Tipps vom Markt-Experten

In der Innenstadt lässt es sich gut einkaufen, das sehen auch die meisten Kunden so, wie Dr. Manfred Bauer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), vergangene Woche dem Haupt- und Finanzausschuss erklärte. Laut dem Einzelhandelsgutachten der GMA (der KREISBOTE berichtete) sind weiterhin aber die 9000 Quadratmeter leer stehende Verkaufsfläche im Bereich Zentralhaus/SinnLeffers Grund zur Sorge. Mit einem Einzelhandelskonzept will der Ausschuss jetzt die Fußgängerzone beleben. Auch bei deren Erscheinungsbild können Stadt und Unternehmer noch nachbessern.

Schlecht steht es um Kemptens Einzelhandel nicht, so Bauer. 330000 Menschen mit 1,7 Milliarden Euro Kaufkraft leben im Einzugsgebiet Kemptens, das von Isny im Westen bis Marktoberdorf im Osten, von Oberstdorf im Süden bis fast nach Memmingen reiche. Selten aber auch sehr gut: 132 der 649 Kemptener Geschäfte verkaufen Textilien – eine hervorragende Leitbranche für die Innenstadt. Beim Sortiment stehe Kempten nur bei Möbeln schlecht da, gerade deshalb könne die Stadt das geplante XXXLutz-Möbelhaus gut gebrauchen, meinte Bauer. Laut einer Umfrage, die die GMA im März und April unter den Kunden vorgenommen hatte, loben die Käufer vor allem das gute Warenangebot, auch das sei laut Bauer ungewöhnlich. Auch das Ambiente stehe demnach hoch im Kurs, schlechter schneiden die Parkplatzsituation und die Beratung in den Geschäften in der Gunst der Kunden ab, „der Einzelhandel ist möglicherweise etwas bequem geworden“, urteilte der Markt-Experte. Ein bisschen Nachhilfe erteilte er den Stadtvätern und auch Einzelhändlern: Mit über 1100 Metern sei die Einkaufmeile zwischen Kaufhof und Forum länger als in mancher Großstadt – da müsse der ÖPNV entsprechend verbessert werden. Besonders beim Erscheinungsbild der Innenstadt „liegt einiges im Argen“. Pflanzen in Spritzbetonkübeln seien nicht mehr „up-to-date“, nur ein einziger Spielplatz versteckt in der Zwingerstraße, ein paar müde Spielgeräte in der Bahnhofstraße neben Mülltonnen – das sei zu wenig. Viele der Sitzbänke in der Stadt seien verwittert, die Unterführung Freudenberg mit seiner schlechten Beleuchtung „ein schwarzes Loch“. Auch die Ladenbesitzer könnten laut Bauer mehr tun. Er störte sich vor allem an den Plastikstühlen im Außenbereich mancher Cafés, tristen Fassaden und unscheinbaren Eingängen, die oft mit allzu billig angebotenen Waren zugeparkt seien. Einen wichtigen Punkt des Konzepts stellte der Katalog an Sortimenten dar, das nach dem Willen des Ausschusses künftig nur in der Innenstadt angeboten werden soll. Ziel des Katalogs: Wer die darin aufgelisteten Waren verkaufen will, muss seinen Laden in der Innenstadt eröffnen, es sei denn, die Verkaufsfläche ist kleiner als 200 Quadratmeter. Das bedeute nicht, dass es keine Ausnahmen geben dürfe, die müssten aber schlüssig begründet werden, erklärte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). „Das müssen wir durchhalten, sonst fällt das Konzept zusammen wie ein Kartenhaus“. Auch für bestehende Geschäfte, die lediglich erweitern wollen, seien so nicht alle Wege versperrt, beruhigte er Bedenken Erwin Hagenmaiers (CSU), der Nachteile für bestehende Geschäfte außerhalb des Innenstadtbereichs sah. Der Ausschuss folgte hier der empfohlenen Sortimentsliste der GMA und nahm nur das Segment „Fahrräder“ heraus.

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