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Versteigerte Karten für das Stück »Angst« bringen 1.191,95 Euro ein

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Von: Susanne Lüderitz

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Unterstützung für das Frauenhaus: Zusammen mit einem Oster-Naschkorb für die Bewohnerinnen und die Kinder übergab die künstlerische Leiterin des Theater in Kempten Silvia Armbruster (links) 1,195,95 Euro an Frauenhausleiterin Amelia Ulbrich (rechts) und Lisa Birke, zweite Vorsitzende beim Verein „Frauen helfen Frauen“ (Mitte).
Unterstützung für das Frauenhaus: Zusammen mit einem Oster-Naschkorb für die Bewohnerinnen und die Kinder übergab die künstlerische Leiterin des Theater in Kempten Silvia Armbruster (links) 1,195,95 Euro an Frauenhausleiterin Amelia Ulbrich (rechts) und Lisa Birke, zweite Vorsitzende beim Verein „Frauen helfen Frauen“ (Mitte). © Lüderitz

Kempten – „Frau Armbruster, nach drei Tagen Lockdown war das Frauenhaus voll. Wir überlegen jetzt, ob wir ein zweites Haus eröffnen sollen.“ Diese Worte stammen von Oberbürgermeister Thomas Kiechle, als er die Theaterchefin im April 2020 traf. 

Der Gedanke an die vielen verzweifelten Frauen hätte sie nicht mehr losgelassen, erzählt Silvia Armbruster. Und so reifte die Idee, Theaterkarten zu versteigern und den Erlös an das Frauenhaus zu spenden. Exakt 1.191,95 Euro konnte das Theater in Kempten kürzlich an den Verein „Frauen helfen Frauen“ übergeben.

Das Geld ist gut angelegt. „In den ersten drei Monaten dieses Jahres hatten wir so viele Anfragen wie sonst in den ersten sechs Monaten“, berichtet Amelia Ulbrich, hauptamtliche Sozialpädagogin beim Verein und Leiterin des Frauenhauses, „es wird uns erst noch einholen.“ Im Lockdown und in der Hochphase der Pandemie seien die Frauen eher zurückhaltend gewesen. Aus Angst, sich im Frauenhaus, unter so vielen Menschen, anzustecken. Verschärft wurde die Problematik, weil die Polizei aus Mangel an Platz weniger der gewalttätigen Männer den Wohnungen verweisen konnte. Auch Anschlusswohnungen für die oft in Harz IV lebenden Frauen sind auf dem überhitzten Wohnungsmarkt gerade schwer zu finden.

„Diese Gewalt wird gesellschaftlich nicht geächtet“, empört sich Lisa Birke, zweite Vorsitzende bei „Frauen helfen Frauen“. Die Wahrnehmung sei zwar besser geworden. „Aber insgesamt ist es völlig unzureichend, was man tut.“ Ein wesentlicher Knackpunkt, der immer noch zur Abhängigkeit von Frauen führe, sei ihre schlechtere Bezahlung.

Jetzt, vorletzte Woche, sind es sechs Aufnahmeanfragen gewesen von Frauen, die „heftigster Gewalt“ ausgesetzt sind. „Das ist hochbelastend, wenn man solche Frauen mit Kindern abweisen muss“, sagt Ulbrich. Der Schlüssel des Landes Bayern gibt vor, wie viele Frauen im Frauenhaus unterkommen können. Und auch Personal und Kapazitäten für die Betreuung müssen vorhanden sein. Grob überschlagen stehen den rund 110.000 Frauen im Oberallgäu und Kempten sieben Frauenhausplätze zur Verfügung. Weil der Verein einen Teil der Finanzierung selbst stemmen muss, ist er dringend auf Spenden angewiesen.

Mit dem Erlös aus der Kartenversteigerung finanzierte der Verein dringend benötigte Büroräume. Bislang haben sich fünf Teilzeitkräfte ein kleines Zimmer für Telefonate, Beratungsgespräche und Büroarbeit geteilt, schildert Ulbrich. Auch Schränke für den Spielraum der Kinder wurden kürzlich angeschafft.

Die Idee der Kartenversteigerung im Theater in Kempten ist auch ein Stück weit Lockdown und Pandemie geschuldet. Schauspielerin und Regisseurin Lisa Wildmann war auf Armbruster zugekommen mit dem Wunsch, ein Stück in einer Eins-zu-Eins-Situation auf die Bühne zu bringen: eine Schauspielerin und einE ZuschauerIn oder ein Paar in einer Beobachtungssituation. „Das war sehr intensiv für alle“, schildert die künstlerische Leiterin die Erfahrungen. Normalerweise können die Schauspieler die Gesichtsregungen der Zuschauer nicht sehen. Hier musste sich der Theaterbesucher aussetzen. Manche hatten buchstäblich „Angst“ vor der Situation.

Das Stück „Angst“ basiert auf der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig. Sie ist die Geschichte einer Ehefrau, die ihren Mann betrügt. Durch eine Intrige versucht er, ihr ein Geständnis zu entlocken. Was er meidet, ist das offene Gespräch. Am Ende steht die Frau kurz vor dem Selbstmord.

Von 10 bis knapp 300 Euro reichten die Gebote der Theaterbesucher für die acht Vorstellungen. Zusammen mit einem Oster-Naschkorb für die Bewohnerinnen und die Kinder im Frauenhaus übergab Armbruster die Summe am Donnerstag an Amelia Ulbrich und Lisa Birke.

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