Der Trend setzt sich fort

Sie freut sich über eine kleine Aufmerksamkeit der Stadt, denn Renate Albrecht (Mitte) war die 10 000. Teilnehmerin einer Stadtführung im Jahr 2012. Heinz Buhmann (v.l.) und Bürgermeister Josef Mayr überreichen ihr und ihrem Lebensgefährten Albert Härle ein kleines Geschenk der Stadt Kempten. Fotos: Spielberg

Am vergangenen Samstagvormittag war es soweit: Bürgermeister Josef Mayr (CSU) und Heinz Buhmann, Geschäftsführer vom Kemptener Tourismus- und Veranstaltungsservice, konnten die 10 000. Teilnehmerin an einer Stadtführung im Jahr 2012 auf dem Rathausplatz begrüßen. Das ist eine stolze Zahl auswärtiger Besucher für die Illerstadt, die aber durchaus im allgemeinen positiven Trend des Kemptener Städtetourismus liegt. Somit liegt es nahe, genauer hinzuschauen, wie sich die Besucherzahlen der Stadt – sowohl was den Übernachtungs- als auch den Tagestourismus betrifft – entwickelt haben.

Zumal mit der im vergangenen Jahr fertiggestellten Jugend- und Familiengästehaus JUFA Kempten ein Ressort für eine bisher nicht erschlossene Zielgruppe von Familien mit Kindern und Vereinen zum bestehenden Pool der bekannten Stadthotels Kempten hinzugestoßen ist. Auch zukünftig wird sich die Bettenzahl der Kemptener Hotellerie mit der Fertigstellung des bigBOX-Hotels und des Hotels St. Raphael in unmittelbarer Nähe zum Klinikum erheblich erhöhen und neue Zielgruppen im Bereich der Geschäftreisenden und Feriengäste sollen angesprochen werden. Kempten konnte im vergangenen Jahr 2011 die höchsten Übernachtungszahlen überhaupt vermelden, heuer konnte dieses Ergebnis bis zum Juni allein wieder um 22 Prozent getoppt werden, was nicht zuletzt der Arbeit des JUFA Kempten zu verdanken ist. Nominal konnten dort von Januar bis zum August 18 600 Übernachtungen vermeldet werden. Allein im Juli waren es 5000 Gäste, die einen Urlaub im JUFA mit kostenfreier Mitnutzung des Cambomare-Freizeitbads verbrachten. „Die meisten unserer Gäste kommen aus einem Radius von rund 300 Kilometern und verbringen im Schnitt rund zwei bis drei Tage in unserem Haus”, so Gästehausleiter Johannes Bernhard im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Eine schnell im Foyer das JUFA Kempten vollzogene Stichprobe bei den Gästen bestätigt diese Aussage – es kommen viele Gäste mit Kindern für ein verlängertes Wochenende oder Gruppenreisende und Vereine, die sich einige Tage auf dem Gelände das JUFA und des angrenzenden Cambomare erholen möchten. Oftmals nehmen sie dann auch an einer der vielen Stadtführungen teil. „Es sind die vielen kleinen Annehmlichkeiten für die Gäste, die uns hier gerne ein paar Tage verweilen lassen”, sagen die Reiseleiterin der Lebenshilfe Lörrach und ein Familienvater aus Donauwörth unisono. An dieser Stelle seien die barrierefreien Zimmer für Menschen mit Behinderung und beispielsweise die Treppengeländer auf zwei unterschiedliche Höhen erwähnt, eben für große und kleine Besucher. Radler im Fokus Aber nicht nur das JUFA hat neuen Schwung in Kemptens Herbergslandschaft gebracht. Auch der Hotelverband „Stadthotels Kempten” bietet für Besucher von auswärts interessante Übernachtungspakete an, zum Beispiel in Kombination mit kulturellen Highlights wie dem Jazzfrühling, dem Weihnachtsmarkt und anderen Veranstaltungen. Zudem war man im Sommer dieses Jahres gemeinsam mit der Stadt Kempten zum ersten Mal als Aussteller auf Deutschlands größter Busreisen-Messe, der RDA in