Vernetzung als Erfolgsrezept

Trotz Corona positive Bilanz beim Kemptener Kultursommer

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Das Leo Betzl Trio spielte das zweite von sechs Kultursommer-Konzerten. Die erfolgreiche Open-Air-Reihe schließt mit einem Bonus-Konzert der Blues Brothers Band.

Kempten – Anfang April diesen Jahres kurz nach dem Corona-Lockdown rief das Kulturamt der Stadt Kempten den „Kulturlieferdienst. de“ ins Leben. Nach den ersten Lockdown-Lockerungen wagten sich die Macher der erfolgreichen OnlinePlattform in Zusammenarbeit mit dem Kleinkunstverein Klecks e. V. auch an die Organisation von Live-Konzerten. So entstand die Idee einer Open-Air-Live-Konzertreihe unter dem Titel „Kultursommer Kempten“ im Residenzhof.

Zweifellos ein arbeitsaufwändiges Unterfangen, das viele Risiken in sich barg und in einigen Städten bereits gescheitert ist. So mussten in Ulm, München und anderen Städten ähnliche Vorhaben vorzeitig abgebrochen, Einladungen an Künstler wieder zurückgezogen oder Konzerte kurzfristig mangels Zuschauerinteresse abgesagt werden.

Anders in Kempten: Sechs Konzerte für unterschiedlichen Musikgeschmack sorgten von Anfang August bis zum vergangenen Wochenende für immerhin gut über tausend Besucher. Zweimal zeigte sich das Wetter etwas unfreundlicher, doch die Flexibilität von Veranstalter und Helfern sorgte auch dann für Musikgenuss. Von „Pianotainment“ über „Rainer von Vielen“, „Leo Betzl Trio“, „Quattro Poly“ und den Singer-Songwriter-Abend „Ladies First“ bis zum Duo „Schriefl/Wegscheider“ am vergangenen Samstag waren sehr unterschiedliche Stilrichtungen auf der Bühne im Innenhof der Residenz zu hören.

Der Erfolg hat Gründe: Andreas Schütz vom Kleinkunstverein Klecks e. V. bewies erneut ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Bands und Musiker, allesamt mit Kemptener oder Allgäuer Herkunft. Er ist einer von drei „Bookern“ beim Kemptener Jazzfrühling des Klecks, bestens in der heimischen Szene verankert und bringt durch den Jazzfrühling Profi-Erfahrung in Auswahl und Organisation für und bei Musikfestivals mit. Auch die Mitglieder des Klecks e. V. die heuer schon auf den Jazzfrühling verzichten mussten, waren „heiß“ auf den Kultursommer. Der etwa 50 Köpfe zählende „Arbeitskreis“, der sonst den Jazzfrühling „stemmt“, stellte jeden Samstagabend das organisatorische Rückgrat der Konzerte von Aufbau, Technik, Bühne, Hygienekonzept, Ticketverkauf und Einlassregelung bis zur Getränkebar. Die Bewerbung der Veranstaltungen vor Ort und online durch das Kulturamt und die gut über 400 Mitglieder des Klecks e.V. war ebenfalls ein Erfolgfaktor. Die Unterstützung des Landgerichts, das die Nutzung des Innenhofs der Residenz ermöglichte, sicherte zudem den idealen örtlichen Rahmen. Schlussendlich war die gute und erprobte Zusammenarbeit mit den Sponsoren, die zumeist auch den Jazzfrühling finanziell zu meistern helfen, ein Grund dafür, dass die Eintrittspreise erschwinglich und die Gagen für die Künstler dennoch zumutbar waren. „Die gelungene Vernetzung aller Akteure hat dafür gesorgt, dass wir bei der erfolgreichen Reihe nun auch noch eine Zugabe geben können“, so Andreas Schütz.

Am kommenden Samstag, 12. September, um 20 Uhr, stehen dann die „Blues Brothers“ auf der Bühne des Residenzinnenhofs. Zu hören gibt’s dann alle Songs aus dem gleichnamigen Film sowie weitere zeitgenössische Musik, die in die Beine geht.

„Kultur ist Dienst an der Gesellschaft.“ Mit diesem Satz bewies Martin Fink, Kulturamtsleiter der Allgäumetropole und Initiator des „Kulturlieferdienst.de“ neben der Solidarität mit Kulturschaffenden aus der Region auch analytischen Weitblick. Immerhin gibt der Veranstaltungsbereich bundesweit mit 1,5 Millionen Arbeitsplätzen doppelt so vielen Menschen ein Einkommen wie zum Beispiel die Automobilindustrie und trug mit etwa 130 Milliarden Euro Umsatz zum Bruttoinlandsprodukt bei. Ein wichtiger Bereich, auch volkswirtschaftlich, dabei: die Kunst- und Kulturschaffenden.

kb

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