Der Tradition verpflichtet

Linolschnitte vor allem, dazwischen auch andere Techniken wie Rötelzeichnungen oder Öl- und Kreidebilder, repräsentieren einen Querschnitt aus dem Schaffen des Anfang Februar nur wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag verstorbenen Künstlers Andreas Sammet. Als Künstler in der Hauptsache autodidaktisch gebildet, habe sich der zeitweise auch in Kempten tätige Lehrer und Schulleiter nach seiner vorzeitigen Pensionierung 1965 „ausgiebig seinen künstlerischen Neigungen widmen“ können, wie Dr. Werner Scharrer von den Freunden Kemptener Museen (fkm) zur Ausstellungseröffnung im Zumsteinhaus ausführte.

Auch erste Illustrationen für Bücher aus dem Verlag für Heimatpflege stammten aus dieser Zeit. Einige Originale zum „Kemptener Geschichtsbuch“ aus dem Fundus der fkm ergänzen die Ausstellung. Sehr reiselustig sei der seit 1967 in Marktoberdorf ansässige Künstler gewesen, fuhr Scharrer fort, was ihn zusammen mit seiner Frau durch fast ganz Europa und weit darüber hinaus geführt habe. Die per Kamera oder auch mit Stift und Pinsel festgehaltenen Eindrücke seien später im heimatlichen Atelier künstlerisch ausgewertet worden. Besonders in seinen Landschaftsbildern und in seinen figürlichen Arbeiten werde deutlich, dass er „sich der abendländischen Kunst- und Kulturtradition verpflichtet fühlte“. Nach Sammets Überzeugung sei „Kunst von Können abzuleiten“, die neben Begabung auch handwerkliche Fertigkeit erfordere. Intellektuelle Verschlüsselungen oder Ideologisierung seien ihm weniger ein Anliegen gewesen als das „Erkennen des schlicht Schönen“. Seine ruhige, bedachtsame Arbeitsweise werde besonders in der Exaktheit der Holzschnitte sowie farbigen Linoldrucke deutlich, wies Scharrer auf den am Beispiel des „Stiefmütterchen“ dokumentierten aufwändigen Entstehungsweg hin. In der schwäbischen Kunstszene sei Sammet, Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler, der Künstlergemeinschaft Ostallgäu und der Münchner Künstlergemeinschaft kgl. priv. 1868, kein Unbekannter, wenngleich er „immer zu den Bescheidenen und Stillen im Land gezählt hat“. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) freute sich, zur Ausstellungseröffnung die Witwe des Künstlers, Maria Sammet, und deren Neffen Rudi Janisch, ehemaliger Bürgermeister von Heimenkirch, begrüßen zu können. Sammet habe seine Verbundenheit nicht nur durch die bereits im Jahr 2005 „großherzige Gabe“ von 85 seiner Werke gezeigt. Mit den weiteren 88 Werken aus seinem Nachlass „besitzt die Stadt nun einen Querschnitt“ seines Schaffens, mit Schwerpunkt auf Darstellungen der Allgäuer Landschaft, dankte er. Unter den 34 für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten finden sich vor allem Allgäuer Landschaften, aber auch Reiseimpressionen, Blumen, figürliche Darstellungen sowie diverse Selbstporträts von Andreas Sammet. Mit Blick auf den Farb-Linolschnitt „In Deutschland serviert“, in dem der damals 90-jährige Sammet die Macht der Presse aufs Korn genommen hatte, vermerkte Janisch, dass „er doch schon auch sehr zeitkritisch war“. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juli geöffnet, und zwar donnerstags und sonntags jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr im Zumsteinhaus.

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