Stephan Thomae triumphiert

Um kurz nach 18 Uhr bricht Jubel aus bei den knapp 40 FDP-Anhängern im „Stift“ in Kempten. Rund 15 Prozent haben die Liberalen erkämpft, auch in Bayern haben sie deutlich dazu gewonnen. Als dann feststeht, dass es reicht für Schwarz-Gelb, applaudiert auch Stephan Thomae. Der FDP-Kandidat aus Sulzberg wird wohl über die Landesliste der Liberalen als zweiter Oberallgäuer neben Dr. Gerd Müller (CSU) in den Bundestag einziehen. Zwar hat der Staatssekretär, der bereits vier Amtsperioden im Bundesparlament absolviert hat, deutlich weniger Erststimmen auf sich verbucht als vor vier Jahren, dennoch stimmte mit 53 Prozent die Mehrheit der Wähler in Kempten, dem Oberallgäu und dem Landkreis Lindau für ihn. Neben der FDP gewannen auch die Grünen und die Linke Wählerstimmen dazu.

Nicht nur der Staatssekretär, auch die CSU hat Wähler verloren. Mit voraussichtlich 44,9 Prozent liegt das Minus auch hier bei rund acht Prozent. Von Verlusten wollte Müller um kurz vor acht Uhr am Sonntagabend im Gespräch mit dem KREISBOTE jedoch nichts wissen. „Es ging uns darum, in Berlin eine stabile Mehrheit zu bilden“, erklärte er. Und, „die SPD ist der eigentliche Wahlverlierer“. In der Tat, nicht nur bundesweit, sondern auch im Allgäu ging die Zustimmung für die Sozialdemokraten in den Keller. Nur 12,8 Prozent der Wähler stimmten für den Oberstaufener Gemeinderat Reinhard Strehlke gegenüber 20,5 Prozent vor vier Jahren. Fast identisch das Zweitstimmenergebnis der Genossen mit 12,9 beziehungsweise 20,9 Prozent 2005. Strehlke gestand auf Nachfrage des KREISBOTE die Niederlage ein. „Bei den Zahlen kann man nicht herumreden“, gab er an. Er erklärte die Verluste mit dem Zuwachs bei der Linken und den vielen Wählern die daheim geblieben sind. Die „müssen wir wieder ins Boot holen“. Die Deutlichkeit des Ergebnisses habe ihn überrascht, da die Diskussion mit den Bürgern an den Wahlständen sehr sachlich verlaufen war. „Wer weiß, vielleicht wären die Stimmverluste noch höher, wenn es nocheinmal eine große Koaltion geben würde“, mutmaßte er. Die Oppositionsrolle der SPD betrachte er als Chance für seine Partei, sich neu aufzustellen. Überrascht zeigte sich Wahlsieger Müller vom Erfolg der FDP. Dass sie gar so viele Stimmen bekommen würden, das habe auch er nicht vorausgesehen. „Wir werden versuchen, diese Wähler zurück zu gewinnen“, kündigte er an, aber „zuerst müssen Inhalte diskutiert werden“, meinte er im Hinblick auf die baldigen Koalitionsverhandlungen mit den Liberalen. Ärger bei den Grünen Eigentlicher Sieger des Abends ist Stephan Thomae. Nicht nur, dass er sein Erstimmenergebnis von 2005 mehr als verdoppelt hat, nämlich von 5,3 auf 11,1 Prozent, durch seine fünfte Position auf der FDP-Landesliste dürfte er sein Bundestagsmandat voraussichtlich gesichert haben. An dem Wahlversprechen der Liberalen, die Steuern zügig senken zu wollen, hielt auch der Sulzberger Rechtsanwalt fest. Um Steuern einzunehmen, müssen die Menschen eben mehr in der Tasche haben um mehr ausgeben zu können, so Thomae gegenüber dem KREISBOTE. In Berlin wolle er sich vor allem beim Thema Innenpolitik beziehungsweise neue Medien einbringen. Das falle unter sein juristisches Fachgebiet.. Aber auch bei der wirtschaftliche Außenpolitik sehe er seine Stärken. Wenig Positives gewann Grünen-Kandidat Thomas Hartmann dem Wahlergebnis ab. „Wenn man in diesem Land mit reiner Sprücheklopferei 15 Prozent bekommen kann, dann bin ich entsetzt“, polterte er um halb sieben am Sonntagabend und bezog sich auf das Wahlergebnis der FDP. Auch über die eigenen Stimmenzuwächse konnte er sich nicht freuen. 12,8 Prozent waren auf ihn und 11,3 auf die Grünen mit der Zweitstimme entfallen, 8,5 beziehungsweise 8,2 Prozent waren es noch 2005. Frustiert trotz Stimm-Gewinnen? Nein, verärgert sei er, über Schwarz-Gelb. „Einige der Landwirte haben offenbar verstanden“, kommentierte er die Stimmverluste der CSU in Bayern. Viele blieben zu Hause Ein weiterer Sieger der Bundestagswahl ist die Oberallgäuer Linke, die ihr Zweitstimmenergebnis von drei Prozent 2005 auf nun 5,55 Prozent hochschraubte. Für den Direktkandidaten Stephan Albanesi stimmten fünf Prozent der Wähler, er war zum ersten Mal engetreten. Rasant gestiegen ist auch die Gruppe der Nichtwähler. „Die Wahlbeteiligung lag in diesem Jahr bei 71,3 Prozent gegenüber 78,1 Prozent bei der Bundestagswahl im Jahr 2005“, informierte Kreiswahlleiter Tobias Walch am Montag. Das vorläufige Wahlergebnis, auch das der einzelnen Gemeinden des Wahlkreises 256, gibt es im Internet unter der Adresse www.landkreis-lindau.de – aktuell – Wahlen aktuell.

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