Suche nach neuen Wegen

Die Chancen der Wirtschaftskrise nutzen und Optimismus bewahren lautete der Tenor des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Thomas Straubhaar. Vor rund 200 Gästen des diesjährigen Siemens-Wirtschaftsforums im Kornhaus standen in seinem Vortrag „Wege aus der Krise – durch Perspektivewechsel zum Erfolg“ vor allem zwei Botschaften im Mittelpunkt: Entsprechende Vorkehrungen auf Finanzierungsseite und eine schnelle Rückkehr zum normalen Absatz.

Erstmalig in der Geschichte sei die gesamte Weltwirtschaft von der Rezession betroffen, hob er die Besonderheit der aktuellen Situation hervor. Der bis zuletzt Glaube an eine „milde Rezession“ in Deutschland habe mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und dem folgenden „dramatischen Einbruch der Auftragseingänge im Maschinenbau“ ein jähes Ende gefunden, räumte er auch seine einstige Fehleinschätzung der Lage ein. Der in Deutschland zu erwartende „zähe Aufstieg“ werde „mindestens ein bis zwei Jahre dauern, bevor es wieder einen vernünftigen Auftragseingang gibt“. Kaum noch bedrohlich Betrachte man den Einbruch allerdings im historischen Kontext der letzten 50 Jahre, „verliert er die Bedrohlichkeit“, beruhigte er. Seiner Ansicht nach brauche es „nicht unbedingt bessere Kontrollen“ im Finanzmarkt, aber die vorhandenen müssten „für alle gleich“ gelten. So lehnte er Sonderregeln für Investmentbanken ab und plädierte für eine höhere Eigenkapitaldecke bei Finanzierungen, mehr Transparenz und bessere Rating-Agenturen, wo bislang „die Spieler ihre Schiedsrichter selbst ausgesucht haben“. Zwar stünden Banken derzeit in der Kritik, aber „sie machen genau das, was wir von ihnen verlangen“, nämlich genau hinschauen, wenn sie Kredite vergeben, nahm er sie in Schutz. „Wer rechtzeitig nach neuen Wegen sucht“, komme gut aus der Krise heraus, riet er auch mittelständischen Betrieben beispielsweise über Geld aus dem Ausland oder Public Private Partnershipmodelle nachzudenken. Kritisch bewertete er den in vielen Fällen „Strohfeuercharakter“ der Konjunktuprogramme, an deren Folgen der Staat in zwei bis drei Jahren „zu knabbern haben wird“. Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung von derzeit sechs Milliarden Menschen auf neun Milliarden bis zum Jahr 2050 würden „zu den vielen heute schon armen Menschen noch viele weitere dazukommen“, verwies Straubhaar besonders auf die derzeit am stärksten wachsende Bevölkerung Asiens, Afrikas und auch Lateinamerikas. Zwang zum Wachstum Da alle an der Globalisierung teilhaben wollten, entstehe ein Zwang zum Wachstum, der auch das Thema Energie betreffe. Langfristige Trends wie regenerative Energie, Klimawandel, Qualität und Wohlbefinden, die durch die Krise möglicherweise in den Hintergrund geraten seien, würden wieder mehr Bedeutung bekommen. Eine Chance sah er im „Wagnis als Triebfeder menschlichen Handelns“. Nicht das Hinfallen sei das Problem, „sondern das Liegenbleiben“, zeigte er sich überzeugt, dass nur wer wagt auch gewinnt. Seine Erfolgsformel für künftige Wettbewerbsfähigkeit: Besser statt billiger, Technologieführerschaft statt Kostenführerschaft, Prozesse statt Produkte und Investitionsgüter statt Konsumgüter.

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