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Streit um innerörtliche Bebauung in Durach geht in die nächste Phase

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Von: Jörg Spielberg

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Die unbebaute Wiese zwischen Ortskern und dem Wohngebiet Bechen gehört zu Durach wie der Kirchturm der Pfarrei Heilig Geist.
Die unbebaute Wiese zwischen Ortskern und dem Wohngebiet Bechen gehört zu Durach wie der Kirchturm der Pfarrei Heilig Geist. Unter anderem deshalb wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau einer Pumptrackanlage und sechs neuer Tennisplätze auf eben dieser Wiese. © Foto: Uschi Flachowski

Durach – Standort von Kinderhaus, Urban Sportspark und Tennis: Wegen eines Formfehlers blitzte die Bürgerinitiative ab. Sie kämpft aber weiterhin für einen Bürgerentscheid.

»In Durach geht es weiter«: Die Gemeinde Durach ziert bis heute ein Grünzug, der die Ortsmitte vom Ortsteil Bechen im Norden trennt. Diese aufgelockerte Bebauung gibt dem Ort sein Gepräge. Durach wird somit nicht nur als reines Siedlungsgebiet in der Nähe Kemptens wahrgenommen, sondern zeigt sich als ein gewachsenes, typisch süddeutsches Haufendorf. 2019 beschloss der damalige Gemeinderat einstimmig, dass das dringend benötigte Kinderhaus St. Theresia an der Ecke Heimkehrer Straße/Vorwaldstraße und der „Urban Sportspark“ im Bereich Bolzplatz/Nahwärmeheizwerk realisiert werden sollen und die Tennisplätze des TSV Durach am bisherigen Standort an der Oberhofer Straße verbleiben.

Dann wurden in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates im November 2019 diese Pläne geändert. Fortan sollen sechs neue Tennisplätze im Grüngürtel an Bolzplatz und Nahwärmeheizkraftwerk entstehen. Der „Urban Sportspark“ soll an die Ostseite des Offino-Stadions verlegt werden und auf dem Gelände der heutigen Tennisplätze erst zum Ende aller Baumaßnahmen das dringend benötigte Kinderhaus entstehen.

»Grün geht verloren«

Viele Bürger Durachs waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, gründeten die Bürgerinitiative „Ortsgestaltung mit Augenmaß“ und stellten im Februar 2022 einen Antrag zur Durchführung eines Bürgerentscheids. Zwar konnten die Initiatoren die erforderlichen Stimmen für ihr Anliegen aufbringen. Es wurden 580 Unterschriften benötigt, unterzeichnet haben 854 Bürger. Ihr Antrag wurde aber aufgrund von Formfehlern in der Formulierung für nichtig erklärt. Die juristische Ausarbeitung lieferte hierzu das Landratsamt Oberallgäu.

Die Mitbegründer der Bürgerinitiative ließen sich von der Entscheidung des Landratsamtes nicht beeindrucken und setzen sich weiter für die Sache ein – dass die Pläne des Gemeinderates so nicht umgesetzt werden. Die Bürgerinitiative rund um Christoph Furch, Rudolf Rieder und ­Florian Amann fasst die Problematik der gegenwärtigen Situation aus ihrer Sicht wie folgt zusammen: „Teile Durachs bzw. des Grüngürtels zwischen Durach und Bechen sollen aufgrund von Gemeinderatsbeschlüssen baulich stark verändert werden. 17.000 Quadratmeter sollen neu gestaltet, davon rund 6.000 Quadratmeter vollständig versiegelt werden. Ein merklicher Teil des Grüngürtels und der landwirtschaftlichen Nutzfläche soll künftig keine Wiese mehr sein. Das dringend benötigte Kinderhaus darf dabei nicht aus den Augen verloren werden. Die Bürgerinitiative Durach hat nun einen Konzeptvorschlag entwickelt, welcher derzeit im Detail ausgearbeitet und in Kürze vorgestellt wird. Es wird damit der Gemeinde ein positiv ausgerichteter, konstruktiver Lösungsansatz zur Diskussion angetragen.“

Zur Unterstützung ihres Vorhabens sucht die Initiative derzeit noch zusätzliche Mitstreiter, wie u.a. Texter, Juristen, Designer, Filmer und Sozialmedienleute (Instagram). Infos zur Initiative unter www.unserdurach.de

Neuverschuldung steigt

Ein weiteres Risiko für Durach sehen die Kritiker in den enormen Kosten. So müsste sich die Gemeinde im großen Stil mit sieben Millionen Euro neu verschulden und drei Millionen Euro aus den Rücklagen entnehmen. Hierzu zitieren die Kritiker der Bebauung die Kämmerin Sigrid Tausend, die zur Zurückhaltung mahnt und sagt: „Wenn wir so weitermachen, können wir uns das irgendwann nicht mehr leisten!“ Die Verschuldung des Ortes könnte nach Einschätzung der Bürgerinitiative auf 12,1 Millionen Euro steigen – bei noch nicht berücksichtigten, völlig unkalkulierbaren Baukosten inmitten der derzeitigen Krise. Man habe das Gefühl, dass die fraglichen Vorhaben wie Pumptrackanlage nun nach Ablehnung des Bürgerentscheids mit noch mehr Druck vorangebracht werden.

Die Bürgerinitiative aber gibt sich zuversichtlich: „Wir sind es vielen Bürgern schuldig, weiterzumachen – viel zu nachhaltig wäre der durch die Vorhaben verursachte Schaden für Durach. Wir werden nicht gegen den Beschluss des Gemeinderats klagen, sondern das Bürgerbegehren in einem zweiten Anlauf juristisch sicher aufsetzen, die Probleme einzeln analysiert vernünftig zerlegen, wieder die Stimmen der Bürger einsammeln und im Sommer bei der Gemeinde einreichen. Es gilt, die Bürgerinnen und Bürger in eine solch wichtige, ortsbildprägende und sich auf zahlreiche Dinge wie u.a. Verkehrsbelastung und Parkplatznot auswirkende Entscheidung für das Dorf mit einzubeziehen, eben Ortsgestaltung mit Augenmaß, ein Konsens zwischen Gemeinderat und den Bürgern.“

Was sagt Bürgermeister Gerhard Hock?

Auf Nachfrage bestätigt Bürgermeister Gerhard Hock, dass das Bürgerbegehren aufgrund eines Formfehlers – falsche Fragestellung – nicht berücksichtigt werden konnte. Da es sich aus Sicht Hocks lediglich um einen Flächenanteil von 17 Prozent des Grünzugs für neue Tennisplätze und den ­„Urban Sportspark“ handle, könne nicht von einem massiven Eingriff in die Natur gesprochen werden. Vielmehr würde das Areal durch eine neue Bepflanzung ökologisch aufgewertet und für entsprechenden Lärmschutz werde ebenfalls gesorgt.

Die Frage, ob zukünftig eine weitere Bebauung des Areals, zum Beispiel durch Eigenheime, angedacht sei, verneinte Hock und ergänzte: „Am 14. Mai, am offiziellen Tag der Städtebauförderung, werden wir allen Bürgerinnen und Bürger Durachs die entsprechenden Bebauungspläne zur Ansicht bereitstellen.“

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