Strom vom und für den Bürger

AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke (rechts) und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Dr. Ulrich Netzer, zeigen eines der 7910 Module. Foto: Würzner

Saubere Energie aus regenerativen Quellen war im Allgäu schon lange vor Fukushima ein Thema. Der Bau des Wasserkraftwerks in der Au durch den Ingenieur Adolf Böhm beispielsweise erfolgte vor über 100 Jahren. Zuverlässig, wetterunabhängig, geruchs- und emissionsfrei versorgt die Iller auch heute noch die Region mit Strom. Mit dem Neubau des Kraftwerks an der Keselstraße ist diese Form der Energieerzeugung allerdings an ihre Grenzen gestoßen. Das AÜW wird deshalb verstärkt auch Wind- und Solaranlagen fördern. Mit einer Beteiligung am „Trianel Power Windpark Borkum“ seit 2007 und dem im Bau befindlichen Solarpark Ursulasried wird dies manifestiert.

Im Bewusstsein der Allgemeinheit verankert ist inzwischen auch eza, ein Verbund aller Energieversorger, durch Beratungsangebote im ganzen Landkreis seit 13 Jahren präsent und ein Pflichttermin für alle Häuslebauer, sei es Neubau oder Altbausanierung. Das Allgäu ist, was Sonnenstunden anbelangt, im deutschen Vergleich in der Spitzengruppe vertreten. Da liegt es auf der Hand, von diesem niemals versiegenden (jedenfalls in den nächsten viereinhalb Milliarden Jahren) Energiestrom etwas abzuzapfen. Ein Blick aus der Luft auf die Dächer beweist die Akzeptanz dieser Form umweltverträglicher Energiegewinnung, die Diskussionen um Aussehen und „Landschaftsverschandelungsfaktor“ sind verstummt, ganz im Gegensatz zu Windkraftanlagen. Fünf Fußballplätze Mit der absehbaren Fertigstellung der Fotovoltaikanlage vor den Toren Kemptens steigt das AÜW im ganz großen Stil in die Erzeugung elektrischer Energie ein. Auf der Fläche von fünf Fußballfeldern, exakt 38 000 Quadratmetern, werden 7910 Solarmodule montiert. Bei der Berechnung der zu erwartenden Einspeisung wurde, so betont AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke, ein absolut realistischer Wert eingesetzt, der auch bei sich verschlechternden Bedingungen erreicht werde. Höhere Erträge würden die Betreiber also nicht überraschen. Das fast garantierte Minimum wird mit 1 864 000 Kilowattstunden (kWh) angegeben, ausreichend für die Versorgung von 550 Haushalten. Gleichbedeutend mit einer Einsparung an Kohlendioxyd in Höhe von 1 312 000 Kilo. Vorrecht für Kemptener Dass dies nicht zum Nulltarif zu haben ist, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Die Investitionen allein hierfür belaufen sich auf 4,3 Millionen Euro, andere Projekte mit Biomasse und Windkraftanlagen sind in der Planung. Das AÜW beschreitet ab 15. August einen neuen Weg der Finanzierung solcher Vorhaben. Es beteiligt die Bürger zunächst einmal daran, den Plan in die Realität umzusetzen, und später, wenn er erzielt wird, am Gewinn. Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl: Die Inhaberschuldverschreibung und das Genossenschaftsmodell. Wer die erste Variante wählt, kann innerhalb der Zeichnungsfrist (15. August bis 15. November) Beträge von 1000 bis 10 000 Euro zeichnen (in Tausender-Schritten) und erhält dafür ab dem Tag der Bestätigung einen garantierten Jahreszins. Er ist festgeschrieben auf 3,5 Prozent für Kunden von „AllgäuStrom Klima“ und drei Prozent für Kunden sonstiger AÜW-Produkte. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, Die Verzinsung ist unabhängig von der Rentabilität der Anlage. Um ein „Gschmäckle“, wie Michael Lucke es ausdrückt, zu vermeiden, wird die erste Tranche an Kemptener Bürger ausgegeben, die zweite an Bürger des Landkreises und die dritte an Mitarbeiter und Stadträte. Bei der Zuteilung gilt das Windhundprinzip, jedem bekannt als „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Zeichnungsscheine können ab 15. August aus dem Internet (www.auew.de) heruntergeladen werden, wer noch ohne den Segen moderner Technik auskommt, erhält die Informationen unter der Telefonnummer 0800/25 218 00. Das Genossenschaftsmodell befindet sich noch in der Gründungsphase, soviel steht schon fest: Die Genossenschaft wird mit maximal 44 Prozent an der „Solarpark Ursulasried GmbH &Co KG“ der Betreibergesellschaft beteiligt sein. Das AÜW wird mindestens 51 Prozent halten. Die Idee, die hinter beiden Optionen steht, ist die Kunden des AÜW am Wechsel zu regenerativen Energiequellen und deren gewinnbringenden Nutzung zu beteiligen. Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) brachte es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: „Umweltfreundliche Energie aus der Allgäuer Region, von Allgäuern finanziert, für die Allgäuer Bürger“.

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