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Tag gegen Rassismus - »Eine Gesellschaft muss bunt und vielfältig sein«

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Von: Jörg Spielberg

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Kempten – Integrationsbeirat & Bündnis »Mensch sein« begehen Tag gegen Rassismus mit Kundgebung - wie lautet das Rezept für eine bunte, vielfältige Gesellschaft?

„Rassismus bedroht unsere Demokratie. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Rassismus in unserem Denken, Verhalten und in den Strukturen, aber auch im kulturellen Erbe Europas zu erkennen und nachhaltig zu bekämpfen. Eine nachhaltige Bekämpfung braucht Solidarität, Wachsamkeit und Entschlossenheit, aber auch Gesetze, Strukturen und Ressourcen auf allen Ebenen“, das sagten Manuel Büttner vom Bündnis „Mensch sein“ und die Vorsitzende des Integrationsbeirats und Stadträtin Ilknur Altan bei ihrer gemeinsamen Rede am Internationalen Tag gegen Rassismus, der alljährlich am 21. März begangen wird.

Andenken an Niederschlagung der Aufstände in Sharpville

Das Andenken dieses Tages geht zurück auf eine friedliche Demonstration in Sharpville in Südafrika, bei der gegen das rassistische Apartheid-Regime demonstriert wurde. Damals wurde das Aufbegehren gegen die Ungleichbehandlung von Menschen blutig niedergeschlagen. In Deutschland möchten viele an diesem Gedenktag an die Opfer von rassistischen Gewalttaten erinnern, wie sie sich in jüngster Vergangenheit u.a. durch die NSU-Morde, am Olympiazentrum in München oder an der Synagoge in Halle ereignet haben.

In Kempten versammelten sich hierzu die Mitglieder des Integrationsbeirats gemeinsam mit einigen Stadträten und Mitgliedern des Bündnis „Mensch sein“ am Pavillon im Stadtpark, um ihrer Haltung gegen Rassismus Ausdruck zu verleihen.

Büttner und Altan forderten u.a. eine Novellierung und Weiterentwicklung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, ein Landes-Antidiskriminierungsgesetz in Bayern und eine unabhängige Landesdiskriminierungsstelle sowie flächendeckend kommunale Antidiskriminierungsstellen.

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Internationaler Tag gegen Rassismus: Die Teilnehmer an der Kundgebung waren eingeladen, ihr ganz persönliches „Rezept“ für das Gelingen einer bunten, vielfältigen Gesellschaft aufzuschreiben. © Spielberg

Im Angesicht des Krieges

Die beiden nahmen in ihrer Rede auch Bezug auf den Krieg in der Ukraine: „In diesem Jahr werden die Internationalen Wochen gegen Rassismus von der russischen Aggression, einem blutigen Krieg und einer großen Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine überschattet. In diesem Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung stehen wir auf der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch der Russinnen und Russen, die für Frieden und Freiheit kämpfen. Wir möchten vor pauschalen Anfeindungen gegen russische Bürgerwarnen.“

Auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle sprach zu den Mitwirkenden. Er dankte allen Akteuren für ihren Einsatz im Kampf gegen den Rassismus und mahnte, an das Gute im Menschen zu glauben, gleichzeitig aber Leitlinien aufzuzeigen, die nicht überschritten werden dürfen.

„Nicht: die Guten hier, die Bösen dort“

Alle seien aufgerufen, Toleranz zu üben, unterschiedliche Meinungen und Haltungen zu respektieren und trotzdem aufeinander zuzugehen. „Es ist nicht so, dass hier die Guten und dort die Schlechten stehen oder umgekehrt“, so OB Kiechle, der damit durchaus die gleichzeitig stattfindende Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen gemeint haben könnte, die in Hörweite stattfand. „Eine Gesellschaft muss bunt und vielfältig sein und deshalb ist es notwendig, dass wir auch die Meinungen anderer ertragen, immer in den Grenzen, die die Menschenwürde vorgibt“, so Kiechle.

Zum Ende der Veranstaltung wurden Kerzen als Symbole der Hoffnung angezündet und die Teilnehmer gebeten, auf kleinen Tafeln aufzuschreiben, was jeder einzelne zu einer rassismusfreien Welt beitragen kann.

Das Bündnis „Mensch sein“ wurde vom Stadtjugendring Kempten, dem Kreisjugendring Oberallgäu, dem Haus International, den beiden Dekanaten (r.k./ev.) und der Gewerkschaftsjugend im DGB gegründet. Schirmherr des Bündnisses ist u.a. Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

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