Im Stillen

"Laute" Transparente sprechen eine deutliche Sprache beim Schweigemarsch für das Kirchenasyl

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Über 100 Menschen haben sich diese Woche in einem von Dekan Jörg Dittmar (2.v.r.) organisierten Schweigemarsch mit dem Pfarrerehepaar Marlies (v.l.) und Ulrich Gampert solidarisiert.

Kempten – Am vergangen Dienstag zog gegen zwölf Uhr mittags ein schweigender Tross von über 100 Menschen von der St.-Mang-Kirche bis zum Hildegardplatz durch die Kemptener Innenstadt.

Allen voran schwarz gekleidete kirchliche Würdenträger mit Plakaten, auf denen in fetten Lettern gefordert wurde, das „Kirchenasyl nicht zu kriminalisieren“. Zu diesem Schweigemarsch hatte der ev. Dekan Jörg Dittmar Pfarrer, Kirchenvorstände und die Mitgliedervorstände der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen intern aufgerufen. Eine Aktion, mit der das Dekanat die Solidarität zu Pfarrer Gampert zum Ausdruck bringen wollte. Gegen den Immenstädter Pfarrer läuft derzeit ein Strafbefehl, weil er dem 22-jährigen Afghanen Jeza Jafari Kirchasyl gewährt hatte. Wegen „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ soll der Pfarrer nun eine Geldstrafe von 4000 Euro bezahlen. Gampert ist der erste bayerische Pfarrer, der für seine Barmherzigkeit angeklagt wurde. „Eine Maßnahme wie das Kirchenasyl erfolgt immer in Absprache mit den staatlichen Behörden. Es wird also weder jemand versteckt noch dem staatlichen Zugriff entzogen“, sagte Pfarrer Dr. Bernhard Ehler der Gemeinde St. Lorenz. Vielmehr gehe es beim Kirchenasyl darum, den Flüchtlingen Zeit zu verschaffen, damit nochmal sorgfältig geprüft werden könne, ob ein Asylbewerber einen Aufenthaltstitel bekomme oder nicht, führte er weiter aus. 

Ein Schweigemarsch für das Kirchenasyl - ein Zeichen der Solidarität

 © Lehmann
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Für ihn sei es unverständlich, dass ein Seelsorger und eine Säule der Gesellschaft, wie Pfarrer Gampert kriminalisiert werde, weil er einen Akt der Menschlichkeit gesetzt habe. Schockiert über diese Tatsache war eine ältere Passantin gewesen, die den Schweigemarsch durch die Fußgängerzone beobachtete. „Dass er dafür noch bestraft wird, finde ich nicht richtig“, bemerkte sie kopfschüttelnd. Mit Plakaten wie „Nächstenliebe muss erlaubt sein“, „Selig sind die Barmherzigen“ standen die Teilnehmer für das Kirchenasyl und für den Immenstädter Pfarrer ein. Mit der Intention, „eine Lanze für die Barmherzigkeit des Ehepaares Gampert zu brechen“ hatte auch Paul Offenberger an der Aktion teilgenommen. Ein dunkelhäutiger junger Mann mit Sonnenbrille filmte die vorbeiziehende Prozession mit seinem Handy. Er komme nicht von hier – er stamme aus Syrien, sagte Adnan Abdalrahmar. Er sei selbst und vor vier Jahren nach Deutschland geflüchtet. Damals habe ihn die Kirche sehr unterstützt. Ein Kirchenasyl habe er nicht beansprucht, er verstehe jedoch, wenn Flüchtlinge Asyl in der Kirche suchten. Denn wer mit seiner Heimat nur noch Angst, Terror und Tod verbindet, wie Jeza Jafari und sich das Leben nur noch um die Angst dreht, abgeschoben zu werden, der hat selbst im Asyl ein hartes Leben. Die Unterstützung, die auch er durch den Schweigemarsch erfahren hat, war für Jafari „wahnsinnig schön“. Schließlich konnte er daraus neue Hoffnung und Kraft für das Leben schöpfen.


Tamara Lehmann

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