Keiner versteht‘s

Streit um Personalien beim Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten e.V.

+
Das „Tandem“ Stefan Pscherer (l.) und Alexander Streicher (r.) würden gerne für der Landschafts-pflegeverband Oberallgäu-Kempten e.V. „weiterstrampeln“, ein Dritter aber trat von hinten auf die Bremse

Betzigau – Recht turbulent ging es am vergangenen Dienstag bei der Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten e.V. (LPV) im Bürgerzentrum Betzigau zu.

Rund 100 Mitglieder waren erschienen, um sich über den Jahresbericht 2019 inklusive aller abgeschlossenen Projekte und die Jahresrechnung 2019 zu informieren. Zudem wurden die aktuellen Projekte für das laufende Jahr 2020 zum Beschluss vorgestellt.

Neben dem 1. Vorsitzenden Alexander Streicher war auch der amtierende Geschäftsführer Stefan Pscherer erschienen.

Die Causa Schneid
Grundsätzlich setzen sich die Landschaftspflegeverbände für vielfältige, einzigartige und artenreiche Landschaften in Bayern ein. Die Arbeit des Verbandes wird durch jeweils vier Vertreter aus den Bereichen Kommunen (u.a. Bürgermeister), den Naturschutzverbänden (u.a. Vogel- und Naturschutzverbände) sowie der Landwirtschaft im Vorstand des LPV gestaltet und übernommen. Die Veranstaltung begann mit reichlich Verspätung, da alle Besucher wegen der Pandemie-Bestimmungen zuvor mit ihren Kontaktdaten erfasst wurden. Vertreter des Bund Naturschutz darunter Thomas Frey, BN-Landesbeauftragter Bayern, stellten die Rechtmäßigkeit der Versammlung in Frage, da das aus ihrer Sicht „Noch-Vorstandsmitglied“ Thomas Schneid nicht persönlich zur Versammlung eingeladen worden war. Der hatte zwar über E-Mail dem 1. Vorsitzenden Streicher und Geschäftsführer Pscherer des LPV mitgeteilt, seine Arbeit ruhen lassen zu wollen, hatte aber bis einen Tag vor der Versammlung nicht formal gekündigt. 

Bereits im März hatte der Vertreter des Vogelschutzbundes ebenfalls seine Arbeit im Vorstand gekündigt. Daraus ergab sich aus Sicht des Bund Naturschutz, der einen der vier Vertreter für den Bereich Naturschutz in den paritätisch besetzen Vorstand entsendet, die Verpflichtung der relativ kurzfristig angesetzten Mitgliederversammlung Nachwahlen für zwei Vertreter aus dem Bereich Naturschutz anzusetzen. Dieses Begehren liess Julia Wehnert, Geschäftsführerin Bund Naturschutz Büro Immenstadt, ins Protokoll nehmen. Aus Sicht des 1. Vorsitzenden Streicher gab es allerdings keine Notwendigkeit Neuwahlen für die beiden ausgeschiedenen Vertreter des Bund Naturschutz und des Vogelschutzbundes für die aktuelle Mitgliederversammlung anzusetzen. Die Organisation Bund Naturschutz wurde den Statuten gemäß eingeladen, beim ehemaligen Vorstandsmitglied Schneid erfolgte keine Einladung, weil dieser selbst angekündigt habe, nicht erscheinen zu wollen und einen Tag vor der Mitgliederversammlung schlussendlich gekündigt habe. 

Wehnert äußerte sich gegenüber dem Kreisboten dergestalt, dass sich die Vertreter des Bund Naturschutz, aber auch anderer Naturschutzverbände grundsätzlich einen anderen Umgang mit einem Geschäftsführer eines Landschaftpflegeverbandes wünschen würden, sowohl in der Sache als auch im persönlichen Stil. In den Streit um den vermeintlichen formalen Fehler mischten sich das Publikum mit zahlreichen Bemerkungen ein. Grundsätzlich war eine Mehrheit, repräsentiert u.a. durch Äußerungen vom ehemaligen Vorsitzenden Herbert Seger und Bürgermeister Roland Helfrich, für eine Fortsetzung der Mitgliederversammlung, der stattgegeben wurde. Nun scheint es, dass erst im kommenden Jahr zwei neue Vertreter für den Bereich Naturschutz in den Vorstand des LPV gewählt werden können.

