Kemptens fünfte Jahreszeit läuft

Die Allgäuer Festwoche ist eröffnet

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OB Thomas Kiechle und Ministerpräsident Horst Seehofer beim Einzug ins Kornhaus.

Kempten – Die Allgäuer Festwoche 2017 ist eröffnet: Beim traditionellen Festakt im Kornhaus am Samstagvormittag gab Ministerpräsident Horst Seehofer am Ende seiner Festansprache den offiziellen Startschuss für die 68. Allgäuer Festwoche. Zuvor hatte Oberbürgermeister Thomas Kiechle zum Thema „Aus tiefen Wurzeln gemeinsam wachsen – unsere Stärke im Allgäu“ gesprochen.

Dem „Gemeinsam“ komme eine herausragende Bedeutung zu begann Kiechle seine Rede und ging, nachdem er die wichtigsten Gäste des Festakts namentlich begrüßt hatte, zum Thema Reformations-Jubiläum über. Auch die „sehr spannende und nahezu einzigartige Geschichte der Stadt Kempten sei sehr stark durch die Reformation geprägt“, gab er den geladenen Gästen einen kurzen Abriss zu Kemptens Geschichte mit der Trennung in die katholische Stiftsstadt und die protestantische Altstadt. Das Reformations-Jubiläum nahm er zum Anlass, mit den beiden Dekanen der großen Kemptener Kirchen St. Lorenz und St. Mang in den Dialog zu treten. „Es gibt Bereiche in einer Kommune, in denen die Stadt und Kirche viel mehr verbindet als nur Berührungspunkte“, so Kiechle. Er sprach mit den beiden Dekanen darüber, wie das Christentum die zweitausendjährige Geschichte und das Leben in Kempten geprägt habe, welche Bedeutung die Kirchen für die Kultur haben, warum sich die Kirchen nicht nur um das „Seelenheil“, sondern auch um die ganz konkreten menschlichen Belange kümmern, ob die Kirche in der Öffentlichkeit eine „bayerische Spezialität“ sei und warum sich die beiden Kirchen gerade im Jahr des Reformations-Jubiläums so gut verstehen.

Eröffnung der Allgäuer Festwoche 2017

Anschließend machte Kiechle wie er selbst meinte einen „sehr harten Wechsel“ und ging auf die in den vergangenen Jahren „hervorragende Entwicklung“ Kemptens und des Allgäus ein, das längst kein „Geheimtipp“ mehr sei. „Vollbeschäftigung in weiten Teilen des Allgäus, erfolgreiche und weiterhin optimistische Unternehmen sorgen für gesunde und stabile wirtschaftliche Verhältnisse“, so der OB. Doch auch die Kehrseite mit unter anderem Fachkräftemangel, unbesetzten Lehrstellen, steigenden Immobilienpreisen und Wohnungsmangel dürfe man nicht übersehen. Diesen Aufgaben müsse man sich stellen. „Dabei tun wir gut daran, unsere Aktivitäten im Allgäu wo immer möglich zu bündeln.“ Dies werde schon seit geraumer Zeit über die Allgäu GmbH gemacht.

Rundgang des Ministerpräsidenten zur Eröffnung der Allgäuer Festwoche

Als „epochalen Schritt“ bezeichnete Kiechle die Erweiterung der Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu (MONA) um den Landkreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren, die in diesen Tagen vollzogen wurde. „Damit haben wir jetzt eine hervorragende Ausgangsbasis für den weiteren Ausbau des ÖPNV in der Region.“ Auch für den Ausbau der B12 stünden inzwischen die Ampeln auf Grün, erwähnte er positiv.

Weniger Hoffnung auf eine Verbesserung hat Kiechle eigener Aussage zufolge bei den Bahnthemen in unserer Region. Für ihn steht fest, dass die Allgäuer Bahnstrecken insgesamt elektrifiziert werden müssen, denn der Diesel sei ein Auslaufmodell. „Wir brauchen hier keine halbgaren Lösungen, sondern Konzepte aus einem Guss!“

Nach einem Ausschnitt aus dem Musical „Ludwig2 – Der König kommt zurück“, den Matthias Stockinger als König Ludwig II. und Anna Hofbauer als Kaiserin Elisabeth zum Besten gaben sowie einer Sequenz aus dem Musical „Der Geschichtenerzähler“ der Gruppe Wir18 hielt Ministerpräsident Horst Seehofer seine Festansprache. 

