BRK-Landesgeschäftsführer wünscht sich mehr Anerkennung für Einsatzkräfte

"Mehr Respekt vor den Einsatzkräften"

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BRK-Landesgeschäftsführer wünscht sich mehr Anerkennung für Einsatzkräfte.

Kempten – Ein Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF), ein Kranken-Transport-Wagen (KTW) und ein Rettungs-Wagen (RTW) stehen vor der bigBOX in Kempten – aber es besteht kein Grund zu Beunruhigung. Anlass für das Aufgebot an Rettungsdienstfahrzeugen war die jährliche Konferenz der Leiter des Rettungsdienstes im Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Das Treffen der 120 Rettungsdienstverantwortlichen aus ganz Bayern stand unter dem Motto „Rettungsdienst im Wandel“. Ziel der Tagung war es, diesen Wandel zu definieren und Antworten auf diese Veränderungen zu finden.

Mit 5000 hauptamtlichen und 7000 ehrenamtlichen Aktiven im Rettungsdienst leisteten die Sanitäter vom Bayerischen Roten Kreuz im Jahr 2015 4,8 Millionen Stunden im Rettungsdienst. Für die Einsätze stehen bayernweit 520 Rettungsfahrzeuge und 470 Kranken-Transport-Fahrzeuge an 290 Rettungswachen und 57 Stellplätzen zur Verfügung. Für das Allgäu bedeutet das: 14 Rettungswachen, 21 RTW’s, 23 KTW’s und zwölf Notarzt-Einsatz-Fahrzeuge. Auf den Rettungswachen und auf den Einsatzfahrzeugen teilen sich sowohl ehrenamtliche als auch hauptamtliche RettungssanitäterInnen und RettungsassistentInnen die Dienste. Von der psychologischen Betreuung über den Patiententransport in eine Spezialklinik bis zur Versorgung von schwerverletzten Unfallopfern reichen die Aufgaben der MitarbeiterInnen im Rettungsdienst. Und über alle Bereiche hinweg ist eine Entwicklung seit Jahren unverändert: Steigende Einsatzzahlen, steigende Einsatzstunden und steigende Ansprüche von Patienten und Angehörigen.

Für diese Leistungsverdichtung sieht der Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, Leonhard Stärk, zwei Hauptursachen: Die Schließung von Krankenhäusern und die zunehmende Inanspruchnahme der Rettungskräften bei „Bagatellunfällen“. So hat auch im Allgäu die Schließung der Krankenhäuser in Obergünzburg, Marktoberdorf oder Isny die notfallmedizinische Versorgung in der Fläche beeinflusst. Für die Besatzungen der Einsatzfahrzeuge bedeute das „eine längere Fahrt vom Einsatzort zur Notaufnahme im Krankenhaus“, so BRK-Geschäftsführer Stärk. Neben der Dauer der Rettungsdiensteinsätze haben sich auch die Gründe für die Alarmierung verändert: „Mit einem verstauchten Fuß oder Kopfschmerzen hat man sich vor ein paar Jahren noch an den Nachbarn gewandt – heute werden dafür immer häufiger Rettungsdienstler und das zugehörige Equipment in Anspruch genommen“, gab Stärk zu bedenken.

Ein Wandel im Rettungsdienst stelle auch das neue Berufsbild Notfallsanitäter dar. Der Notfallsanitäter wird in Zukunft den Rettungsassistenten ablösen. Spätestens im Jahr 2024 soll die Umstellung abgeschlossen sein. Während der Rettungsassistent keine Medikamente (zum Beispiel starke Schmerzmittel) verabreichen darf, wird der Notfallsanitäter hierfür qualifiziert. Diese höhere Qualifikation wird den Unterschied zwischen ehrenamtlichem Rettungssanitäter und hauptamtlichem Notfallsanitäter vergrößern. Für den Notfallpatienten bedeute das aber ein plus an medizinischer Kompetenz.

Pöbeleien häufen sich 

Einen Wandel im Rettungsdienst machte BRK-Geschäftsführer Stärk aber auch auf Seiten der Patienten aus. Immer öfter komme es zu Pöbeleien und Angriffen gegenüber Einsatzkräften. So wurde im September 2015 einem Rettungssanitäter bei einem Einsatz auf einer Baustelle in Memmingen ein Zahn ausgeschlagen. Ebenfalls alkoholbedingt war der Übergriff auf einen Sanitäter beim Faschingsball der Footballer der Allgäu Comets im Februar in der bigBOX Kempten. Der ehrenamtliche Sanitäter der Johanniter musste sich nach einem Faustschlag ins Gesicht selbst im Krankenhaus behandeln lassen. Der BRK-Chef gab zu bedenken, was für ein trauriges Signal es sei, wenn Helfer im Einsatz selbst zum Opfer werden. „Ob Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst – die Einsatzkräfte haben für ihr Engagement mehr Respekt verdient als das augenblicklich der Fall ist“, appellierte Leonhard Stärk.

Michael Schropp

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