Köln, vertreten. Darüber hinaus wurden in jüngster Zeit Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten an und in einigen Häusern vorgenommen, sei es nun im Hotel Peterhof, dem ParkHotel, dem Bayerischen Hof oder dem Hotel Waldhorn. Es tut sich was und eine gemeinsames Ziel der erwähnten Hotels ist es, zusammen mit dem Tourismus- und Veranstaltungsservice unter anderem im Bereich Radtourismus neue Akzente zu setzen. Viele Radwege in und um Kempten wurden in Stand gesetzt. Neue, wie der an der B19, sind hinzugekommen und der Illerradweg von Ulm über Kempten ist nun durchgängig für Radler von Norden her kommend in Richtung südliches Allgäu befahrbar. So hat Kempten auch einen neuen Radtourenführer „Radtouren ab Kempten” aufgelegt, der für alle Radlenthusiasten tolle Touren von leicht bis schwer parat hält und dessen GPS-Daten sogar aus dem Internet direkt heruntergeladen werden können. Auch eine neue schlüssige Radwegebeschreibung in ganz Kempten und Hinweisschilder zu Übernachtungsmöglichkeiten längs des Illerradweges lassen keine passierenden Radltouristen mehr verloren gehen. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch ein Blick auf die Herkunft der in Kempten Ferien machenden Gäste. Innerdeutsch scheint Kempten besonders beliebt bei den schwäbisch-badischen Nachbarn zu sein. Die vielen Auto-und Buskennzeichen aus Heilbronn, Esslingen und dem Raum Stuttgart zeugen von der „Vormachtstellung” dieser Gäste in der Illerstadt. Aber auch viele Gäste aus Franken machen gerne für ein paar Tage Station in Kempten. Holländer an der Spitze Bei den ausländischen Besuchern haben die Holländer die Nase vorn, die Kempten oftmals als „Brückenkopf” für ihre Reise in den Süden nutzen und entgegen den Vorurteilen nicht in Wohnwägen, sondern in Hotels nächtigen. Viele hängen zudem auf der Rückreise gerne den einen oder anderen Tag in der Allgäu Metropole dran. Beliebt ist Kempten zudem bei seinen südlichen Nachbarn, den Schweizern und Österreichern, die Kempten auch als Shopping-Metropole aufsuchen. Italiener kommen vor allem zur Weihnachtszeit, kennen sie aus ihrer Heimat doch keine vergleichbaren Weihnachtsmärkte. Anzutreffen sind aber auch Besucher aus Fernost und Übersee. Insgesamt liegt der Anteil ausländischer Gäste bei 21 Prozent am gesamten Gästeaufkommen. Im Tagestourismus profitiert die Stadt darüber hinaus von seiner zentralen Lage inmitten des Allgäus und seinem vielfältigen Angebot als Einkaufsstadt und kulturellem Zentrum. Hier werden von Kempten aus die Tourist-Informations-Stätten der bekannten Allgäuer Ferien- und Kurorte mit Veranstaltungskombinationen in Form eines Newsletters versorgt, sodass bei schlechtem Wetter die Allgäuer Feriengäste nach Kempten gelockt werden. Immerhin sind dies im Schnitt rund zwei Millionen im Jahr. „Es ist unser erklärtes Ziel, dass jeder Allgäuer Feriengast einmal während seines Aufenthaltes Station in Kempten macht”, so Geschäftsführer Heinz Buhmann vom Tourismus- und Veranstaltungsservice gegenüber dem KREISBOTEN. Wer will bei solchen Zahlen Wasser in den Wein schenken und so sind die Kritikpunkte überschaubar und relativ milde gefasst. Ein besserer, sprich zeitlich wie örtlich ausgedehnter ÖPNV in und um Kempten wird im Sinne mancher Gäste angemahnt und auch eine noch informativere Veranstaltungssseite im Netz zu allen Veranstaltungen im Allgäu steht bei manchem auf der Wunschliste.

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