Film-Regisseur und Fachärztin tauschen sich mit Zuschauern aus

Film beleuchtet ein Tabuthema

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Im Anschluss an den Film „Suicide Club“ gab es die Gelegenheit zur Diskussion mit (v.li.) Pfarrerin Jutta Schröppel, Fachärztin Dr. Beatrix Kammerlander, Filmregisseur Olaf Saumer und Maria Johler vom Verein der Angehörigen psychisch kranker Menschen.

Kempten – Vielfältige Veranstaltungen zu den „Tagen der seelischen Gesundheit“ haben die Mitglieder des Gemeindepsychiatrischen Ver- bundes (GPV) auch dieses Jahr organisiert. Die Auftaktveranstaltung fand am vergangenen Donnerstag in Immenstadt statt. Landrat Anton Klotz und Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sprachen die Grußworte zu dieser Veranstaltungsreihe, die mit dem Film „Nicht alles schlucken“, startete. Ebenfalls ins Kino lud am Samstag der Verein der Angehörigen psychisch kranker Menschen in Kempten ein.

Die Vorsitzende Maria Johler begrüßte im Colosseum-Center die Koordinatorin für Suizidprävention, Pfarrerin Jutta Schröppel, und die Fachärztin vom Sozialpsychiatrischen Dienst, Kempten Dr. Beatrix Kammerlander. Ganz besonders freute sich Maria Johler darüber, dass auch der Regisseur des Films „Suicide Club“, Olaf Saumer, nach Kempten gekommen war und einen Blick hinter die Kulissen des Films vermitteln konnte.

Das Fachmagazin kino.de beurteilt „Suicide Club“ kurz und prägnant: „Eine Hommage an das Leben.“ Bei Sonnenaufgang treffen sich fünf Menschen auf einem Hochhausdach. Sie wissen Nichts voneinander. Das einzige was sie verbindet: Der unmittelbar bevorstehende gemeinsam Sprung in den Tod. Doch durch eine absurde Verkettung von Ereignissen müssen sie den Plan ändern und verschieben den Sprung bis zum Abend. In diesen gemeinsamen Stunden auf dem Hochhausdach entwickelt sich eine ungeahnte Gemeinschaft. Für alle fünf wird es ein Sprung zurück ins Leben.

Regisseur Saumer erläuterte, dass er durch einen Artikel über eine Gruppe japanischer Jugendliche, die einen gemeinsamen Suizid begingen, auf das Thema seines Films aufmerksam wurde. Bei der Recherche zu „Suicide Club“ wurde er auch mit einem Suizid in seiner Familie konfrontiert. Saumers Anspruch war es, die tragische Ernsthaftigkeit des Themas in eine lebensbejahende Geschichte zu drehen. Im Untertitel des Films kommt dies zum Ausdruck: „Manchmal lebt man länger als man denkt.“

„Ein großes Lob“ sprach im Anschluss an die Filmvorführung Dr. Beatrix Kammerlander dem Regisseur aus. Er habe die „Beziehungslosigkeit in dieser Krise und die Ausweglosigkeit“ sehr eindrücklich dargestellt. Auf die Frage aus dem Publikum, warum ausgerechnet das Allgäu eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate verzeichnet, gab es nicht die eine einfache Antwort. Aus dem Publikum wurde die Vermutung geäußert, dass es mit der großen Anzahl an älteren Frauen zusammenhängen könnte, die einsam und verarmt leben. Zusätzlich belastend seien Ärger und Stress mit Ämtern und Behörden. Kammerlander verwies in diesem Punkt auf Anlaufstellen bei Caritas, Diakonie und AWO. Dort stünden Fachleute bereit, die sich den Problemen mit der Bürokratie annehmen.

Mit einem abschließenden Satz verabschiedete sich der Regisseur vom Kemptener Publikum: „Ein Tag kann sich wunderbar entwickeln wenn man ihm die Chance dazu gibt.“

Michael Schropp

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