Und die begann mit einem Lob auf die Festwoche und das Allgäu. Der Ministerpräsident gestand, dass zwischen ihm und der Allgäuer Festwoche eine besondere Zuneigung bestehe, da sie beide den gleichen Jahrgang 1949 haben. Aber auch das Allgäu sei „der Gipfel“ Bayerns: Es stehe an der Spitze bei Handwerk, Mittelstand, Landwirtschaft, Tourismus, Lebensqualität und Zukunftskraft. Die Allgäuer könnten zu Recht stolz sein auf ihren Erfolg, sagte Seehofer.

„Kein Feldzug gegen die Autoindustrie“

Aber er warnte auch, dass in einer Zeit des Wohlstandes aus Selbstgenügsamkeit die meisten Fehler passieren würden. Für Seehofer ist klar: „Stillstand ist Rückschritt!“

In diesem Sinne war auch die Ankündigung des Ministerpräsidenten zu verstehen, dass die bayerische Staatsregierung bei einer „Hexenjagd“ auf die Autoindustrie und deren Arbeiter nicht mitmachen werde. Verbote von Verbrennungsmotoren oder des Fahrens kommen für ihn nicht in Frage, da die Regierung jahrzehntelang für Diesel-Autos geworben habe. Die Fehler der Autoindustrie müsse diese selbst ausbaden, ohne dass es zu Lasten der Arbeiter oder Bürger gehe. So seien nun Nachrüstungen und Prämien für den Austausch von älteren Diesel-Fahrzeugen vereinbart worden. Falls dies nicht genüge, müsse an eine stärkere steuerliche Privilegierung umweltschonenderer Motoren gedacht werden.

Um den Wohlstand zu sichern, habe die Regierung zahlreiche Maßnahmen veranlasst: Ein Grund dafür, dass in Bayern quasi Vollbeschäftigung herrsche, sei die Förderung von akademischer Ausbildung und beruflicher Bildung gleichermaßen. Daher habe die Regierung im Bildungspaket Lehrer-Planstellen für alle Schularten veranlasst. Seehofer warnte Eltern vor „falsch verstandenen Standesdünkeln“: „Schicken Sie Ihre Kinder auf die Schule, die ihren Talenten entsprechen!“, sagte er. Das Land Bayern unterstütze außerdem den Ausbau der Hochschule Kempten sowie den Tourismus durch Gelder für die Skiflugweltmeisterschaft 2018 und die Nordische Skiweltmeisterschaft 2021.

"Alles in Einklang bringen" - Entscheidung für Skischaukel bekräftigt

Positive Signale sendete Seehofer in Sachen Bahn-Elektrifizierung, die Kiechle angesprochen hatte. Der geforderten Beteiligung des Freistaates am Allgäu Airport wollte Seehofer nicht fest zusagen. Er sagte aber: „Ich denke positiv darüber.“

Da sich während des Festaktes vor dem Kornhaus zahlreiche Demonstranten postierten, um dem Ministerpräsidenten Unterschriften für den Erhalt der Alpenschutz-Zone C am Riedberger Horn zu übergeben, wollte er auch dazu etwas sagen. Er verteidigte die Entscheidung, die Skischaukel zu bauen und verwies darauf, dass sich die Leute bei einer Leserumfrage einer lokalen Zeitung und beim Bürgerentscheid dafür ausgesprochen hätten: „Alle Beteiligten haben mich davon überzeugt, dass das ein berechtigtes Anliegen ist“, sagte Seehofer. Im Landtag sei nun zusätzlich zur Skischaukel, die 80 Hektar umfasse, eine Alpenschutz-Zone C von 300 Hektar in der Region beschlossen worden. Denn man müsse auch „an die Menschen denken, die nicht in den Städten leben, bekräftigte er sein Plädoyer für Fortschritt.

„Gott schütze das Allgäu!“, mit diesen Worten eröffnete der Ministerpräsident die 68. Festwoche. Die Stadtkapelle blies den beschwingten Marsch „König Ludwig II“ von Komponist Georg Seifert und die Gesellschaft begab sich nach draußen zum traditionellen Festwochenrundgang. 

Mehr dazu in Kürze hier.

Melanie Weidle/Susanne Kustermann

Eröffnungsabend der Allgäuer Festwoche 2017

Festwochenkunst: Rund 1000 Menschen kommen zur Vernissage

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