Insgesamt gut aufgestellt

Trotz Baby-Boom und Zuzug muss Kempten keine neue Grundschule bauen

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Wie sich der Bedarf im Sprengel der Fürstenschule entwickelt, kann man laut Schulreferent Benedikt Mayer noch nicht sagen.

Kempten – Die Kemptener Grundschulen sind dem Mehrbedarf an Plätzen in den kommenden Jahren gewachsen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse vom Leiter des Referats für Jugend, Schule und Soziales, Benedikt Mayer. In einem ansehnlichen 48-seitigen Konvolut hatte er zusammengetragen, welche Parameter bei der Berechnung des Schulplatzbedarfs eine Rolle spielen und welche Kapazitäten jede einzelne der Kemptener Grundschulen in Zukunft besitzt. Die Ergebnisse hat er im Ausschuss für Schule und Sport am Montag vorgestellt. „Selbst bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 23 Schülern wären an den Schulen 2841 Plätze vorhanden“, erklärte Mayer.

Bei einer errechneten durchschnittlichen Geburtenrate von 680 Kindern pro Jahr in den nächsten Jahren und einem angenommenen Zuzug von rund 700 Personen pro Jahr (später fallend) hatte der Referatsleiter einen Bedarf von 2720 Grundschulplätzen, zuzüglich Puffer für Wiederholer, Umzüge und Zurückstellungen kalkuliert. Gegenüber hatte er die Kapazitäten an den Schulen bei verschiedenen Klassengrößen gestellt.

Verantwortlich für die Untersuchung zeichnen die Freien Wähler. Im Jugendhilfe-Ausschuss im Januar waren Zahlen bekannt geworden, die die Mitglieder aufhorchen ließen: Durch den derzeitigen Baby-Boom und den Zuzug nach Kempten fehlen in den nächsten Jahren 400 bis 500 KiTa-Plätze in Kempten. Da diese Kinder auch einmal zu Schule gehen, interessierte sich die Partei der Freien Wähler dafür, ob die Kemptener Grundschulen Kapazitäten besitzen, diese zusätzliche Kinderschar zu beschulen. In einem Antrag an Oberbürgermeister Thomas Kiechle baten sie um Prüfung, ob Schulen langfristig ausgebaut werden müssten, in welchem Stadtteil der größte Bedarf besteht und ob gar eine ganz neue Grundschule errichtet werden müsse.

Neben aktuellen Herausforderungen wie die Inklusion, durch welche die rund vier Prozent aller Kemptener Förderschüler in Regelklassen integriert werden müssen, dem Ausbau des offenen Ganztags, den Unwägbarkeiten durch etwaige Sprengelbefreiungen, Migration und politischen Entwicklungen spielen auch die Bedürfnisse der Stadtteile für die Kalkulation des Grundschulbedarfs eine Rolle, führte Mayer aus. So sei es der Stadt enorm wichtig, die Außenstelle Eich der Grundschule Kottern-Eich zu erhalten, obwohl dies angesichts ihrer geringen Größe schwierig sei.

Auch die Situation jeder einzelnen Schule hatte der Referatsleiter in Augenschein genommen. Als „Baustelle“ entpuppte sich hierbei die Nordschule, da an der Mariaberger Straße und an der Halde Nord zahlreiche Wohnungen im Einzugsgebiet der Schule entstehen werden. Mayer hatte errechnet, dass die Schülerzahlen von 290 auf über 400 im Jahr 2024/25 steigen werden. Auch der Schulsprengel müsse hier verändert werden. Während die Hälfte der Halde Nord derzeit zu Heiligkreuz gerechnet werde, müsse das gesamte Gebiet dann zum Sprengel der Nordschule gezählt werden.

Wie sich die Zahl der Kinder im Sprengel der Fürstenschule entwickeln werden, muss beobachtet werden. Es könnte sein, dass durch die neuen Wohnungen auf dem ehemaligen Krankenhausgelände mehr Kinder dort wohnen. „Im Gebäude selbst ist kein Platz für Erweiterungen“, sagte Mayer. Bereits jetzt werden Räume der der ehemaligen Maria-Ward-Schule angemietet. Eventuell werden ab 2022 Schüler in angrenzenden Schulen untergebracht.

„Unsere Schulen sind aufnahmefähig“, die Herausforderung sei jetzt, „die einzelnen Schulen für die Zukunft zu machen“, resümierte OB Kiechle und erinnerte daran, dass das Thema immer wieder betrachtet werden müsse. Deshalb will Schulamtsdirektor Hans Fasser die Analyse, wie Mayer sie vorgestellt hatte, als Dauereinrichtung etablieren. Und Stadtrat Siegfried Oberdörfer (SPD) bat darum, den Ausbau der Nordschule mit Nachdruck zu betreiben.

Susanne Kustermann

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