hinter der Antwort „Ja“ lauerte allerdings ein großes „Aber“, das Konflikte nicht nur auf interreligiöser Ebene offenbarte, sondern auch innerhalb christlicher Glaubensrichtungen. Denn „sie dürfen und wollen das Abendmahl nicht mit uns teilen“, auch wenn es die breite Masse „nicht so eng sieht“. Eine Muslima zeigte Verständnis, wenngleich sie es als wichtig erachtete, sich gegenseitig zu besuchen. Aber „ich würde auch kein Kreuzzeichen machen, wenn ich in eine Kirche eingeladen bin“, da es nicht ihr Zeichen sei. Sie erzählte ihrerseits vom islamischen Opferfest am 16. November, zu dem jeder Geldverdiener für die Familie ein Schaf schlachten und einen Teil davon an Arme ver- schenken müsse. Heute werde dazu meist Geld in die Türkei geschickt, das dann an Arme in Pakistan weitergeleitet werde. Da sie schon als Elfjährige den Koran auswendig gelernt hatte, konnte sie ohne Mühe erklären, warum ein Schaf geschlachtet werden muss. Angeregte Dialoge ergaben sich auch nach dem Öffnen des Gesprächskreises, nicht zuletzt durch die durchwegs interessanten (religiösen) Biographien der Besucherinnen. „Mein Anliegen ist eigentlich Frieden“, meinte eine von ihnen. „Vielleicht muss Religion erst überwunden werden, um zum Frieden zu kommen“.

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