Neue Konzepte für alte Themen 

Altstadtfreunde packen‘s an

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Traditionell Gäste bei der Jahreshauptversammlung der Altstadtfreunde: Sozialbau-Chef Herbert Singer (v.l.), Baureferent Tim Koemstedt und OB Thomas Kiechle. Im Hintergrund Vereinsvorsitzender Dietmar Markmiller.

An Themen mangelt es den Altstadtfreunden ja generell nie, so auch bei der Jahreshauptversammlung vergangenen Dienstag. Noch frisch waren die Eindrücke nicht nur bei Dekan Jörg Dittmar vom Transport der neuen Kirchenglocken für die Sankt-Mang-Kirche mit Pferdewagen von der Stifts- in die Reichsstadt.

Auch Altstadtfreunde-Vorsitzender Dietmar Markmiller sprach sichtlich bewegt von den frisch gegossenen Glocken, die „jetzt dann die nächsten 500 Jahre im Kirchturm verschwinden“. Das soll laut Dekan aber erst kommenden Dienstag, 10 Uhr, passieren. Bis dahin seien sie noch am Boden in der Kirche zu bestaunen. Abgehängt wird noch die sogenannte Pax- oder Friedensglocke, die im Jahr 1948 aus von den Menschen gespendeten Gabeln, Töpfen etc. gegossen worden war und die, laut Dittmar, aufgrund des Materialmixes eher klinge „wie eine Schelle“ und deshalb kaum geschlagen werde. Sie wird „zum Gedenken des Friedens“ als Ort für ein Gebet aufgestellt und soll auch „klingend bleiben“. Die Kosten werde der Rotary Club übernehmen. Noch Spender gesucht sind für die Sanierung des Glockenstuhls, deren Kosten inzwischen auf 230.000 Euro gestiegen seien; 160.000 Euro sind laut Dittmar beisammen. Passend, soll das neue Geläut erstmals am 31. Oktober, am Reformationstag, erklingen.

Mit den „kritischen Äußerungen“ zum Weihnachtsmarkt hatte sich Martina Dufner-Wucher, Leiterin Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb, auseinandergesetzt. Auch wenn die „subjektive Wahrnehmung anders sei“, zählte sie von insgesamt 60 Ständen lediglich 15 Gastro-Stände auf dem Rathausplatz, weitere 15 mit abgepackten Lebensmitteln und die restlichen von Händlern und Kunsthandwerk. Wie sie versicherte, pflege man den Austausch mit Händlern, denn, anders als bei der Festwoche, würden die Weihnachtsmärkte alle zur gleichen Zeit stattfinden, was die Bestückung der Stände erschwere. Der Versuch im vergangenen Jahr, den Markt an die Einkaufs- und Stiftsstadtstadt anzubinden, habe zwar so nicht funktioniert, bleibe aber weiter ein Ziel. Verbesserungsbedarf vor allem in der Kommunikation gebe es beim Bühnen- und Rahmenprogramm, das laut Befragung 75 Prozent gar nicht kennen. Derzeit laufe ein „vielversprechendes Projekt“ mit Studenten der Hochschule Augsburg, die den Kemptener Weihnachtsmarkt nach einem Besuch beurteilen sollten. Die Ergebnisse werden im Werkausschuss am kommenden Montag, 10. Juli, vorgestellt. Markmiller unterstrich dass Stifts- und Altstadt allein „zu schwach sind, um gegen den Süden anzukommen“ und deshalb „immer gemeinsam betrachtet werden sollten“.

Vorangehen soll es nach Wunsch der Altstadtfreunde außerdem mit dem Pumpenhaus, das Baudirektor a.D. Dieter Schade (Beisitzer) und Franz Schröck, Geschäftsführer architekturforum (af) allgäu, näher vorstellten. Das 1910 erbaute und vor rund 30 Jahren aus dem Betrieb genommene Pumpenhaus steht solitär in einem Grünbereich der sich vom Engelhaldepark bis zur Burghalde zieht, unterbrochen durch die Iller. Schade bewertete die Bausubstanz als „solide“, aber aufgrund des langen Leerstandes „ist eine Generalsanierung notwendig“. Um ein Konzept für das Gebäude zu erarbeiten hat sich eine „Allianz“ aus af, Altstadtfreunden, dem Heimatverein und Anwohnern unter der Burghalde gebildet, die bis Herbst soweit sein will, es OB Thomas Kiechle vorzustellen – „wenn wir die Legitimation dafür bekommen“, wie Markmiller anfügte.

