Trinken ohne Grenzen

Wenn Alkohol, dann aber richtig: Das ist wohl das Motto vieler Jugendlicher. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der „Komasäufer“ stark gestiegen. Foto: Läufle

Mittlerweile saufen sich im Allgäu drei Mal mehr Jugendliche ins Koma als noch vor zehn Jahren. Diese Zahlen vermeldete die Techniker Krankenkasse (TK) kürzlich und bezog sich dabei auf die Krankenhausstatistik des Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung. Die Polizei Kempten kann einen ähnlichen Trend beobachten. Immer mehr Straftaten werden unter Alkoholeinfluss begangen und auch übermäßiger Alkoholgenuss bei Festen ist keine Seltenheit mehr, so Alexander Resch vom Kemptener Polizeipräsidium Schwaben Süd/West.

Im Jahr 2009 mussten im Allgäu insgesamt 90 Mädchen und 220 Jungen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, so TK-Sprecherin Kathrin Heydebreck. Im Jahr 2000 lag die Zahl der weiblichen „Komatrinker“ noch bei 38 und die der männlichen bei 57. Damit ist im Allgäu die Zahl der jugendlichen Rauschtrinker zwischen den Jahren 2000 und 2009 von 95 auf 310 gestiegen. „Wiederholte Alkoholexzesse im Jugendalter können zu langfristigen Schäden im Gehirn führen und erhöhen die Gefahr einer späteren Alkoholabhängigkeit. Auch gehen Rauschtrinker das Risiko ein, in tödliche Verkehrsunfälle verwickelt oder Opfer einer Sexualstraftat zu werden“, warnt die TK-Sprecherin für das Allgäu. Doch betrunkene Jugendliche laufen nicht nur Gefahr Opfer einer Straftat zu werden, sie begehen sie auch immer häufiger selbst. Die Anzahl der Straftaten insgesamt sei zwar in den Jahren 2001 bis 2009 um knapp zehn Prozent gesunken, sagte Alexander Resch von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West vergangene Woche gegenüber dem KREISBOTEN. „Die Anzahl der Personen, die Straftaten unter Alkoholeinfluss begehen, hat allerdings zugenommen“, so der Polizeikommissar weiter. Verändertes Verhalten Übermäßiger Alkoholgenuss, immer mehr auch bei Jugendlichen, die eigentlich noch keinen Alkohol bekommen dürften, sei auch auf Festen festzustellen. Im Bereich der Sicherheit stelle das für Polizei und Sicherheitsdienste eine große Herausforderung dar, erläuterte Resch. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Alkoholexzesse ist außerdem das veränderte Weggeh- und Konsumverhalten. Eine Rolle dort spielen Resch zufolge vor allem das sogenannte Vorglühen und die vielen Mischgetränke. Laut Heydebreck komme gerade Eltern beim Thema Alkohol eine wichtige Vorbildfunktion zu: „Wer sich zur Feierabendentspannung regelmäßig eine Halbe Bier einschenkt oder zum Essen immer Wein trinkt, muss sich nicht wundern, wenn für seine Kinder Alkohol zum Alltag gehört.“ Die TK-Sprecherin rät Eltern betroffener Kinder, offen über deren Alkoholvergiftungen zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um weitere Exzesse zu vermeiden. „Dabei sollten sie sich nicht scheuen, klare Regeln für den Umgang mit Alkohol aufzustellen“, so Heydebreck. Auch die Kommunen und die Polizei versuchen gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen vorzugehen. Der Kreisjugendring Oberallgäu und die Kommunale Jugendarbeit hätten im vergangenen Jahr eine Broschüre für Veranstalter von Festen mit dem Titel „Ich lass nicht mit mir handeln“ herausgegeben, schilderte Brigitte Klöpf von der Pressestelle des Landratsamtes. In der Broschüre werde auch das Thema Jugendliche und Alkohol angesprochen. Einen Leitfaden für Festveranstalter hat auch die Polizei im Jahr 2010 herausgegeben. Darin gibt es Tipps für Festveranstalter, worauf sie im Vorfeld zu achten haben. Bei öffentlichen Partys mit hohem Anteil von Jugendlichen erhöht die Polizei zudem die Jugendschutzkontrollen. Weitere Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch sind laut Klöpf und Resch Suchtberatungen und Präventionsveranstaltungen in Schulen.

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