Teil 3: Rabenvögel:

Gute Vögel - schlechte Vögel?

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Diese Saatkrähe, deutlich zu erkennen an ihrem großen hellen Schnabel und hellen Kehlsack, posiert auf der Freitreppe in Kempten. Bestimmt fällt demnächst ein Stückchen Brot zum Schnabulieren ab.

Sie verhalten sich, wie es ihre Natur ist und nicht, wie manche Menschen gerne die "Natur" hätten

Raben, Krähen, Rabenkrähen - wer ist denn nun wer? Schwarz sind sie alle, rabenschwarz – und laut! Sie scheinen überall zu sein. Konflikte sind vorprogrammiert. Aber sie durchwühlen nicht nur Mülleimer und machen Dreck. Sie sind gewitzt, dienen unter anderem als „fliegende Müllabfuhr“ und pflegen ein so geselliges wie liebevolles Gemeinschaftsleben. Lassen Sie sich nun im dritten und letzten Teil der Serie nochmals in die Welt der „sagenhaften“ schwarzen Vögel entführen und von den Positivbeispielen für ein gutes Miteinander von Mensch und Krähe inspirieren. Wenige Vogelarten werden selbst von Tierfreunden so massiv abgelehnt wie Rabenvögel. „Raubzeug“, das es zu vernichten gilt. Singvogelmörder, Ackerschädlinge, Nichtsnutze und viel zu viele! Ach wie putzig sind doch die kleinen schön singenden Meisen die zur Brutzeit tausende an lästige Insekten an ihre Jungen verfüttern. Egal, wenn auch geschützte Exemplare dabei sind. Messen mit zweierlei Maß? 

Es ist Januar. Eine Schneedecke dämpft alle Geräusche und eine angenehme Langsamkeit liegt über Kempten. An den Niststandorten der Saatkrähen herrscht reges Treiben. Die letzten Monate waren die Vögel untertags wenig zu sehen. Mittlerweile sind sie wieder häufiger bei ihren Nestern anzutreffen. Diese gilt es zu verteidigen. Versucht vielleicht ein anderes Krähenpaar sich das jahrelang gepflegte Nest unter die Krallen zu reißen? Bestehende und neue Besitzverhältnisse werden auf Krähenart geklärt. Viele Paare sitzen eng zusammen, schnäbeln liebevoll, pflegen sich das Gefieder am Kopf und besonders sanft rund um die Augen. Rabenvögel in Redewendungen und Kunstformen Das im Volksmund bekannte Sprichwort „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ bezieht sich auf diese gegenseitige vorsichtige Federpflege im Gesicht: niemals würden sie sich dabei an den Augen verletzen. Im Buch „Rabenvögel“ beschreibt W. Epple auf Schafen sitzende Elstern, die den Herdentieren natürlich keine Augen aushacken, sondern Fell und Kopf der Schafe nach Fressbarem absuchen. 

Eine ähnliche Episode konnte ich kürzlich bei einer Schafherde in der Nähe von Kaufbeuren beobachten. Saatkrähen saßen im warmen Schafspelz, ritten wippend mit oder pickten im Fell herum. Die Schafe blieben entspannt. Krallenwärmung und Körperpflege in einem. Ich war beeindruckt. Rabenvögel bilden den Inhalt vieler Redewendungen und Kunstformen. So bedeutet „rabenschwarz“ das tiefste Schwarz - im negativen Sinne. Die „alte Krähe“, eine nicht besonders attraktive dünnbeinige Frau, ist bestimmt noch „zänkisch“ wie eine Krähe. Wenn sie dann mit ihren eingefurchten „Krähenfüßen“ um die Augen „klaut wie ein Rabe“, ihren Kindern im Sinne einer „Rabenmutter“ das alte Kinderlied „Hoppe, hoppe Reiter, …, fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben“ vorsingt, wird das Negativimage der Rabenvögel bestätigt. Sie sind nicht mehr frei wie ein Vogel sondern vogelfrei. Was für ein „rabenschwarzer Tag“ für den „Unglücksraben“! Hätte ihm das nur der seltene „weiße Rabe“ vorhergesagt. Rabenvögel stibitzen sich gerne gegenseitig versteckte Nahrungsvorräte oder Nistmaterial und wühlen neugierig in raschelnden weggeworfenen Tüten. Ihren Nachwuchs versorgen sie leidenschaftlich und ausdauernd. 

