Die Sulzberger sind startklar

Letzte Vorbereitungen für das große Faschings-Spektakel in Sulzberg

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Ein Riesen-Tausendfüßer kriecht bei den Sulzberger Faschingsumzügen durch den Ort.

Sulzberg – „Das Tollste an unserem Faschingswagen sind die Beine des Tausendfüßers“ sagt Andreas Bitter, aus dem Team der Oberberger Faschingswagenbauer. So bewegen sich die gummigestiefelten Beinpaare paarweise und synchron, wie bei einem echten Tausendfüßler eben! „Angetrieben werden sie hydraulisch über den Traktor“, sagt Josef Feneberg, der dieses technische Detail ausgetüftelt hat.

Seit November verbringen rund 100 „Faschingsverrückte“ aus Oberberg ihre Samstage damit, einen ganz besonderen Faschingswagen zu bauen. Insgesamt 2000 Arbeitsstunden haben Einwohner aus den Weilern Hinterm Buch, Auf‘m Buch, Wachsenegg, Untergassen und Untermoos in den Bau des Wagens investiert: Da wurde gesägt, geschweißt, gebohrt, geschliffen, verputzt und gemalt. Denn für den Sulzberger Faschingsumzug muss es eben etwas ganz besonders Originelles sein: Denn der Umzug ist legendär und für die vielen außergewöhnlichen und kreativen Wagen bekannt. Nur alle zehn Jahre findet das Sulzberger Faschings-Spektakel statt, so dass die Wagenbauer auf diesen Termin hin ein bisschen wetteifern und das „Geheimnis“ um ihren Wagen bis zum ersten Umzug des Jahres bewahren.

Die Arbeit schweißt zusammen

So war die Wahl des Mottos der Oberberger Gruppe nicht ganz einfach und hatte gleich mehrere Sitzungen gebraucht, gesteht Bitter. Doch Mitte November einigten sich die Oberberger auf das Thema: Oberberger (U)-ziefer & Co. „Wobei wir auf das Co. ganz besonderen Wert legen“, unterstreicht Bitter. Insgesamt ist der Wagen ein echtes Kunstwerk, das weniger auf einem detaillierten Plan beruht, sondern eher aus einer groben Skizze und aus einem gemeinsamen Schaffensprozess heraus entstand. „Das schweißt zusammen“, sagt er. „Außerdem ist es eine tolle Aktion, an der Jung und Alt teilnehmen und man lernt auch mal neue Leute kennen, die man sonst nicht im Dorf sieht.“

So sind am letzten Samstag vor dem ersten Umzug rund 30 Leute mit den Feinschliff-Arbeiten auf dem Hof von Landwirt Josef Feneberg beschäftigt. Die Wagenkünstler sind entspannt, schließlich hatte der TÜV ihnen vor einigen Tagen eine Abnahme erteilt, jetzt gilt es, den Wagen zu perfektionieren und den gemeinsamen Schlachtruf zu optimieren.

Im vorderen Teil, im Maulwurfshügel, richtet die Band ihre Musikinstrumente ein und zurrt die Boxen fest. Passend zum Motto wird die Live-Band bei den Umzügen ein Repertoire aus bekannten Songs zum Besten geben. Dahinter in einer Streuobstwiese liegt eine überdimensionale Birne und allerlei Getier wird sich in der Wiese tummeln. „Das schöne bei uns ist, dass wir nicht eine einheitliche Gruppe haben, sondern ganz viele unterschiedliche“, sagt Bitter. So begleiten Heuschrecken, Ameisen, Bienen, Spinnen, Kakerlaken, Ratten, Mäuse und Fledermäuse den „(U)-ziefer&Co.“-Wagen.

Die Kosten für den Wagen belaufen sich auf 1000 Euro, schätzt Bitter und verweist darauf, dass auf die Verwendung von recycelbarem Baumaterial geachtet wurde und ein großer Teil von Landwirt Feneberg stamme. Unterstützung erhielten die Wagenbauer durch Spenden von Einwohnern. Damit konnte Karolin Schneid Farben und weitere Materialien besorgen. So besteht das Grundgerüst des Wagens aus Baustahleisen, das mit Gewebe überzogen und anschließend verputzt wurde. Insgesamt ist der Wagen 18 Meter lang und drei Meter breit – ein richtig dickes Gefährt.

Kamera an Bord

Da braucht es neben der von Feneberg installierten Kamera-Rundumsicht auch einen routinierten und geschickten Fahrer. Ohnehin seien die Sicherheitsvorschriften viel strikter geworden, erklärt Karolin Schneid, Organisatorin des Oberberg-Wagenbauteams. So müssen die Wagenbauer beim Umzug sechs Sicherheitskräfte stellen, um den Wagen seitlich abzusichern, auch Süßigkeiten dürfen inzwischen nicht mehr vom Wagen geworfen werden.

Nach getaner Arbeit freute sich das gesamte Team inklusive Fahrer auf die erste Jungfernfahrt durch Oberberg. Dem Anlass entsprechend hatten sich bereits einige (U)-Ziefer&Co.-Arten in Schale geworfen und begleiteten den Wagen. So konnten die Oberberger Wagenbauer schließlich feststellen, dass alles läuft und die technischen Details auch einwandfrei funktionieren.

Nun fiebert das Oberberg Wagenbau-Team den Sulzberger Faschingsumzügen entgegen und natürlich sind auch sie gespannt auf die Wagenbaukünste aus den umliegenden Orten. Heuer werden an drei Umzugstagen, am 16., 23. und am 25. Februar weit über 25.000 Besucher in der Oberallgäuer Marktgemeinde erwartet. An den Umzügen, die jeweils um 13.33 Uhr starten, nehmen 29 originelle Faschingswagen teil. Weitere Infos und wie man zur „verrückten“ Zeit am besten nach Sulzberg shuttelt, erfahren Sie unter: www.sulzberger-fasching.de.

Tamara Lehmann

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