Die Causa Scherer
Ein andere Personalie des Nachmittags war wie erwartet die Causa Stefan Pscherer. Pscherer ist seit zehn Jahren Geschäftsführer des LPV Oberallgäu-Kempten e.V.. Er wird von einer großen Mehrheit geschätzt, von einer Minderheit, vornehmlich aus den Naturschutzverbänden wird Pscherer eher kritisch betrachtet. Nun soll der langjährige Geschäftsführer des LPV Oberallgäu-Kempten e.V. zum 1. August an das Landesamt für Umweltschutz nach Augsburg abgeordnet werden. Grundlage für diese Entscheidung der Regierung von Schwaben ist ein Schreiben des ehemaligen Landrates Anton Klotz. Der sah im Tätigkeitsfeld vom Staatsbeamten Pscherer beim LPV als auch beim Zweckverband Erholungsgebiete Kempten und Oberallgäu einen Interessenskonflikt. Ab dem 1. Mai wird letzt genannte Position im Landratsamt von Florian Vogel geleitet. Diese Einschätzung eines Konflikts teilen im Bürgersaal nur wenige, ja es heißt unter Beifall: „Da hat uns Anton Klotz zum Ende noch so ein richtig faules Ei ins Nest gelegt.“ 

Die Abberufung des Geschäftsführers Pscherer erfolgte ohne die Einberufung der Vorstandsschaft, die der Versetzung einstimmig widersprach. „Wir haben uns mit der Bitte diese Entscheidung zurückzunehmen auch direkt an die neue Landrätin Indra Baier-Müller gewendet, aber bisher leider keine Antwort erhalten“, so Alexander Streicher. Allerdings konnte auch der im Saal anwesende stellv. Landrat Roman Haugg den Versammelten keine große Hoffnungen auf einen Verbleib von Stefan Pscherer in Aussicht stellen. „Herr Pscherer ist Staatsbeamter und muss daher den Anordnungen seines Dienstherrn Folge leisten“, so Haugg. 

Auch eine Unterstützungskampagne mit vielen Prominenten wie Gebhard Kaiser (Oberallgäuer Altlandrat), Herbert Seger (ehem. 1. Vorsitzender LPV Oberallgäu-Kempten e.V.), Monika Mayer (Kreisbäuerin), Alfred Enderle (Bezirkspräsident Bayerischer Bau-ernverband), Erik Beißwenger (stellv. Vorsitzende des „Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft“ im Bayerischen Landtag) und Dr. Leopold Herz (Vorsitzender des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) konnte in Form eines Briefes an Umweltminister Thomas Glauber die Versetzung nicht rückgängig machen. „Wir behalten vorerst Stefan Pscherer formal als unseren 1. Vorsitzenden, wohlwissend dass er seine operative Tätigkeit für unseren Verband von Augsburg nicht auf Dauer wird leisten können“, so der 1. Vorsitzende Streicher. „Nun warten wir final auf eine Antwort der Landrätin Baier-Müller und bestimmten dann gegebenenfalls aufeinen Nachfolger.“ 

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Versuchtes Tötungsdelikt mit flüchtigen Tätern
Versuchtes Tötungsdelikt mit flüchtigen Tätern
Von der Straße abgekommen und gegen Baum geprallt
Von der Straße abgekommen und gegen Baum geprallt
Auch am Müllheizkraftwerk Kempten könnte bald Wasserstoff entstehen
Auch am Müllheizkraftwerk Kempten könnte bald Wasserstoff entstehen
Hitzige Diskussion in Betzigau zum geplanten Neubaugebiet in Leiterberg
Hitzige Diskussion in Betzigau zum geplanten Neubaugebiet in Leiterberg

Kommentare