Teure Straße hilft sparen

Die geplante Verbindungsstraße zwischen Kaufbeurer und Memminger Straße, die so genannte Nordspange, würde sich wirtschaftlich rentieren. Zu diesem Ergebnis kommt Verkehrsexperte Reiner Neumann von der Ulmer Firma Modus Consult. Nach seiner Kosten-Nutzen-Rechnung, die er vergangener Woche im Verkehrsausschuss vorstellte, würde die Nordspange den Autofahrern viel Geld sparen.

Als Grundlage für die Berechnung zog er die „Empfehlungen für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen“ (EWS) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen heran. Dieses System fütterte er mit den Kosten, die der Bau und der Betrieb der Nordspange verursachen und mit der Verkehrsprognose, die er selbst im Auftrag der Stadt erstellt hat. Die EWS liefert wiederum standardisierte Zahlen, mit denen man berechnen könne, wie hoch sich die Zeitersparnis der Autofahrer durch die Nordspange an Betriebs- Kraftstoff- Unfall- und anderen Kosten niederschlägt, und das über einen Bewertungszeitraum von 20 Jahren. Komplizierte Rechnung Als Baukosten setzte er 7,8 Millionen Euro an, wovon allein vier Millionen auf die neu zu errichtende Illerbrücke entfallen. Beim Nutzenfaktor seien vor allem die Betriebs- und Zeitkosten maßgeblich, führte er aus, die sich vor allem in Geld für Benzin und Unterhalt der Fahrzeuge auswirken. „Wenn ich ihnen die ganzen Algorithmen erläutern würde, wären wir Mitternacht noch nicht fertig“, erklärte er im Ausschuss. In allen Punkten kam Neumann auf niedrigere Ausgaben für den Fall, dass die Nordspange gebaut wird. Zwischen einem und vier Prozent liegen die Einsparungen. Im Endergebnis präsentierte er einen Kosten-Barwert von rund 5,3 Millionen Euro, denen eine Kostenersparnis von etwa 12 Millionen Euro gegenüber stehen. Der Kosten/Nutzen-Faktor von 2,3, der sich daraus ergibt, sei aus wirtschaftlicher Sicht vorteilhaft. Schon ein Wert von über 1,0 sei positiv. Ein niedrigerer Wert wäre schlecht. Für „nicht mehr ganz zeitgemäß“ hielt Grünen-Fraktionschef Thomas Hartmann die Berechnung. Denn die Folgekosten für die Umwelt seien darin nicht enthalten. „Wir sollten versuchen, die Umwelt-Folgekosten in Zukunft zu berücksichtigen“. Seine Meinung teilte Stadtrat Michel Hofer (UB/ödp), der die Handschrift des Baugewerbes in dem Ansatz zu erkennen glaubte. Ihm fehlten vor allem die Folgekosten des CO2-Verbrauchs aus der Zementherstellung, denn „Zement ist ein richtiger Klima-Killer“. Neumann hingegen versicherte, dass in der Expertengruppe, die das System entwickelt hat, das Baugewerbe nicht vertreten ist. Das EWS-System sei zudem das einzige, nachdem solche Kosten/Nutzen-Berechnungen möglich sind und an dessen Vorgaben sei er gebunden.

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