Bei Rabenvögeln üblich verlassen die Jungen das Nest bevor sie fliegen können, sitzen dann im Geäst oder staksen lautstark um Futter bettelnd auf dem Boden herum – immer in Sichtweite der sorgenden Eltern. Wären sie schlechte Eltern, wären Rabenvögel vermutlich schon längst ausgestorben. In vielen Märchen treten Raben auf, meist als verwandelte Menschen, die durch die Treue ihnen Nahestehender erlöst werden müssen, so im Märchen „Die sieben Raben“ der Gebrüder Grimm. Der amerikanische Literat Edgar Allan Poe verfasste das 1845 erschienene weltberühmte Gedicht „The raven“ (Der Rabe). Inhaltlich ließ er sich von der magischen Seite des Vogels inspirieren. Die britische Rockgruppe „The Alan Parsons Project“ vertonte den düsteren Stoff 131 Jahre später. Der berühmte Künstler Vincent van Gogh malte 1890 wenige Tage vor seinem selbst herbeigeführten Tod das Bild „Weizenfeld mit Raben“. Über einem sonnengelben sich wogenden Kornfeld fliegt im düsteren Himmel eine Schar prachtvoller Raben. In der bekannten Fernsehserie „Game of Thrones“ taucht in den Träumen eines Hauptdarstellers ein mysteriöser dreiäugiger Rabe auf, der über mächtige magische Kräfte verfügt. 

Landflucht und Landwirtschaft Saatkrähen sind ursprünglich Steppenbewohner. In den offenen Landschaften ermöglichen Baumgruppen Brutkoloniebildungen und weite Graslandflächen bieten ein großes Angebot an bodenbewohnenden wirbellosen Tieren, der Hauptnahrungsquelle. Doch was suchen dann all die Rabenvögel und Saatkrähenkolonien in den Städten und Gemeinden? Sie suchen Schutz und Nahrung. Die Lebensqualität dort ist um einiges besser als auf dem Land. Durch die massive rücksichtslose Verfolgung durch den Menschen, die brutalen Zerstörung vieler ländlicher Brutkolonien über einen langen Zeitraum waren die die geselligen Krähen im 20. Jahrhundert gezwungen, tief in die Siedlungsbereiche des Menschen zu fliehen. Dort haben sie wenig zu fürchten. Angewiesen auf zusammenhängende Baumbestände zum Nisten und Schlafen findet man sie seitdem meist in Parkanlagen oder in Alleen. Im Offenland herrscht mittlerweile ein Mangel an geeigneten störungsarmen Niststandorten. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten haben sich die natürlichen Nahrungsräume der Vögel massiv verknappt. Dauergrünland mit der bevorzugten tierischen Nahrung ist extrem rar, weshalb die Saatkrähen zur Futtersuche vermehrt auf Äcker ausweichen. Besonders verlockend wirken frisch gedüngte und bearbeitete Äcker, sowie aufkeimende Saat. 

Um Ackerschäden jedoch möglichst gering zu halten gilt als wirksamste Maßnahme der Erhalt von nahrungsreichem Grünland, ergänzt durch Ablenkfütterungen auf den Wiesenflächen, empfohlen u.a. vom Bayerisches Landesamt für Umwelt. Zusätzlich vorteilhaft ist, wenn möglichst viele Landwirte den Zeitpunkt der Aussaat miteinander absprechen. Mögliche landwirtschaftliche Schäden fallen dann für alle geringer aus. Das Schadensausmaß durch die Vögel wird sehr kontrovers diskutiert. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch der unabweisbare Nutzen der Saatkrähe als Schädlingsvertilger! Bei der Nahrungssuche für die Jungenaufzucht sammeln die Krähen sehr viele Insekten und Larven. Dieser Zusammenhang wurde schon vor etwa 250 Jahren dokumentiert. Das Bild der schädlichen Krähe geriet damals im Zuge der Aufklärung und wissenschaftlicher Erkenntnisse ins Wanken. So bezeichnete ANONYMUS 1778 die Saatkrähe als „wahre Wohltat für uns“, da sie durch den Verzehr schädlicher Ackerinsekten „wahren Nutzen“ stiftete. Konflikte Das Leben und Brüten in Kolonien bedeutet für die Saatkrähe Schutz, ist aber auch ihr Konflikte hervorrufendes Schicksal. 

