Wenige Farben und wenige Requisiten

T:K-Theaterclub spielt frei nach Homer

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Kempten – Frei, sehr frei nach Homer hat sich der T:K-Theaterclub den Mythos des Trojanischen Krieges erarbeitet und ihn am vergangenen Donnerstagabend im ausverkauften THEaterOben dem Publikum vorgestellt.

Für die erfahrene Drama- und Theatertherapeutin Johanna Hartmann, die das Stück inszeniert hat, war es sicher nicht leicht, die 19 jungen und alten Frauen und Männer mit unterschiedlich langer Bühnenerfahrung zu einem funktionierenden Ensemble zusammenzubringen. Seit Herbst 2016 haben sich die theaterbegeisterten Laien mit dem antiken Stoff befasst und jeweils für sich eine Figur gefunden, mit der sie sich identifizieren konnten. Nun ist ein zeitaktuelles Werk daraus geworden, in dem die wirren Handlungsfäden der Originalerzählung durch moderne Elemente weiter verwirrt werden.

Story: Troja! Telling…

 © Crispien
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Die Welt der Götter und der Menschen treffen in dieser Geschichte aufeinander, die einen ganz in Schwarz, die anderen ganz in Weiß gekleidet, mit einer einzigen Figur in Rot, die der Seherin Polymnia. Die Aufführung kommt mit wenigen Farben und wenigen Requisiten aus; Stöcke, Steine, Äpfel genügen. Im Hintergrund läuft ein Video, in dem sich die Gestalt der Urmutter Gaia zu Gesang und Musik durch die Natur bewegt – ein bereicherndes, aber auch ablenkendes Element.

Göttervater Zeus blickt von seinem Podest meist mit verwunderter Miene, knurrig und blitzeschleudernd auf das Treiben der liebenden, streitenden, schließlich kämpfenden irdischen und mythologischen Gestalten herab.

Während der Faden der klassischen Story erkennbar bleibt, sind die Bezüge zum Heute nicht unbedingt schlüssig, sorgen jedoch für Lacher und Überraschungseffekte: Ein „Trojaner“ kann ja auch ein Computervirus sein, der angebissene „Apple“ ein Markenzeichen und die schöne Helena das Produkt der Schönheitschirurgie!

Weil ihre Texte zu wenig aufeinander bezogen waren, gelang es den durchwegs hoch engagierten, mutigen Spielerinnen und Spielern nicht immer, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.

Abdu Said aus Eritrea, der für den Part des Achill vorgesehen war, musste bei dieser Inszenierung allerdings von einem roten Samttuch symbolisiert werden. „Das Leben kam ihm dazwischen“, erklärte Hartmann sein Fehlen und den gelungenen Ersatz.

Dass das wohlwollende Publikum eher verhalten applaudierte, hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass das Tohuwabohu, die Erinnerungen an die Grausamkeiten des Krieges und an die Verstrickungen im Frieden recht ungeordnet blieben. Wahr ist, was Hartmann in ihrer Einführung zu bedenken gab: „Man kann sich an nichts festhalten und muss andere Sinne öffnen, nicht nur das Auge.“ Weitere Vorstellungen finden statt am Donnerstag, 25. Januar, und am Freitag, 26. Januar, jeweils um 20 Uhr und am Samstag, 27. Januar, um 19 Uhr. Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Elisabeth Brock

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