Bald alle Hürden genommen

Sportausschuss stellt Förderung für lang ersehnte Schnitzelgrube in Aussicht

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So sieht die Schnitzelgrube in Wiggensbach aus. An der künftigen Grube des TVK werden auch alle Geräte aufgestellt, die für die weiblichen Turner wichtig sind, sodass diese auch in vollem Umfang üben können.

Kempten – Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Schnitzelgrube: Am Montag stellte Benedikt Mayer, Leiter des Referats für Jugend, Schule und Soziales dem Schul- und Sportausschuss den Planungsstand in Sachen Schnitzelgrube vor.

Daran geknüpft war eine Entscheidung, ob die Stadt das gesamte Bauvorhaben mit insgesamt 800.000 Euro fördern solle.„Wichtig ist jetzt, die Summe grundsätzlich in Aussicht zu stellen“, sagte Mayer, „damit die Beteiligten auf dieser Grundlage weitere Lösungen entwickeln können.“ Wie sich beim Vortrag herausstellte, sind noch ein paar Fragen zu klären.

Aber von vorn: Was ist überhaupt eine Schnitzelgrube? Dabei handelt es sich um eine Art Becken, das mit Schaumstoff-Stücken (oder eben „Schnitzeln“) gefüllt ist. Beim Abgang von Schwebebalken, Trampolin, Reck oder Pferd verletzen sich die Turner nicht. So können sie schwierige Sprünge, Haltungen oder Drehungen sicher üben.

Der Wunsch nach einer solchen Grube war bei den Verhandlungen über den Bau der neuen Dreifachturnhalle aufgekommen. Nachdem nach einigem Hin und Her feststand, dass sich die Stadt Kempten einen solchen Bau nicht leisten kann, übernehmen das nun der TV Kempten (TVK) und die Turngemeinschaft Allgäu (TG Allgäu) – mit Zuschüssen der Stadt.

Da auch die TVK-Geschäftsstelle und der Fitnessbereich zu klein beziehungsweise renovierungsbedürftig sind, soll auch hier Hand angelegt werden. Die Stadt hatte 2016 dafür schon Zuschüsse in einer Höhe von rund 90.000 genehmigt. „Diese Zusage würde in der Neuregelung für diesen Antrag mit aufgehen“, erklärte Mayer. Am Montag ging es also um die Förderung für die gesamten Bauvorhaben. Stadtrat und TVK-Präsident Ulrich Kremser war eigens in den Ausschuss gekommen. Mit einem „Sonderrederecht“, das ihm OB Thomas Kiechle einräumte, stellte er die derzeitigen Pläne vor: „Da die Schnitzelgrube von außen erschlossen werden muss, ist ein neuer Eingangsbereich nötig“, sagte er. Geplant sind hier großzügige Glasfronten, um das Zuschauen von außen zu ermöglichen. Die hier entstehenden Kosten bezifferte er mit rund 242.000 Euro. Für die Anlaufstrecke zur Schnitzelgrube wird eine Mauer durchgebrochen. Insgesamt kostet die Grube rund 958.000 Euro. Mit den rund 234.000 Euro für den Fitnessbereich und die 592.000 Euro für die Geschäftsstelle belaufen sich die geplanten Gesamtkosten am Sportpark im Aybühlweg auf über zwei Millionen Euro, wie Benedikt Mayer darlegte. „Finanzierbar wird die Maßnahme, wenn aus der städtischen Förderung 800.000 Euro dazukommen“, sagte er. Das entspricht rund 40 Prozent der Gesamtkosten. Normalerweise fördere die Stadt mit nur 20 Prozent, allerdings könnten „im Einzelfall Ausnahmen“ gemacht werden, so Mayer.

Ein Problem, das es jetzt noch zu umgehen gilt, ist das europäische Förderrecht, das besagt, dass die Gesamtförderung für den Fördernehmer 500.000 Euro in drei Steuerjahren nicht überschreiten darf. Mayer warf hier mögliche Ansätze in den Raum: So könnte die Zahlung gestreckt werden oder auf beide Bauherren aufgeteilt. Von einem Anzeigeverfahren gegen die EU, um die Förderung zu erhalten, wollten alle Beteiligten absehen. Auch die Möglichkeit, Vorsteuern abzuziehen müsse bedacht werden.

Gegen das Gießkannenprinzip

Mit dem Prozentsatz der Förderung von 40 Prozent unzufrieden zeigte sich Siegfried Oberdörfer (SPD). Er sprach sich in der Ratssitzung mehrfach dafür aus, „nicht mit der Gießkanne (von 40 Prozent, Anm. d. Red.) über alle Bauprojekte zu gehen“, sondern die Schnitzelgrube mit 50 Prozent stärker zu fördern und den Eingangsbereich nur mit 20 Prozent. „Dann wären wir bei 700.000 bis 750.000 Euro“, sagte er. Den Einwurf von Dr. Dominik Spitzer (FPD), wonach auch das Betriebsgebäude am Seggersbogen finanziert worden sei, ließ Oberdöfer nicht gelten, weil es sich hier um keinen Verein gehandelt habe. „Mir geht es nicht um die 50.000 Euro“, vielmehr befürchtete er, dass noch weitere Vereine „ihren Eingangsbereich zu 40 Prozent gefördert haben wollen“.

Allerdings hatte auch der Referatsleiter Einwände gegen Oberdörfers Anliegen. Die andere Aufteilung sei nicht so einfach wegen der Vorsteuerabzüge. Man könne „noch nicht ahnen, ob man irgendwo an der 500.000-Euro-Grenze scheitere“. Harald Platz (CSU) schließlich wies darauf hin, dass die Fördersumme laut Beschlusstext ja erst „in Aussicht gestellt werde“ und somit noch im Haupt- und Finanzausschuss besprochen werde. „Dann können wir abwarten und die weiteren Verhandlungen beobachten“, sagte er. Mit diesem Hinweis zeigten sich alle Ratsmitglieder zufrieden und stimmten mit Ja.

Susanne Kustermann

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