Sterben kostet bald mehr

Gräber werden ab dem kommenden Jahr teurer. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss kürzlich beschlossen. Rund zehn Prozent mehr müssen Angehörige jetzt für die letzte Ruhestätte ihrer Verwandten aufbringen, ebenso für Bestattungen. Jedoch waren nicht alle Stadträte mit der Preiserhöhung einverstanden.

„Die Menschen werden preisbewusster“, erklärte Thomas Schuhmaier, Leiter des Rechts- und Ordnungsamts. Sie lösen zunehmend teure Parkgräber auf und entscheiden sich für günstigere Grabstätten. Da laut Gesetz Leichname nicht mehr zwingend in das städtische Leichenhaus gebracht werden müssen, fallen auch hier Gelder weg, so der Amtsleiter. Ein normales Reihengrab auf dem Zentralfriedhof etwa soll jährlich 20 Euro kosten statt wie bisher 17 Euro. Ein Wahlgrab an der Friedhofsmauer 43 statt 39 Euro. 556 statt wie bisher 506 Euro will die Stadt erheben, um ein Grab zur Bestattung zu öffnen und zu schließen. Die teuersten Wahlgräber, wie etwa Parkgräber auf dem Zentralfriedhof, werden weiterhin mit 141 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Sie seien ja bereits sehr teuer, argumentierte Schuhmaier. Eine Feuerbestattung koste künftig 738 statt 684 Euro. Erdbestattungen1267 statt 1170, inklusive Leichenfrauen, Orgelnutzung et cetera. Hinzu kommen allerdings noch die Kosten für den Bestatter. Nur zu 71 Prozent decken die bisherigen Gebühren die Kosten, erklärte der Amtsleiter. Die Erhöhung soll diese Quote auf 75 Prozent anheben. Der Gesetzgeber verlange genau genommen eine hundertprozentige Kostendeckung, führte er aus. Mit den Gebühren liege Kempten im Mittelfeld vergleichbarer bayerischer Städte. Zuletzt habe man den Gebührensatz im Jahr 2004 aufgestockt. Trifft es die Falschen? Stadtrat Thomas Hartmann (Die Grünen/FL) fürchtete allerdings Nachteile für finanziell schwache Personen. „Die Leute haben keine Wahl, der Gebührensatz trifft jeden undifferenziert“, erklärte er. Mit der Erhöhung müssten die Betroffenen das Kosten-Defizit ausgleichen. Wenn das Steuersäckel dafür aufkäme, träfe es die finanziell Leistungsfähigeren, so sein Argument. Für einen verantwortungsvollen Umgang mit den höheren Gebühren plädierte Stadtrat Erwin Hagenmaier (CSU). Er wies zudem darauf hin, dass es äußerst aufwändig und für die Arbeiter nicht ungefährlich sei, ein Grab auszuheben. Anders sei dies bei kleinen Urnengräbern. Urnengräber bleiben billiger als Erdgräber, aber auch für sie müsse der Kemptener künftig mehr ausgeben. Auf dem Zentralfriedhof sind das laut Satzung 12 beziehungsweise 15 Euro statt wie bisher elf beziehungsweise 14 Euro. Bei den Urnen-Gemeinschaftsgräbern sprach Schuhmaier von regelrechtem Wettbewerbsdruck. Daher sollen diese weiterhin 260 Euro kosten, ohne Rücksicht auf die Nutzungsdauer. Mit Ausnahme von Hartmann stimmten die Ausschussmitglieder der Gebührenerhöhung zu.

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