„Super“ lobte er in Richtung OB auch gleich den neuen Mittelalter-Spielplatz auf der Burghalde, allerdings verbunden mit einem etwas scharfen „Aber“. Denn seit neun Jahren – unter Berücksichtigung seines Vorgängers Hansjürg Hensler „schon seit mindestens 20 Jahren“ – gehe es darum, die „Perle“ Burghalde aufzumöbeln. „Wir reden jedes Jahr darüber, was man machen könnte, tun aber nichts“, monierte Markmiller. Im jetzigen Zustand brauche man sie auch „in kein Tourismuskonzept einbinden“, verwies er unter anderem auf den seit fünf Jahren unveränderten Bauzaun am Fuße der Burg als „absolut nicht akzeptabel“. Er forderte einmal mehr ein Gesamtkonzept, wozu die Altstadtfreunde schon einiges an Beitrag geliefert hätten. Er akzeptiere, dass es derzeit viele Bauprojekte zu bewältigen gebe, machte aber auch klar, dass er sich nicht mehr hinhalten lasse und gegebenenfalls mehrere Fraktionen zusammentrommeln wolle, um „einen politischen Willen“ zu formieren.

Dauerthema Kronenstraße

Das dritte heiße Eisen: die Kronenstraße, zu der der Vereinsvorsitzende gleich zwei Vorträge organisiert hatte und die dortige Aktion der Grünen vor zwei Wochen (der Kreisbote berichtete) „sehr gut fand“. Der Architekt Leopold Mohr wiederholte nun etwas ausführlicher, was er bei besagter Kundgebung schon angerissen hatte: Die Probleme, die er bei der Sanierung des Gebäudes Kronenstraße 25 hat, da der Lärmschutz keine Wohn- und Schlafräume zur Straßenseite gestatte, unter anderem weil statt Spielstraßentempo (mindestens) 30 Stundenkilometer Usus seien. Er forderte bessere Überwachung und ein „anständiges Konzept“, nach dem sich der Verkehr richten müsse und nicht umgekehrt. Dipl.-Ing. Gerhard Juli hatte bei seinem Vortrag dafür auch gleich einen Lösungsvorschlag mit Versenkpollern, einmal kurz hinter der Gerberstraße und einmal kurz hinter dem Sportgeschäft. Deren Steuerung sei „sehr einfach“, zu bestimmten Zeiten möglich, könne mit Handsendern von Notdiensten bedarfsweise bedient werden, auch via „registriertem Mobiltelefon“ sowie durch die Integrierte Leitstelle. Den Vorteilen wie Flexibilität, Vandalensicherheit und Bedienfreiheit stünden allerdings Kosten von 25.000 Euro zuzüglich Einbau gegenüber und die Poller seien wirkungslos bei Motorrädern.

Kiechle hob in seiner zusammenfassenden Antwort, trotz der teils scharfen Kritik, die Bedeutung der Altstadtfreunde als „strategischem Partner“ hervor, aber mit Verweis unter anderem auf den Sankt-Mang-Platz, die Bachtelbach-Verrohrung oder das Wasserkraftwerk auch, dass schon viel passiert sei. Alles „Dinge, die uns gebunden haben“ und auch jetzt sei unter anderem mit Baugebieten, Schulen, Kitas, Zumsteinhaus etc. „unglaublich viel in der Pipeline“ und die Verwaltung mit Arbeit eingedeckt „bis zur Oberkante“. Er sah bei der Burghalde, abgesehen von kleineren Eingriffen wie beispielsweise beim verwahrlosten Brunnen am Aufgang, „noch einen weiten Weg“, zumal es noch kein „durchschlagendes Konzept“ gebe und die Meinungen auch „ganz weit auseinander gehen“. In Schutz nahm der OB das Vorgehen bei der Kronenstraße, die ja Teil des Mobilitätskonzeptes sei, das auch „sehr zielgerichtet begonnen“ habe, aber neben der Kronenstraße gebe es eben noch „100 andere Punkte, die genauso spannend sind“. Im Übrigen habe sich der dort ansässige Apotheker brandaktuell schriftlich in eine ganz andere Richtung geäußert als die im eben von Juli skizzierte. Etwas verärgert zeigte er sich darüber, dass durch den aufgebauten Handlungsdruck nun das Engagement des Arbeitskreises Mobilität missachtet werde. Für das Engagement beim Pumpenhaus bedankte er sich und bekannte „schon gespannt“ zu sein, was sie da entwickeln werde.

Eine Stellungnahme vom Oberbürgermeister forderte Ingrid Jähnig, die von „schon sehr konkreten“ Ideen und Plänen für Baumaßnahmen der Sparkasse „in einer Massivität“ im Bereich König- und Promenadenstraße gehört habe, dass die Menschen fürchteten es könne in diesem „sensiblen Ensemble“ nochmals ein „so großer Komplex entstehen“. Kiechle beschwichtigte und betonte, dass genau das der Grund sei, warum der Wettbewerb für die Stadtparkgestaltung um den Ideenwettbewerb auch in diesem Bereich ausgedehnt worden sei.

Und da es Markmiller mit seinem Burghalde-Anliegen nicht bloß beim Reden belassen wollte, gründete er kurzerhand gleich eine Workshop-Gruppe „Burghalde aktivieren“, die sich, gegliedert in verschieden Teilprojekte, mit einem Gesamtkonzept befassen wird.

Christine Tröger

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