20-Jähriger schießt um sich

Schießerei im Alex

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Polizisten riegeln am Freitagnachmittag den Kemptener Hauptbahnhof ab.

Kempten – Bei einer Schießerei in einem Zug sind am Freitagnachmittag bei Kempten ein 20-jähriger Mann getötet und drei weitere schwer verletzt worden. Bei zwei der Verletzten handelt es sich nach Polizeiangaben um Bundespolizisten, die in eine Auseinandersetzung mit zwei Fahrgästen gerieten. 

Dabei entriss einer der beiden Tatverdächtigen einem Beamten die Dienstwaffe und schoss um sich. Ein im Zug mitfahrender LKA-Beamter eröffneter daraufhin ebenfalls das Feuer. 

Die Leiche des 20-Jährigen fanden die Einsatzkräfte im Rahmen eines Großeinsatzes wenig später bei Günzach. Er war offenbar aus dem fahrenden Zug gesprungen und dabei von diesem überrollt worden. Ein weiterer Tatverdächtiger, ein 44 Jahre alter Mann, wurde am späten Nachmittag im Zuge der mittlerweile angelaufenen Großfahndung schwer verletzt ebenfalls bei Günzach gefunden. Auch er war offensichtlich aus dem noch fahrenden Zug gesprungen. 

Ein Polizist wurde von einer Kugel am Bein getroffen und musste noch am Freitag operiert werden. Sein Kollege erhielt einen Schlag auf den Kopf. „Beide Beamten gelten derzeit als schwer verletzt“, so Polizeisprecher Christian Owsinski. 

Wie es zu der Schießerei gekommen ist, wird derzeit noch ermittelt. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei kontrollierten die beiden Bundespolizisten im mit rund 400 Passagieren voll besetzten Alex 84148 zwischen Kaufbeuren und Kempten die Fahrgäste. Dabei stellten sie fest, dass einer der Zuginsassen, ein 20-Jähriger, per Haftbefehl gesucht wird. Der junge Mann war wegen räuberischen Diebstahls zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. 

Während der Überprüfung des 20-Jährigen geriet die Situation offenbar außer Kontrolle, zumal sich noch ein weiterer Fahrgast einmischte. In dem Gerangel konnte anscheinend einer der beiden einem Polizisten die Pistole abnehmen und begann zu schießen. Das bemerkte ein ebenfalls im Zug mitfahrender 36-jähriger Beamter des LKA Bayern, der seinerseits mehrere Schüsse abfeuerte. „Der genaue Ablauf der Auseinandersetzung sowie die Schussabgaben sind Gegenstand weiterer Ermittlungen“, so Polizeisprecher Owsinski. 

Als ein bisher unbekannter Fahrgast schließlich auf Höhe Günzach die Notbremse zog, flohen mehrere Passagiere in die umliegenden Wiesen und Wälder. Der Zug setzte anschließend die Fahrt nach Kempten fort, wo die Einsatzkräfte mittlerweile den Hauptbahnhof abgeriegelt hatten. Es sei zunächst davon auszugehen gewesen, dass sich der mutmaßliche Täter noch im Zug befand, erklärte Owsinski. 

Eine Durchsuchung der Waggons durch Kräfte des SEK blieb jedoch erfolglos. Im weiteren Verlauf stießen die Einsatzkräfte schließlich bei Günzach auf die Leiche des 20-Jährigen. Seinen schwerverletzten mutmaßlichen Komplizen fanden die Fahnder am späten Nachmittag. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

 Bei Günzach fand die Polizei auch die Dienstwaffe des Bundespolizisten sowie eine weitere Schusswaffe. Die Kemptener Staatsanwaltschaft hat mittlerweile eine Obduktion des Toten angeordnet. Außerdem ist, da ein LKA-Mann an der Schießerei beteiligt war, das Polizeipräsidium München eingeschaltet. Die Spurensicherung im Alex und bei Günzach dauert an. 

Insgesamt waren 160 Polizeibeamte und drei Polizeihubschrauber im Einsatz. Dazu kommen Rettungsdienst und Feuerwehr. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um die Fahrgäste. Der Kemptener Hauptbahnhof war stundenlang gesperrt. Es kam zu erheblichen Behinderungen des Zugverkehrs.

Matthias Matz

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