Einmal den E5 nonstop ohne Übernachtung von Oberstdorf ins Schnalstal

Traum der Alpenüberquerung

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Blick von der Braunschweiger Hütte auf das Pitztal.

Kempten – Rainer Hank hat sich seinen Traum von der Alpenüberquerung erfüllt.

Er legte die knapp 145 Kilometer und über 8000 Höhenmeter von Oberstdorf zum Vernagt Stausee im Schnalstal in knapp 39 Stunden reiner Laufzeit zurück.

Gelaufen ist er auf der populären E5 Wanderroute, allerdings im Gegensatz zu den Wanderern, die in sechs Tagesetappen und fünf Übernachtungen ans Ziel kommen, als Trailrunner und ohne Hüttenübernachtung. Der E5 mit seinem bekanntesten Abschnitt von Oberstdorf nach Vernagt führt durchs Trettachtal zur Kemptner Hütte, übers Mädelejoch nach Holzgau im Lechtal, durch das Madautal hoch zur Memminger Hütte, nach Überschreiten der Seescharte nach Zams im Inntal, über den Krahberg nach Wenns und von dort durch das ganze Pitztal hoch zur Braunschweiger Hütte auf knapp 2800 Meter. 

Türkisblaues Sehnsuchtsziel 

Ab dieser grandiosen Gletscherwelt verläuft die Alternativroute des E5 am Alpensüdkamm entlang nach Vent, dem letzten Ort vor dem langen Aufstieg durch das Niedertal über die Martin-Busch-Hütte hoch zum Similaun-Gletscher und der gleichnamigen Alpinhütte auf über 3000 Meter. Dort oben sieht man schon den türkisfarbigen Vernagt-Stausee in Südtirol, dem Sehnsuchtsziel der Alpenüberquerer. 

Sternenklare Nacht
„Ich habe in den vergangenen Jahren schon zweimal den Versuch unternommen, bin dann beide Mal wetterbedingt in Zams zum Aufgeben gezwungen worden“, schildert Rainer Hank seine Vision, die Alpen ohne Übernachtung zu überqueren. „Als der Wetterbericht für das Wochenende nach dem Vollmond für vier Tage Schönwetter vorhersagte und zwar für den ganzen Alpenhauptkamm, war für ihn klar, jetzt oder nie. Für den erfahrenen Ultratrailrunner für Distanzen jenseits der 60 Kilometer war der Laufrucksack schnell gepackt und am Donnerstag um 21 Uhr begann am Fuße des Nebelhorns der Lauf über die Alpen. Ein kurzer Ratsch mit Einheimischen am Oytalhaus, eine Verschnaufpause nachts an der Kemptener Hütte und bei sternenklarer Nacht war schnell das Lechtal und die Materialseilbahn am Ende des Madautal erreicht. 

Mit dem Sonnenaufgang hoch zur Memminger Hütte, leckeren Kaffee getrunken und bei sehr warmen Temperaturen hinunter nach Zams. „Mein Anspruch war es, die Überquerung ohne Übernachtung zu schaffen und dabei die herrliche Bergwelt zu genießen, ohne dabei die Tour zur Tortur werden zu lassen.“ Deshalb, so Hank, habe er sich die mühevollen 1400 Höhenmeter Aufstieg zum Krahberg erspart und habe mit den Weitwanderern die Bahn hinaufgenommen. Von dort ging es in flottem Tempo Richtung Wenns, denn die langweilige Durchquerung des Pitztals hatte er durch eine Fahrt im Postbus ersetzt, dessen letzte Fahrt er um 19.30 Uhr gerade so erwischte. In Mandarfen fand zeitgleich eines der wenigen Trailevents im Jahr 2020 statt, der Pitz Glacier Ultra. Nach den einzigen 3,5 Stunden Schlaf in Mandarfen, dem Startort des Events, begann um 2.30 Uhr der Aufstieg zur Braunschweiger Hütte. Immer den im Mond glitzernden Gletscher im Blick, kamen ihm unterbrochen Trailrunner mit ihren Stirnlampen entgegen. 

Magisches Glitzer überm Gletscher 

„Die Sterne am Himmel, der Gletscher und die aufkommende Dämmerung über den Dreitausender der Region hatte etwas Magisches an sich, ich konnte mich gar nicht satt sehen“ schwärmt Hank. Ein kräftiges Frühstück zusammen mit E5 Wanderern in der gut gefüllten Braunschweiger Hütte und die Überschreitung des Pitzjöchl, Abstieg zum Gletscherskigebiet Sölden und Fußmarsch durch den Tunnel zum Tiefenbachferner waren schnell geschafft. Jetzt war Genuss für die Augen angesagt. Auf dem Panoramaweg bei dauerhaft über 2000 Meter und herrlichem Sonnenschein nach Vent. Immer den Similaun mit seinem Gletscher im Blick. „Im Laufschritt erfordert der Weg höchste Konzentration, vor allem nach zwei Nächten ohne große Pause“ Zum Glück war die Wasserversorgung durch die vielen Bergbäche meist immer gegeben. So auch am schweißtreibenden Aufstieg zum höchsten Punkt der Überquerung, der Similaunhütte auf 3019 Meter. Eine kleine Rast an der Martin-Busch-Hütte und dann über schroffes Gletschergestein um 17 Uhr oben angekommen. 

Hier ist auch die Grenze zu Italien und zur Erfüllung des Traumes waren für Hank nur noch 1300 Höhenmeter hinunter zu überwinden. Um 18.45 Uhr war es dann geschafft. Vernagt und sein Stausee waren erreicht. Nach insgesamt 145 Kilometern (davon 120 Kilometer gelaufen), 8039 Höhenmeter im Aufstieg und 7101 Höhenmeter im Abstieg. „Es war eine unglaubliche Erfahrung! Trotz der Anstrengung habe ich jede Minute genossen. Dieser Lauf über die Alpen hat unglaublich viel Energie in mir freigesetzt und meinen Blick auf viele Dinge neu justiert. Ich würde es jederzeit wiederholen.“ 

kb

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