Treue, Ehrlichkeit und Vertrauen

Charlotte (89) und Wilhelm (94) Reisacher lernten sich bei der Flugabwehr in Rumänien kennen. Bereits an ihrem zweiten Tag vor Ort begegneten sie sich. „Wilhelm wollte sofort heiraten“, erinnerte sich Charlotte Reisacher. Nun sind die beiden seit 65 Jahren verheiratet und feierten vergangenen Mittwoch ihre „Eiserne Hochzeit“.

1944, ein Jahr nach ihrem ersten Zusammentreffen, heirateten Charlotte und Wilhelm in Bremen, Charlottes Heimat, standesamtlich. Wilhelm musste mit dem Fahrrad, dem Brautstrauß in der Hand, durch die gesamte Innenstadt bei Regen radeln. Dementsprechend zerfledert sah die Blumenpracht aus. Viele Regentropfen brächten genauso viel Glück, verkündete die Mutter der Braut. So sollte es wohl auch sein. Eine Woche später erhielten die frisch Vermählten in der Basilika St. Lorenz in Kempten den Segen Gottes. Allerdings musste Wilhelm wieder an die Front. Nach Kriegsende war er zunächst ein halbes Jahr in Frankreich in Gefangenschaft. Erst nach einem Jahr sahen sich die Jungverheirateten wieder. „Das war eine schwere Zeit“, so Charlotte. Auch nach dem Krieg hatten es die Beiden nicht leicht. Wilhelm arbeitete zu erst beim Bahnbetriebswerk, dann in der Landwirtschaft, bis er schließlich eine Anstellung als Volksschullehrer an der Illerschule und anschließend in Lenzfried erhielt. Anschließend arbeitete er als Physik- und Chemielehrer an der Mädchenreal- und Handelschule in Kempten. Das Ehepaar wirkt mit seiner Art beinahe jugendlich. Auf die Frage, was sie so jung halte, meinten beide es seien die Kinder. Und von denen haben sie wahrlich eine Menge: sieben Kinder, 18 Enkel und 13 Urenkel. Dank der Kinder konnten sie 1959 ihr Haus im Kettelerweg vom Ulrichswerk kaufen. Dieses verkaufte die Häuser vorzugsweise an kinderreiche Familien. Das Geheimnis einer so langen und augenscheinlich glücklichen Ehe sind laut Charlotte „Notzeiten“. Sie hätten es nicht leicht gehabt und das schweiße eben zusammen. Von ihrem Mann hat Charlotte zum 65. Hochzeitstag einen wunderschönen Blumenstrauß bekommen mit drei weißen Rosen, die bekanntlich für Treue-, Ehrlichkeit und Vertrauen stehen. Bürgermeister Josef Mayr (CSU) zeigte sich zuversichtlich, dass das Paar in fünf Jahren gemeinsam auch ihre Gnadenhochzeit feiern können und wünscht ihnen, auch im Namen von Ministerpräsident Horst Seehofer, alles Gute und viele weitere glückliche Jahre in Zweisamkeit.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare