"Stille und subtile Werke"

Ein untrügliches Zeichen für das Nahen der Allgäuer Festwoche ist die jährliche Bekanntgabe der Künstler, die im Rahmen der zugehörigen Kunstausstellung mit seit diesem Jahr deutlich höher dotierten Preisen bedacht werden. Als Überraschung präsentierte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) gleich drei Preisträger, die in der „Szene“ noch weitgehend unbekannt sind.

Der Kunstpreis der Stadt Kempten (5000 Euro) geht wie berichtet an Markus Pieper aus Grünenbach im Westallgäu. In seinen „stillen und subtilen Werken“ vollziehe Pieper „zugleich Auslöschung und Einforderung von Gegenwart“, würdigte die Jury seine Gemälde „Edelweiß“ und „Nagelfluhkette mit Jägerstand“. In seiner Interpretation der Nagelfluhkette lasse Pieper „zwei Bildebenen ineinander greifen, womit er spielerisch Fragen zu Realität und Bildrealität aufwirft“, befand die siebenköpfige Jury. Sein „Edelweiß“ ziert heuer das Plakat zur Festwochenkunstausstellung. Seit 2009 ist Pieper in seiner Geburtsstadt Lindau als Kunsterzieher am Bodensee-Gymnasium tätig. Studiert hat er, nach einer Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer, an der Kunstakademie München, wo er im vergangenen Jahr sein zweites Staatsexamen ablegte. „Man hofft natürlich immer, dass man einen Kunstpreis bekommt“, meinte er dann doch überrascht gewesen zu sein, gleich den Kunstpreis zu erhalten. Seine Themen suche er „alle im ländlichen Raum“. Einfach und unkompliziert müssten sie sein und „vor allem nicht kitschig“, betrachtete er den „Edelweiß“ durchaus als „Gratwanderung“. Der Entstehungsprozess eines Bildes sei bei ihm immer von einer klaren Vorstellung des Endresultates geprägt – auch wenn das „nicht immer ganz funktioniert“, gestand er. Ganz anders sein Künstlerkollege Walter Mack aus Pfronten, der erst nach dem „Eintauchen“ frage „was ich will“, und dem seine, laut Jury, „intensiven reinen Farbmalereien“ den Thomas-Dachser-Gedenkpreis (4000 Euro) bescherten: „Innenschau“ und „Bewahrung der Schöpfung“ – das eine geprägt von Emotion und Farbe, das andere von Form, Kopfempfinden und Intellekt, sprach ihnen die Jury Anerkennung aus, „für eine farbliche Bildsprache, in der der Künstler seine Wirklichkeit offenbart“. Autodidaktisches Talent Als Autodidakt hat sich Mack von Jugend an mit Zeichnungen und Aquarellmalerei beschäftigt. Seit mehr als zehn Jahren bildet sich der im Berufsleben approbierte Apotheker an der Kunstakademie Bad Reichenhall fort, unter anderem in abstrakter Malerei, Fotografie und „Mixed-Media“. Der dem künstlerischen Nachwuchs gewidmete Förderpreis aus der Rudolf-Zorn-Stiftung (3000 Euro) geht in diesem Jahr an die gebürtige Kemptenerin Elisabeth Bader. Vor allem mit ihrem aus verschiedenen Papieren, Pigment, Tusche, Grafit und Klebeband gefertigten „Schiff“ habe sie die Jury überzeugt, wie Netzer anmerkte. Diese lobte das im Aufbau lockere und in der Montage dynamisch konstruierte, sinnlich wahrnehmbare Objekt, bei dem Bader durch die Kombination von Farbe und Material „der Tendenz schöne Werke zu schaffen“ entgehe. Für ihre dreidimensionalen „Raumbilder“ experimentiere sie viel mit Materialien, erklärte Bader, damit „keine Abbildungen der Realität“ schaffen zu wollen, sondern die Emotionen in den sie umgebenden Dingen auszudrücken. Auch ihr zweites Werk „Tasche mit Baguettes“ sei , so die Jury, eine „ironische Interpretation im Medium der Drahtarbeit“. Bader studierte Gehörlosenpädagogik an der LMU München und zwei Jahre lang Malerei, Radierung und Lithografie an der Fakultät für Schöne Künste Madrid. Seit 2005 ist sie als Sonder- und Kunstpädagogin tätig.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum

Kommentare