Tödliche Verwechslungsgefahr

Johanniter warnen davor, sich bei der Pilzbestimmung blind auf Apps zu verlassen

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Finger weg von der Pilzbestimmung per App!

Landkreis – Endlich wieder ab in die Wälder zum Pilze sammeln! Leidenschaftliche Pilzsammler kommen vor allem im Spätsommer und Herbst voll auf ihre Kosten:

Hochsaison. Pfifferlinge, Steinpilze, Bovisten oder Wald-Champignons sprießen überall aus dem Boden und warten darauf, entdeckt zu werden. Aber die Gefahr sucht immer mit – schnell kommt es zu einer Verwechslung, die im schlimmsten Fall tödlich endet. Besonders durch Apps zur Pilzbestimmung fühlen sich viele sicherer als früher und gehen dadurch ein hohes Risiko ein

„In diesem Jahr gab es bereits relativ früh zahlreiche Pilzvergiftungen. Nicht nur die fehlenden Kenntnisse waren schuld, sondern auch das blinde Vertrauen in diverse Apps“, erklärt Bernd Fischer, Regionalarzt der Johanniter im Allgäu. Denn auch mithilfe einer App könne eine giftige Sorte nicht zwangsläufig erkannt werden. Die Johanniter erklären, welche Symptome auf eine Vergiftung hinweisen, was im Verdachtsfall zu tun ist und was die häufigsten Ursachen von Pilzvergiftungen sind. Nur nehmen, was man genau kennt – das ist die wichtigste Regel beim Pilze sammeln. So gut wie jeder essbare Pilz hat einen hochgiftigen Doppelgänger. Deshalb ist es ratsam, als Ungeübter im Vorfeld der Suche zuerst einmal einen Wochenend-Kurs zu besuchen, beispielsweise bei der Volkshochschule. Hier werden erste Kenntnisse vermittelt und typische Fehler erklärt. Besteht auch nur der kleinste Zweifel an der Genießbarkeit, sollte ein Pilz auf keinen Fall gepflückt und schon gar nicht gegessen werden.

Bereits minimale Mengen von Pilzgiften können schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen. „Typische Symptome, die auch erst Stunden oder sogar Tage nach der Mahlzeit auftreten können, sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schweißausbrü- che oder eine Gelbfärbung der Haut“, so Bernd Fischer. „Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte man sofort den Rettungsdienst rufen sowie alle Pilzreste und gegebenenfalls Erbrochenes aufbewahren“, empfiehlt der Experte. Ärzte können so die Art des Giftes feststellen lassen und die geeigneten Gegenmaßnahmen einleiten. Vor allem bleibende Schäden könnten durch ein schnelles ärztliches Eingreifen verhindert werden, so Fischer. Mit einer App sind Sammler nicht besser geschützt. Momentan werden bereits viele Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt und das in der Frühphase der Hochsaison. Das Universitätsklinikum Regensburg hat nach eigenen Angaben überdurchschnittlich viele Patienten mit teils schweren Vergiftungen in Behandlung. 

„Dank der neusten Technik und verschiedener Apps zur Pilzbestimmung sind viele leichtsinnig und denken, sie seien auf der sicheren Seite und würden giftige Sorten dadurch ganz einfach erkennen. Aber auch eine App ist für eine hundertprozentige Bestimmung nie ausreichend. Fehlende Kenntnis lässt sich einfach nicht durch eine App kompensieren“ betont Fischer. Er könne nur davor warnen, sich auf die Technik zu verlassen. Viele essbare Pilze im Mittleren und Fernen Osten sind den Giftpilzen in deutschen Wäldern sehr ähnlich, was sich fatal auswirken kann. 

Knollenblätterpilz schaut aus wie ein Champignon
Einer der giftigsten Pilze ist der Knollenblätterpilz, der für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Er sieht dem essbaren Wiesenchampignon ziemlich ähnlich, was eine Verwechslung vereinfacht. Knollenblätterpilze enthalten die Gifte Amatoxine und Phallotoxine, die erst mehrere Stunden nach dem Verzehr wirken. Der Knollenblätterpilz wächst zwischen August und Oktober in Laub- und Laubmischwäldern. 

Die Farbe des Giftpilzes ist Grün, Grün-Gelb oder Weiß. In Syrien und einigen Nachbarländern gibt es laut einer Warnung der Verbraucherzentrale einen ähnlich aussehenden Pilz, der allerdings essbar sei. Deshalb sei vor allem hier höchste Vorsicht geboten. Aber nicht nur Giftpilze sind gefährlich. Eine Gefahr lauert auch bei der Lagerung und Zubereitung von Pilzen: Zu Vergiftungserscheinungen kommt es laut der Deutschen Gesellschaft für Mykologie am häufigsten dann, wenn Speisepilze zu lange aufgehoben, falsch gelagert oder nicht richtig zubereitet wurden. Denn auch genießbare Pilze sind im rohen Zustand meistens giftig. Ausnahmen bilden Zuchtchampignons und Steinpilze. „Achten Sie auch bei Speisepilzen auf Frische und ein appetitliches Aussehen. Sicherheit geht in jedem Fall vor“, rät Bernd Fischer. 

Schnell handeln – Notruf wählen
Von Eigenbehandlungen raten die Johanniter dringend ab. Es gibt keine Hausmittel gegen Pilzvergiftung, die ohne ärztlichen Rat eingesetzt werden sollten. „Im Ernstfall sollten Sie Ruhe bewahren und die Notrufnummer 112 wählen, das sind die besten Hilfsmittel. Wer nach einem Pilzessen bewusstlos wird, sollte sofort in die stabile Seitenlage gebracht werden“, empfiehlt Fischer. Da sich der Zustand von Menschen mit Vergiftungen jederzeit verschlechtern könne, sollten Betroffene auch nicht selbst ins Krankenhaus oder zum Arzt fahren, sondern transportiert werden. Die Johanniter empfehlen eine regelmäßige Auffrischung von Erste-Hilfe-Kenntnissen, um im Ernstfall richtig helfen zu können. Infos zum Kursangebot der Johanniter gibt es im Internet unter www.johanniter.de/allgaeu oder telefonisch unter 0831/52 157-0. 


kb

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