Da sich in Kolonien auf relativ kleinem Raum sehr viele Tiere befinden steigt zeitweise logischerweise der Schallpegel durch die vielfältigen Lautäußerungen. Herunterfallendes Nistmaterial und vor allem Vogelkot führen zu vermehrter Verunreinigung. Konflikte mit Menschen, die sich durch Lärm und Verschmutzung belästigt fühlen, sind unausweichlich. Seitdem die Vögel mehr und mehr in Siedlungsbereichen Schutz suchen und dort neue Nahrungsquellen für sich entdeckt haben, kommt es verstärkt zu Auseinandersetzungen um die Saatkrähen. Dabei prallt ein sehr „ausdrucksstarker“ Teil der Natur auf eine der Natur entfremdete Stadtbevölkerung. An manchen Orten funktioniert eine Koexistenz zwischen Krähe und Mensch wunderbar. Ausschlaggebend ist das vor Ort dominierende Meinungsbild gegenüber den Vögeln, welches das Handeln von Presse, Politik und Gesellschaft bestimmt. Ein Beispiel für ein positives Miteinander ist die Saatkrähenkolonie am Königsplatz in Augsburg, einem stark befahrenen Ort mit kleiner Parkanlage. In Fremdenführern wird die gut in das Stadtleben integrierte Kolonie sogar als Attraktion genannt. Dagegen schwillt in Kempten zu Beginn des Frühjahrs die alljährliche von Negativ-Emotionen geleitete einseitige Meinungsmache immer wieder auf, eine öffentliche Krähenschelte. Bei dieser aufgeladenen Stimmung fehlt eine umfangreiche sachliche Information zu Ökologie (Lebensform) und Verhalten (Lebensführung) der Saatkrähe. 

Jährlich verfolge ich die kontrovers diskutierten Schlagzeilen der Presse. Oft werden Äußerungen ohne Relativierung formuliert. Es dominiert nicht die kritisch hinterfragende Recherche, sondern oberflächliche Sensationsparolen, die sich gegen die Rabenvögel stellen. Es bleibt zu hoffen, dass Kempten sich nicht irgendwann den Memminger Fischertag zum Vorbild nimmt und öffentlich Krähenjagd als Volksfest zelebriert. NEIN zur Jagd Viele tausend Rabenvögel werden jedes Jahr in Deutschland grundlos getötet. 80.000 – 100.000 allein in Bayern. Dies geht aus Jagdstatistiken hervor. Zwar stellte man 1976 alle Singvögel, zu denen die Rabenvögel zählen, unter Schutz. Leider wurde dieses Vogelschutzgesetz nach massivem Druck u.a. aus der Jägerschaft 1994 geändert. Für Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher können seitdem Jagdzeiten erlassen werden. Jedoch darf die Tötung auch anderer Rabenvögel in „Ausnahmeregelungen“ unter Nennung eines „vernünftigen Grundes“ (§17 Ziffer1 TierSchG) erfolgen. Ein Rätsel wie so viele tausend Vögel eine „Ausnahme“ bilden können. Begründungen werden pauschal mit dem scheinbaren Schutz der heimischen Tierwelt oder Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher Schäden formuliert (vgl. NABU-AG, Rabenvögel). Josef H. Reichholf beschreibt ausführlich in „Rabenschwarze Intelligenz“ eine sechsjährige wissenschaftliche Studie im Saarland, die im Einverständnis mit der Naturschutzbehörde einen Totalabschuss von „Raubwild“ (Füchse, Marder…) und „Raubzeug“ (Krähen, Elstern, …) genehmigte. 

