Tiere & Pflanzen vs. Gewerbe

Pläne an der Riederau: Nein von ÖDP und Grünen wird überstimmt

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Auf der Luftaufnahme des Geländes sind die Bunker gut zu erkennen. An der Straße links des Biomassehofs soll die Firma Kutter Flächen erhalten.

Kempten – Für erneute Diskussionen sorgte das geplante Gewerbegebiet an der Riederau im Planungs- und Bauausschuss. Nach den vorgelegten Plänen soll die Firma Kutter für ihren Gartenfachmarkt auf dem Gelände des Biomassehofs rund 24.600 Quadratmeter direkt an der Thomas-Dachser-Straße erhalten.

Nördlich schließen sich der Biomassehof und eine Trainingsfläche des MSC Scuderia Kempten e.V. mit zusammen rund 59.000 Quadratmetern an. Und als nördlichster Teil des Geländes sind rund 12.000 Quadratmeter für den städtischen Bauhof vorgesehen, der größere Lagerflächen als bisher benötigt. Der Umweltausschuss der Stadt Kempten hat in seiner September-Sitzung bereits zugestimmt, dass die Grenzen des dortigen Landschaftsschutzgebietes (LSG) geändert werden, um die Gewerbe-Pläne umsetzen zu können. Nun hat auch der Bauausschuss sein O.K. gegeben.

„Den Einstieg in ein Gewerbegebiet an dieser Stelle kann ich nicht mittragen“, begründete ÖDP-Stadtrat Michael Hofer sein Nein zu den Plänen. Dass der Biomassehof in der Riederau angesiedelt wurde, habe er damals nur wegen der Energiewende befürwortet. Eine andere Anordnung der Grundstücksflächen wünschte sich Thomas Hartmann von den Grünen. Denn der größte Teil des geplanten Gartencenters und der Bauhof-Lagerflächen betreffen das LSG.

Hartmann wünschte sich, dass die Firma Kutter hinter die Flächen des Biomassehofs gelegt werden, um weniger LSG aufgeben zu müssen. „Kutter will möglichst von der Straße aus gesehen werden“, zeigte der Stadtrat Einsicht für die marketingtechnischen Gründe der Anordnung, „das geht aber auch mit Fahnen und Werbeflächen an der Straße.“ Obwohl oder gerade weil die Flächen des LSG mit den dortigen Bunkern versiegelt seien, hätten sich auf dem „ökologisch sehr wertvollen“ Gelände „seltene Tiere angesiedelt“, argumentierte er. Mit durchlässigen Bunkerdecken könnten deren Lebensräume noch verbessert werden.

Den Plänen positiv gesonnen zeigten sich jedoch die restlichen Ausschuss-Mitglieder. Hans-Peter Hartmann von den Freien Wählern erfragte die jetzige Größe des Gartencenter Kutter: Die Leiterin des Stadtplanungsamtes schätzte, dass diese in etwa der Hälfte von der geplanten neuen Fläche entspreche. Baureferent Tim Oliver Koemstedt führte ins Feld, dass nur „weniger als ein Prozent“ der LSG-Fläche verlorengehen würden, die mit den Bunkern sowieso „schon stark versiegelt“ sei. Durch Rückbau und Entsiegelung von Bunkern könne man den Verlust kompensieren. Ins gleiche Horn blies der Umweltbeauftragte des Stadtrats Richard Hiepp (CSU), der den Eingriff als notwendig verteidigte. Vor­ 50/60 Jahren sei das Gelände schon einmal „umgepflügt“ worden und durch die Nordspange sei ohnehin eine andere Situation entstanden. Dem schloss sich Siegfried Oberdörfer von der SPD an. Heute würde man die Fläche als Konversionsfläche betrachten und nicht als LSG. Auch er sah den Eingriff wegen der großen Probleme, Gewerbeflächen zu finden, als gerechtfertigt an. Und Oberbürgermeister Thomas Kiechle führte schließlich ins Feld, dass die Alternative ein Neubau auf einer Wiese und der Verlust von landwirtschaftlich genutzter Fläche wäre.

Auf die Prozentrechnungen einlassen wollte sich allerdings Thomas Hartmann nicht. „Überall in ganz Deutschland wird mal hier ein Prozent weggenommen und mal dort“, sagte er. Die Bedenken von CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier, dass die Entscheidung für die Firma Kutter, die ihren jetzigen Standort ja zum Jahresende aufgeben müsse, zu spät kommen könnte, beruhigte Kiechle mit der Aussage, dass der Zeitdruck vom Anfang des Verfahrens so nicht mehr gegen sei: „Der Beschluss könnte noch rechtzeitig kommen“, sagte er.

Susanne Kustermann

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