Statt Krippenweg

Faszinierende Szenen

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Stand im Fokus bei einer Veranstaltung der Kemptener Stiftsstadtfreunde: Die Weihnachtskrippe von Ludwig Weiß im Allgäu Museum.

Kempten – Zwar gibt es heuer keinen stiftsstädtischen Krippenweg, aber mit der Besichtigung der Weihnachtskrippe von Ludwig Weiß im Allgäu Museum hat die Vorsitzende der Stiftsstadtfreunde, Ilse Roßmanith-Mitterer, für Krippeninteressierte eine Alternative angeboten: Der in Rettenberg geborene Weiß habe ihres Erachtens „eine wunderbare Krippenlandschaft aus der Biedermeierzeit“ geschaffen, die oft nicht recht gewürdigt werde. Auf „bestimmt 2000 Teile“ schätzte sie die Ausstattung der in zwanzigjähriger Arbeit immer weiter gewachsenen Krippe mit allein 250 Figuren.

Bis zum Tod des Künstlers (1768 – 1843) sei die Krippe in dessen Besitz gewesen, dann von der Brauerei Leichtle gekauft und an das katholische Waisenhaus geschenkt worden – deshalb die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung „Waisenhauskrippe“ – und seit 1999 Ausstellungsobjekt im Allgäu Museum. Einzelne Figuren seien früher auch mechanisch gewesen – eine Fertigkeit die Weiß während seiner künstlerischen und bildhauerischen Ausbildungszeit in Augsburg ebenfalls erlernt habe. Aufmerksam verfolgten rund 20 Teilnehmer die interessanten Hinweise von Roßmanith-Mitterer, die sich offenkundig nicht nur mit den neun faszinierend dargestellten biblischen Szenen intensiv befasst hatte. Ebenso viel Aufmerksamkeit widmete sie den gleichermaßen „ganz feinen, detaillierten Ausarbeitungen“ von Alltagssituationen des 19. Jahrhunderts, in denen getanzt und getrunken, Köpfe entlaust und auch gearbeitet wird. „Die dörflichen Szenen erzählen uns einiges aus der damaligen Zeit“, wies die Vorsitzende unter anderem auf Szenen um die Kirche hin. Zu sehen sind außerdem lebendige Szenerien im und ums Wirtshaus, Metzgerei und Bäckerei, allesamt bestückt mit schwungvollen, nach Biedermeierzeit gekleideten Menschen. „Ganz wichtig ist die Szene am Brunnen“, lautete ein weiterer Hinweis, denn dort zeigten „zwei Männer mit Kraxen und Tirolerhüten“ einen häufigen Broterwerb: Der europaweite Transport von allen erdenklichen Waren, inklusive Tiere. Eine der zahlreichen Besonderheiten in den Szenen des Heilsgeschehens sei beim Zug der Heiligen Drei Könige die Darstellung eines weißen Kamels, und „die Könige reiten auf Pferden“. Zudem seien Kamele und Elefant nicht wie alles andere aus Lindenholz geschnitzt, sondern aus Filz gefertigt. Näher ging Roßmanith auch auf die dargestellte Szene des Kindermords zu Bethlehem ein, in der ein Teufel „wohl den Auftrag zum Mord“ in das Ohr von Herodes flüstere. „Kunsthistoriker sagen, dass diese Szene sehr gut herausgearbeitet ist“, sagte sie. Natürlich gab es auch einen Bezug zur Stiftsstadt: dort habe der Zeichenlehrer und Bildhauer „Im Hoföschle“ gewohnt. Bevor es zum Abschluss noch eine gemütliche Runde im Café „Arte“ gab, drehte die Gruppe auch eine von Roßmanith-Mitterer geführte runde durch die Schneemannausstellung im Haus. Christine Tröger

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