V-Partei³ will auf Missstände aufmerksam machen

System Schlachthof am Ende?

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Mit einer Demo machte die V-Partei³ auf die Missstände in Deutschlands Schlachthöfen aufmerksam

Kempten – Unternehmen wie Tönnies oder Wiesenhof geraten im Zuge der Corona-Pandemie momentan öffentlich in die Kritik.

Die Arbeitsbedingungen, insbesondere die Hygienestandards, werden bei einigen dieser Betriebe in Frage gestellt. Mit der Demo „System Schlachthof am Ende?!“ machte die V-Partei³ vergangenen Samstag in Kempten auf die Situation in deutschen Schlachthöfen aufmerksam. 

Mit Ausrufen wie „Fleisch ist ein Stück ermordetes Tier“, „Nicht deine Mutter, nicht deine Milch“ oder „Es gibt kein Recht auf Tierquälerei“ zogen rund 40 Demo-Teilnehmende vom August-Fischer-Platz Richtung Rathausplatz. Dabei hielten sie Schilder mit der Aufschrift „Tönnies schlachtet auch in Kempten“ und „Auschwitz beginnt da, wo jemand auf ein Schlachthaus schaut und denkt: Es sind nur Tiere“ in die Höhe. Die Reaktionen darauf fielen gemischt aus. Teils mit ernstem Blick, teils verdutzt oder gar belustigt reagierten die Passanten. 

„Fleisch schmeckt aber“, murmelte ein Jugendlicher im Vorbeilaufen. Nachdem der Demonstrationszug, an dem sich auch Mitglieder von „Vegans for Future“ und der Partei Bündnis90/Die Grünen beteiligten, am Rathausplatz angekommen war, nutzte die V-Partei3 den Rahmen, um mit deutlichen Worten und scharfer Kritik gegen die Missstände in Schlachtbetrieben vorzugehen. „Viele haben den Zusammenhang zwischen der Pandemie und Schlachthöfen noch immer nicht erkannt“, meinte beispielsweise Birgit Fahr, Bezirksvorsitzende der V-Partei³, die in ihrer Ansprache auf die Gefahr der Zoonose, dem Übertragen von Infektionskrankheiten zwischen Mensch und Tier, aufmerksam machte.

Außerdem kritisierte sie Ausflüchte wie „regional“, „Bio“, und „Metzger des Vertrauens“, mit denen manche in einer selbst geschaffenen Illusion ihren Fleischkonsum rechtfertigten. Auch auf die miserablen Arbeitsbedingungen der Werkarbeiter, die in Schlachtbetrieben in Akkordarbeit arbeiten müssten, ging Fahr ein. Als sie anschaulich den Schlachtprozess beschreibt, bricht eine Teilnehmerin in Tränen aus. „Leute, ich habe eine Lösung für das Problem. Befreit die Tiere aus dem Ausbeutungssystem“, wiederholt die Bezirksvorsitzende unter dem Applaus der Demo-Teilnehmenden immer wieder. Christiane Hofer, Pressesprecherin des Regionalverbandes der V-Partei³, forderte ebenfalls dazu auf, hinzuschauen, laut zu sein, sich zu empören und zu handeln. 

Sie spricht im Zusammenhang mit den auf den Schlachthöfen eingesetzten Arbeitskräften gar von einem legalisierten Menschenhandel, einem Hungerlohn und teilweise angewendeter körperlicher Gewalt. „85 Prozent der Futtermittel in der Ausnutztierhaltung kommen aus Ländern, in denen große Teile der Bevölkerung Hunger leiden. Somit zählen auch diese Männer, Frauen und vor allem Kinder zu den Opfern des Systems Tierausbeutung.“ Und auch die in Schwellen- und Entwicklungsländern tätigen Landwirte bezeichnete Hofer als Opfer des Systems, da diese aufgrund subventionierter Fleischimporte ihre eigenen Produkte nicht mehr verkaufen könnten. Felix Hahn, V-Partei³- Generalsekretär des Regionalverbandes Allgäu, fragte sich in seiner Rede, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass wir Menschen das System Schlachthof akzeptierten. 

„Unsere Gesellschaft hat über Jahrzehnte gelernt, effektiv wegzuschauen und zu verdrängen“, meinte Hahn. Er jedenfalls wisse nichts von Schulexkursionen in Schlachtbetriebe, Tiertransporte würden meist abends oder nachts stattfinden, die Wände der Schlachthöfe seien nicht aus Glas und viele wüssten deshalb nicht, was dahinter vor sich gehe. Sabine Hahn, die Landesvorsitzende der V-Partei³, ging in ihrer Ansprache nur kurz auf das Leid der Tiere ein und warf stattdessen die Frage auf, was wäre, wenn Mensch und Tier freundschaftlich zusammenleben würden. 

„Können wir das überhaupt?“ Ein Wesen, das einen eigenen Willen habe, sollte nur sich selbst gehören und niemandem sonst. Tiere bräuchten Raum, um eigenständig und selbstbestimmt zu leben, denn vorher sei an eine Freundschaft gar nicht zu denken. „Vegan werden ist nicht das Ende eines Weges, sondern der Anfang“, so Hahn. Mit den entsprechenden Maßnahmen zum Schutz der Tiere würde es zu einem Aufatmen in der Welt kommen, sowohl unter Pflanzen, Tieren und Menschen, zeigte sich die Landesvorsitzende überzeugt.

Dominik Baum

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