Totenhemden aus Papier

Während Hans Günter Stephans Bodenobjekt „Wasser“ Lebendigkeit verkörpert, steht „Requiem“ (links) von Elisabeth Bader für die Vernichtung am 11. September 2001. Foto: Tröger

Zum fünften Mal hat der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd seiner jährlichen Gruppenausstellung ein Thema gesetzt. „Werkblock 12“ in der Kunsthalle lädt aktuell ein zur Auseinandersetzung mit „Papier“. Elf Künstlerinnen und Künstler vermitteln darin eine Ahnung von der Vielfalt, die der einst revolutionäre Werkstoff an Eigenschaften, Einsatzmöglichkeiten oder auch haptischen Unterschiedlichkeiten bietet.

Wie zwei Totenhemden baumelt Elisabeth Baders Papierobjekt aus amerikanischen Originalzeitungen vom 11. September 2001 als „Requiem“ von der Decke. Fast gespenstisch belebend wirken da die direkt benachbarten Bahnen des Ruhe ausstrahlenden Bodenprojektes „Wasser“ von Hans Günter Stephan. Die analogen Schwarzweiß-Fotografien mit wenigen hineinentwickelten, wasserblauen Farbtupfern, hat er aus jeweils zwei Meter langen Bahnen zusammengesetzt, die teilweise wie Wellen drapiert sind. Die Collagen von Renate Bühr bestechen durch fröhliche Farbigkeit, die Vergangenem in veränderter Gestalt zu einer neuen Gegenwart verhilft. Druckpapier, Graphit und Pigmente sind die Materialien für „Von frischer Luft sich tragen lassen“ des Künstlers Stephan Rustige, das nicht nur Frische, sondern eine ebenso klare Kühle geradezu spüren lässt. „Ringelspiel“ hat Brigitte Hafer ihr mehrteiliges Mobile aus Japanpaier, Zwirn, Asphalt und Wachs genannt, das seine (Schatten-)Wirkung trotz Schlichtheit der an den Strängen aufgereihten, gefalteten Papierobjekte, nicht verfehlt. Einen interessanten 3-D-Effekt erzielt Ursula Horstkotte in ihren drei Mischtechniken aus Scherenschnitt und Zeichnungen, „Ohne Titel“. Ferner werden reizvolle Arbeiten gezeigt von Peter Schlosser, Anne Meßmer-Steinmann, Monika Petri, Werner Merzhäuser und Gerhard Menger. Wie Bürgermeister Josef Mayr (CSU) im Rahmen der Eröffnung meinte, sei „die Bandbreite der Werke so spannend, wie die Persönlichkeiten der Künstler“. Die enge Beziehung zwischen Papier und der Stadt Kempten stellte BBK-Vorstand Jürgen Meyer heraus. Mit der Einführung des Buchdrucks durch Fürstabt Johann Erhard Blarer von Wartensee im Jahr 1593 und die ersten Papiermühlen in Hegge um 1580, sei „Kempten sehr früh dran gewesen“ und das Thema Papier habe hier „echte Tradition“. Zwar zeichne sich derzeit ein Übergang von analog zu digital ab, aber das auch „haptische Erlebnis hier zeigt, dass Papier noch lange nicht ausgedient hat“. Die BBK-Gruppenausstellung „Werkblock 12“ zum Thema „Papier“ läuft noch bis zum 28. Mai: Donnerstags und freitags jeweils von 16 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils von 12 bis 18 Uhr in der Kunsthalle Kempten in der Memminger Straße.

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