Nick Woods Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz beginnt weit vor Greta Thunberg

Die Uhr tickt im TiK: "No Planet B"

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Wachsen für den Schutz des Klimas über sich hinaus (v.l.) Meg (Julia Jaschke) mit ihren Töchtern Chris (Lara Waldow) und Alex (Stephanie Marin).

Kempten – Mit einem Jugendtheater-Stück, das Erwachsene nicht weniger betrifft/betroffen macht, startete das Theater in Kempten(TiK) in die Spielzeit 2020/21.

Die Auftragsarbeit „No Planet B“ des britischen Autors Nick Wood (er schrieb auch „Malala – Mädchen mit Buch“), hat emotionale Sprengkraft; es ruft einem zu „empört euch!“, es macht wütend, schuldbewusst, nachdenklich ... und im Idealfall: aktiv. Das schauspielerisch wie klimaschützend schlagkräftige Trio auf der Kemptener Bühne, bestehend aus Mutter Meg (Julia Jaschke) und ihren beiden ungleichen Töchtern, der forschen Alex (Stephanie Marin) und der sanfteren Chris (Lara Waldow), sorgt für Spannung bis zum – offenen – Schluss: drei Frauen, die sich nicht einschüchtern lassen und für ihre Überzeugungen mutig über sich hinauswachsen. 

Die Fridays For Future-Bewegung krempelt das Leben der beiden kurz vor dem Schulabschluss stehenden Jugendlichen und in Folge auch das von Mutter Meg um. Plötzlich sind Recyclingbörse, vegetarische Ernährung oder Second-Hand-Kleidung angesagt. Damit ist es für die Drei aber mitnichten getan. Sie wollen mehr, vor allem nachdem sich der Autor – via Stimme aus dem Off – in das Stück einmischt. Nachdem er bekennt, dass er zwar so Manches umgestellt habe, z.B. den Diesel wenigstens gegen einen Benziner getauscht, da er sich ein E-Auto nicht leisten könne, ab und zu aber doch noch gerne Schinken auf seinem Sandwich hätte, empfiehlt er die Lektüre von „Losing Earth“ des Autors Nathaniel Rich. Auf dessen Reportage über den am Ende gescheiterten Kampf prominenter Klimaaktivisten der 1980er Jahre basiert „No Planet B“. So bekommen auch Figuren wie der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore („Eine unbequeme Wahrheit“), der NASA-Wissenschaftler James Hansen und der Umweltvertreter Rafe Pomerance ihre amüsant umgesetzten Auftritte. 

Deutlich wird dabei u.a. die Macht der Politik, die sich ihr unbequemen wissenschaftlichen Erkenntnissen gnaden- und rücksichtslos in den Weg stellt. Der Blick auf die CO2-Problematik reicht dabei noch deutlich weiter in die Vergangenheit zurück und gipfelt in der nüchternen Erkenntnis: „Wir wissen von dieser Scheiße also schon seit 150 Jahren.“ Und noch eine andere Erkenntnis keimt in den jugendlichen Aktivistinnen: Die „kalkulierte Ablenkung“ vom Wesentlichen durch Plastiktrinkhalme, Bambuszahnbürsten Pappbecher & Co.. Alex und Chris werden schließlich bei einer Demo von „Extinction Rebellion“ verhaftet, laufen aber erst richtig zur Höchstform auf, als sie zufällig auf ein verborgen im Wald gestartetes Fracking-Projekt stoßen ... 

Es ist eine „runde“ Sache, die Silvia Armbruster in ihrer kurzweiligen Inszenierung mit pfiffigen Ideen inszeniert hat. Ganze Arbeit haben hier auch Michael S. Kraus (Bühnen & Kostümbild) sowie Rainer Hartmann (Videoinstallationen) geleistet. Alle Hände voll zu tun hatte Julia Jaschke, die flink und wandlungsfähig wie ein Chamäleon die„Häute“ unterschiedlichster Figuren zu füllen hat: Neben Mutter Meg ist sie u.a. als Nerd unterwegs, der das Trio digital mit der Welt vernetzt, als rasende Reporterin, als Umweltminister von Kiribati ... Das Schlusswort hat, wie soll es anders sein, die geliebte wie gehasste Umweltikone Greta Thunberg, die u.a. mit den Worten zitiert wird, es gebe Hoffnung, „sie kommt von den Menschen, die jetzt aufwachen“. 

Weitere Aufführungen (alle beginnen um 20 Uhr im Theater in Kempten, großer Saal) sind am Donnerstag, 1., Sonntag, 4., und Donnerstag, 8. Oktober 2020. Karten gibt es unter der Telefon Nr.: 0831/870 23 23. Es gibt selbstredend ein Hygiene- und Abstandskonzept. Weitere Infos im Internet unter www.theaterinkempten.de

Christine Tröger

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