Die Ergebnisse dieser komplexen Studie fielen enttäuschend für die Jagdanhänger und verblüffend für den Naturschutz aus: Keine Beeinträchtigung unter den Singvögeln noch dem Niederwild wurde nachgewiesen. Bejagung von Krähenvögeln führt dagegen in eine komplett andere Richtung. Sie schwächt die natürlichen stabilisierenden Regulationsmechanismen innerhalb der Bestände und die Vögel entfliehen der Verfolgung hinein in den Schutzraum Stadt. Die Bejagung verschiedener Tierarten zur „Aufrechterhaltung des biologischen Gleichgewichtest“ enttarnt sich als Irrweg. Umgang mit Konflikten Wie soll in Siedlungsgebieten mit Saatkrähenkolonien umgegangen werden? Eine komplexe Frage die entsprechend komplexe individuelle Antworten erfordert. Meist herrscht große Verunsicherung. Wo sind Brutkolonien denn nun wirklich problematisch? Oft fordern Bewohner und Politik ein langfristiges schnelles Vergrämen (=dauerhaftes Vertreiben oder Fernhalten von Wildtieren) der Vögel aus den Siedlungsbereichen. Dies bedarf einer Einzelfallbetrachtung mit naturschutzrechtlicher Ausnahmegenehmigung. Fast ausnahmslos enden spontane Vergrämungsversuche jedoch mit dem Aufteilen der Kolonie in mehrere Splitterkolonien die sich an neuen Standorten ansiedeln. In diesen räumlich verlagerten Kolonien wächst der Bestand der Vögel anschließend wesentlich schneller, als in der gefestigten Ursprungskolonie, da die natürliche kolonieeigene Regulierung fehlt. Dazu gehört das Vorhandensein begrenzender Umweltfaktoren wie Nahrungsangebot, Nistplatzkonkurrenz und Anzahl erfahrener Altvögel. Die Krähenpaare legen mehr Eier um verstärkt Junge aufzuziehen. 

Nichtbrüter kommen endlich schneller zum Zug. Logische Konsequenz: es entstehen weitere Konfliktstandorte. Die offenen Landschaften bieten kaum noch geeignete Lebensräume mit Niststandorten in freier Flur und nahrungsreiche Wiesen. Zudem werden die Vögel dort vermehrt illegal verfolgt und gejagt. Eine Umsiedlung der Vögel zurück in die freie Landschaft ist also kaum möglich. Es kristallisiert sich heraus: Die Probleme mit den Krähen in der Stadt haben ihre Ursachen auf dem Land. Und den schlauen Vögeln ist dies bewusst. Erfahrungen in verschied- enen Saatkrähenkolonien verdeutlichen: Vergrämung wäre nur dann sinnvoll, wenn alternative störungsfreie Brutplätze angeboten werden. Dies bedeutet eine langfristige Vorbereitung mit sorgfältiger Planung. Eine Kolonie kann nur Schritt für Schritt umgesiedelt werden, ideal über mehrere Jahre hinweg. Unabdingbar ist eine Veränderung in der momentan dominierenden Landwirtschaft um die Nahrungsquellen zu sichern, neue Grünlandflächen wieder herzustellen, sowie fehlenden Brutbaumbestand aufzuforsten. Für ein gelungenes Zusammenleben von Mensch und Krähe ist kreativer Einfallsreichtum für konstruktive Lösungen gefragt. Manchmal genügen einfache Dinge wie das Verrücken von Sitzbänken in Parkanlagen, oder Aufhängen großer Segeltücher unter gefragten Brutbäumen um parkende Autos vor Kot zu schützen. Von großer Bedeutung an Konfliktstandorten ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit (externen) Sachverständigen, eventuell auch Mediatoren. Irrtümliche Sichtweisen zu den schwarzen Vögeln, von uralten Vorurteilen belastet, können sachlich informativ zurechtgerückt werden. 

Ein Verständnis für die Krähen erreicht man am ehesten, wenn neben der Akzeptanzwerbung auch die Belange des Konfliktpartners ernst genommen und Möglichkeiten für eine Verringerung des bestehenden Streites angeboten werden. Gute Leitfäden zum Umgang mit Saatkrähenkolonien bieten bereits vorhand- ene Konzeptschriften wie vom Bayerischen Landesamt für Umwelt mit Mehrstufenlösungen. Erst wenn die lokale Bevölkerung die schwarzen Gesellen als Teil ihrer Umwelt betrachtet und ihre Daseinsberechtigung anerkennt, können langfristig Konflikte in Siedlungsbereichen dauerhaft gelöst werden. Positivbeispiele im Umgang mit Kolonievögeln Es gibt beeindruckende Positivbeispiele von Städten und Gemeinden im Umgang mit Krähenkolonien, die im schwierigen Interessenskonflikt nachhaltige Wege zur Lösung einschlagen. Gemäß dem Credo „Man schützt nur was man kennt“ findet sich der Schlüssel zur Akzeptanz im Wissenszuwachs über die Wesensart und Lebensbedingungen der Vögel. Sie werden sehen: Die Saatkrähe ist ein sympathischer Nachbar. In der Stadt Jever, die Berühmtheit durch in den Bäumen installierte lautstarke „Krähenklatschen“ erlangt hatte, nahm sich das Umweltbildungsprojekt „MOBILIUM“ des NABU Niedersachsen dieses Themas an. Sie besuchen Schulen und Kindergärten mit einer Vielfalt an Veranstaltungen, worin u.a. die Lebensbedingungen der Krähen nachempfunden werden können. Durch einfühlsame Erfahrung wird das Verständnis für die Saatkrähe, ihre Lebensweise und Lebensraum, gefördert. 

