Menscheln unnütze Maschinen?

Thomas Silberhorn in der Galerie Kunstreich Kempten

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Video-Still aus „Can’t feed them“, HD-Video 3:01 Minuten, von Thomas Silberhorn.

Kempten – Mit der für Kunstnormalverbraucher durchaus skurrilen Soloausstellung „14 neue Ideen für ein erfolgreiches Kempten“ kehrt der Gewinner des artig Kunstpreis 2018 zurück nach Kempten.

Seine Ausstellung in der Galerie Kunstreich ist bis 22. Dezember zu sehen. Für Thomas Silberhorn ist Kunst experimentelle Forschung, er deplatziert unnatürliche Apparaturen in für sie unnatürliche Umgebungen. Letztlich verfremdet und hinterfragt er damit nicht nur ihre Form und Funktion; der Künstler ist ein Wunderkind in besonderem Sinne: Mit einer seltenen Verspieltheit fragt er vielmehr, ob wir noch staunen können. Seine Videos, Installationen und kinetischen Objekte, darin einkalkuliert deren potentielles Scheitern, zeugen von schier endlosem Humor, einem neugierigen Blick und dem bedingungslosen Spieltrieb eines Menschen und Künstlers, der seine Kindlichkeit ins Erwachsensein gerettet und keine Scheu vor dem Absurden hat. 

In seinen Werken fragt er nach dem Verhältnis zwischen uns Menschen und den Maschinen: Kann ein Roboterarm ein Butterfly-Messer auf- und zuklappen? Empfinden wir Mitleid, wenn wir blinkenden, elektrischen Spielzeughunden beim Ertrinken zusehen? Seine Ideen und seine daraus resultieren Werke sind in Technik, Machart und Form äußerst unterschiedlich, haben aber dennoch einen roten Faden: Die durchaus ernste Frage „Was ist hier denn los?“ Denn dem technischen Wettrüsten der Consumer Industry stellt Thomas Silberhorn seine eigene Produktpalette an nützlichen und unnützen Erfindungen entgegen. Er sagt über seine Kunst: „Im Grunde genommen ist mir jedes Mittel recht, um meine Ideen für den Betrachter in Objekte, Installationen oder Videos zu übersetzen. 

In meinen Arbeiten kalkuliere ich das Scheitern stets ein; eine sich fehlerhaft bewegende Mechanik hat mehr Charakter: Ihr haftet etwas Menschliches an.“ Die Ausstellung 14 neue Ideen für ein erfolgreiches Kempten ist ein wilder Ritt durch irrwitzige Upgrades von Dingen und ihren Funktionen, um damit deren durchaus auch zwecklosen Möglichkeiten auszuloten. Damit gibt er den Maschinen dasselbe Recht wie den Menschen: Irrationales, Spaß, Blödsinn oder Fehler zu machen und zu scheitern. Unserer Technikhörigkeit, dem wie und wo wir Technik im Alltag einsetzen, steht der Künstler dabei kritisch gegenüber, trägt am Ende aber auch seinen Teil dazu bei: „Kann ich die Welt damit verbessern, indem ich Versuche zeige, die diese Welt eigentlich nicht verbessern?“

Thomas Silberhorn wurde unter anderem mit dem artig Kunstpreis 2018 für sein Video „Rote Kuh auf grüner Weide“ mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt München. Dort studierte er von 2008 bis 2015 an der Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei, zuletzt als Meisterschüler bei Stephan Huber. Die Öffnungszeiten bis einschließlich Sonntag, 22. Dezember 2019 sind Dienstag von 16 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Ein Künstlergespräch mit Thomas Silberhorn findet am letzten Ausstellungstag, Sonntag, 22. Dezember, um 16 Uhr statt. Der Eintritt zur Vernissage und zur Ausstellung ist wie immer frei. 

kb

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