Puppentheater zu Demenz

Theater Ferdinande regt beim Jahresempfang der Diakonie zum Nachdenken an

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Tanz und Gartenbank: Während Willi in der Tagespflege gut versorgt ist, hat seine Frau mal einen Moment für sich.

Kempten – „Immer ein unterhaltsames Programm“ biete der Jahresempfang, freute sich Oberbürgermeister Thomas Kiechle auf den Abend bei der Diakonie Kempten-Allgäu. Die hatte sich unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ ein berührendens Theaterstück auf die Bühne gebracht.

Um das Thema Demenz künstlerisch in den Mittelpunkt zu stellen, spielte das Puppentheater Ferdinande. Das Stück „Auf der Gartenbank verliebt, verlobt, vergiss mein nicht“ handelt davon, wie sich der Beziehungsalltag eines Ehe-Paares verändert, als „Willi“ an Demenz erkrankt. Eindringlich und mit einer Prise Humor wurde die Gefühlswelt des Paares beleuchtet. Man leidet mit der Ehefrau, als Willi immer wieder die Vergissmeinnicht gießen will. Und freut sich mit, als bei Tanz und Gesang Erinnerung an eine Paris-Reise zurückkommen.

Um sich auf das Stück vorzubereiten, durften die Schauspielerinnen (Elke Gehring und Anke Leupold) den Alltag in der Tagespflege St. Mang miterleben. Nicht die Demenz an sich sei das Problem, sondern der Umgang damit, erklärte die Leiterin der Tagespflege, Birgit Prestel, im Anschluss. Die Angehörigen, die zu ihr kämen, hätten bereits einen langen Weg hinter sich. Erst kompensieren viele die Krankheit des Partners noch, meist bis zum Zusammenbruch. Sie plage oft ein schlechte Gewissen, den geliebten Menschen „abzugeben“. Erst durch eine einfühlsame Begleitung, auch der Angehörigen, folge Erleichterung und das Akzeptieren der Krankheit.

Auch für das Paar im Stück wird der Alltag durch die Tagespflege leichter. „Willi, so wie er ist“ wird dort angenommen und liebevoll begleitet. So kann seine Ehefrau mal durchschnaufen und der Beziehungsalltag besser gelingen.

Dafür benötigen ihre Mitarbeiter „ein großes Paket Einfühlungsvermögen“, so Prestel. Das nahm Indra Baier-Müller, Geschäftsführerin der Diakonie Kempten-Allgäu, auch zum Anlass, sich herzlich bei Prestel und allen Mitarbeitern der Diakonie für ihr Engagement im vergangenen Jahr zu bedanken.

Ihr Schlusswort nahm sie noch einmal das Motto „Gegen das Vergessen“ auf. Es sei eine besonders wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die wachsende Zahl der Senioren gut zu betreuen und zu begleiten. Aufgrund des demografischen Wandels werde es bis 2030 rund 44 Prozent mehr pflegebedürftige Senioren geben als aktuell. Für eine gute Versorgung müssten aber auch die Bedingungen in der Pflege dringend verbessert werden. Deshalb appelierte Baier-Müller auch an die anwesenden Lokal-Politiker, die privaten Träger bei Entscheidungen auch „nicht zu vergessen“, sondern so früh wie möglich mitzunehmen.

Steffi Koller

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