Die Fremdenverkehrsgemeinde Ascheberg am Plöner See in Schleswig-Holstein richtete einen „Krähen-Lehrpfad“ ein mit der Botschaft: Das Vorkommen der Saatkrähe im Ort ist ein Zeichen für intakte Natur. Ein außergewöhnliches Aushängeschild für den Tourismus, speziell zugeschnitten für Familien und Kinder. Andere Städte und Gemeinden wie die Stadt Lahr veröffentlichen für ihre Bürger gut verständliche bebilderte Informationsbroschüren, ergänzt mit Internetauftritten. Eine schöne Idee, die Saatkrähe den Menschen näher zu bringen. Schlusswort mit Luftakrobaten Rabenvögel haben fast alle Lebensräume auf der Erde besiedelt. 

Im Sommer auf La Gomera hatte ich ein besonderes Erlebnis. Auf der Insel lebt der geschützte seltene Kolkrabe, der dort, wie in Mitteleuropa in den 1940er Jahren fast ausgerottet wurde. Bei einer Wanderung hörte ich ihren dunklen Ruf schon von weitem. Wir wanderten um eine Hügelkuppe und sahen sie: In der Thermik drehten sich die mächtigen Vögel in große Höhen, trudelten herunter wie ein abstürzender Gegenstand und fingen sich kurz vor dem Boden laut rufend wieder auf. Am Berghang standen große Bäume. Ein paar der darin sitzenden Kolkraben ließen sich am Ast nach vorne fallen und baumelten kopfüber im Baum. Manche nutzten den Schwung um sogleich loszulassen und in die Höhen zu fliegen. Ein paar Raben spielten Fangen im Sturzflug, zwickten sich in die Schwanzfeder, wechselten wieder und wieder die Rollen. Immer mehr Raben flogen aus allen Richtungen her und stürzten sich in das wilde fröhliche Treiben. Nach einiger Zeit riss ich mich schweren Herzens von dem herrlichen Anblick los und wir gingen weiter. Mein Herz war warm. Ist es nicht schön, dass man diesen Vögeln fast überall auf der Welt begegnen kann?

Über Rabenvögel gibt es noch sehr viel zu berichten. Sie sind natürlicher Teil der ökologischen Vielfalt, die mit jeder einzelnen Art für uns überlebenswichtig ist. Wenn der wirtschaftende Mensch aufhört die Natur in „nützlich“ und „schädlich“, bzw. „gut“ und „böse“ einzuteilen und akzeptiert, dass sich die Natur nicht dauerhaft durch ihn „regulieren“ lässt, ist ein Miteinander von Krähe und Mensch dauerhaft möglich. Dem zugrunde liegt ein friedlicher achtsamer Umgang mit den Geschöpfen der Natur. So alltäglich sie scheinen, so bleiben sie doch rätselhaft.(Seien auch Sie neugierig, was unsere Pflanzen und Tierwelt ausmacht. Es lohnt sich. 

Empfehlenswerte Literatur über Rabenvögel: • Epple Wolfgang, „Rabenvögel“, G. Braun Buchverlag, Karlsruhe • Reichholf Josef H., „Rabenschwarze Intelligenz“, Piper Verlag, München • Glandt Dieter, „Kolkrabe & Co“, AULA-Verlag, Wiesbaden • Riechelmann Cord, „Krähen“, Naturkunden N˚1, Hrsg.: Judith Schalansky bei Matthes und Seitz Berlin • „Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern“, Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umwelt, www.lfu.bayern.de • Krüger Thoresten & Nipkow Markus, „Die Saatkrähe Corvus frugilegus als Brutvogel in Niedersachsen, Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 1/2015, www.umwelt.niedersachsen.de

von Elisabeth Bader

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