Treffen der Jagdgenossenschaft Oberallgäu

"Wild dem Wald anpassen"

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Dr. Ulrich Sauter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erläuterte rund 60 Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaft Oberallgäu die Ergebnisse des Vegetationsgutachtens 2015.

Sulzberg – Ein erklärtes Ziel ist, die notwendigen Bedingungen zu schaffen, damit im Allgäu, sowie in ganz Bayern, langfristig ein naturverjüngter, weniger klimaempfindlicher Mischwald entstehen kann. Dazu gehören die Baumarten Fichte, Buche, Tanne und Edellaubhölzer, wie Berg-Ahorn oder Esche.

Offiziell beschreibt hierzu das Bayerische Jagdgesetz das forstamtliche Ziel in Art.1 Abs. 2 mit den Worten: „Die Be- jagung soll die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.“ Was sich verklausuliert anhört, bedeutet, dass Verbissschäden, die etwa durch Rotwild verursacht werden, durch eine kluge Bejagung zu minimieren sind, nicht aber durch das Umzäunen von Flächen mit Jungbäumen. Um sich über den gegenwärtigen Stand von durch Wildverbiss verursachten Schäden an Allgäuer Wäldern zu informieren, traf sich die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaft des Oberallgäus am vergangenen Mittwochabend im Gasthof „Hirsch“ in Sulzberg.

Bevor sich die beiden Experten Dr. Ulrich Sauter, Stellvertretender Behördenleiter und Bereichsleiter Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kempten, mit den Ergebnissen der letzten Waldinventur und Herbert Burghardt, Forstmeister und Berufsjäger, mit seinem Fachvortrag „Zusammenhänge erkennen und Verantwortung tragen“ an die rund 60 Mitglieder der Genossenschaft wandten, richtete Vorstand Peter Fink Grüße an die Gäste des Abends und fasste die Ereignisse des Jahres 2015 in einem kurzen Bericht zusammen.

Zentrales Thema des Abends aber waren die Ergebnisse des letzten forstlichen Vegetationsgutachtens von 2015. Diese sind relevant für die empfohlenen Abschussquoten, vornehmlich beim Rotwild, und werden seit 1986 bayernweit für die rund 750 Hegegemeinschaften durch die Forstämter erstellt. Hegegemeinschaften sind Zusammenschlüsse von Jagdübungsberechtigten mehrerer benachbarter Reviere, die eine landschaftliche Einheit bilden. Sie sollen die jeweiligen Abschusspläne koordinieren (Quelle Wikipedia). Zu hohe Wildbestände können die angestrebte Naturverjüngung des Waldes beeinträchtigen. Ausschlaggebend, so Burghardt, sei, „dass sich das Wild dem Wald anpasst und nicht der Wald dem Wild“. Wichtig sei es zudem bei der Planung von Abschussplänen darauf zu achten, dass das Geschlechterverhältnis des Wildes stimmt. Auf Basis der Vegetationsgutachten, die in ganz Bayern durch Mitarbeiter der betreffenden Forstverwaltungen alle drei Jahre durchgeführt werden und die junge Waldbäume durch gezielte Waldbegänge auf Spuren von Verbiss durch Rehe, Rotwild und Gämsen untersuchen, werden den Hegegemeinschaften Empfehlungen zu künftigen Abschusshöhen an die Hand gegeben.

Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse dieser forstlichen Gutachten, dass sich der Wald in Bayern auf dem Weg hin zu einem stabilen Mischwald befindet. Die Anteile der noch in den Altbeständen häufig dominierenden Fichten und Kiefern gehen dabei allmählich zurück. Gleichzeitig konnten die Baumarten Tanne, Buche und Edellaubbäume ihre Anteile steigern. Die Verbisssituation hat sich in den letzten neun Jahren bei allen Baumarten verbessert. Bei der Verjüngungsinventur 2015 wurden für Fichte und Tanne die niedrigsten Werte beim Leittriebverbiss seit 1991 festgestellt. Auch die stärker verbissgeschädigten Edellaubbäume können vielerorts in angemessener Anzahl und Verteilung hochwachsen. Als besonders günstig wurde die Verbissbelastung für die Hegegemeinschaft Kempten beurteilt, während diese in Oberstdorf, wie in den vorangegangenen Vegetationsgutachten, als prekär, respektive zu hoch, eingestuft wird.

Jörg Spielberg

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