Rennbericht der 17-jährigen Sina van Thiel

Trotz Schwierigkeiten bei der XCO-Weltmeisterschaft weitergekämpft

Mit Schlamm und Matsch hatte die RSC-Radlerin Sina von Thiel bei der XCO-Weltmeisterschaft zu kämpfen
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Bis zum Schluss hatte Sina van Thiel beim XCO-Weltmeisterschaftsrennen immer wieder Probleme mit der Kette und musste den Schlamm von Hand auskratzen.

Kempten – Sina van Thiel vom RSC Auto Brosch Kempten startete am Anfang Oktober für die Deutsche Nationalmannschaft bei den XCO-Weltmeisterschaften in Saalfelden-Leogang in Österreich in der Klasse der Juniorinnen. Wie die 17-Jährige aus Blaichach das aufregende Ereignis erlebt hat, schreibt sie hier:

„Der Start bei der Weltmeisterschaft war wirklich schwierig, da es direkt in die schlammige Wiese ging und die Reifen teilweise schon dort durchgedreht haben. Fast hab ich vergessen, dass das Startsignal mit Licht erfolgt und nicht durch Schuss, wie gewohnt. Im Startloop war ich aber eigentlich schon ziemlich gut dabei (ich glaub Platz elf oder zwölf), aber ich habe mir da auch noch über-haupt keinen Stress gemacht.

Ich wusste, dass das Rennen lang wird und ich noch jede Menge Zeit habe, um mich langsam nach vorne zu arbeiten. [...] Was ich in dem Moment allerdings noch nicht wusste war, dass die Strecke so viel schlammiger war als am Vortag und man sogar die bergauf Passagen schieben musste, die am Vortag zwar rutschig aber noch gut zu fahren waren. [...] Der Weg war so schlammig, dass sich bei meinem Fully so viel Matsch zwischen Hinterrad und Rahmen gesammelt hat, dass sich das Hinterrad in der ersten Runde nur noch schwer gedreht hat.

In der zweiten Runde hat sich mein Hinterrad überhaupt nicht mehr gedreht und ich habe von Hand den Dreck rausgeholt. Als ich wieder aufsteigen wollte, um weiter zu fahren ist mir aufgefallen, dass die Kette vom vorderen Ritzel runtergefallen war. Ich habe lange versucht, die Kette wieder draufzutun, aber zwei Umdrehungen und die Kette war wieder unten. Als mich gefühlt 20 überholt hatten, habe ich die Motivation kurzzeitig verloren und schon drüber nachgedacht, ob es überhaupt noch Sinn macht weiter zu fahren. Aber zwei Sekunden später kam mir in den Kopf, dass das hier die Weltmeisterschaft ist – meine erste Weltmeisterschaft – und ich konnte doch nicht einfach so aufgeben, ohne zu kämpfen.

Also habe ich beschlossen ‚um mein Leben zu rennen‘ bis in die Technik-Zone, damit mir die Mechaniker dort helfen können. Auch die beiden Mechaniker hatten Schwierigkeiten mit der Kette. Irgendwann hats dann aber zum Glück doch noch geklappt und ich konnte mit einem lauten „Let‘s gooooo“ von meinem Mechani-ker weiterfahren. Meine Motivation kam zurück und ich kämpfte mich wieder ein kleines bisschen nach vorne. Ich hatte immer wieder kleine Probleme mit der Kette und hab wieder den Schlamm von Hand raus gekratzt. Die Runden darauf habe ich dann noch einmal in der Technik Zone angehalten, um das Ritzel und die Kette sauber zu machen und die Chancen für das gleiche Problem nochmals zu reduzieren.

In der Letzten Runde habe ich dann meine National Kader-Freundin Alexa Fuchs mit dem gleichen Ketten Problem gesehen und habe sie überholt. Ich habe ihr dann aber zu gerufen, dass sie weiter rennen soll, da sie so insgesamt weniger Zeit verliert. Was ich nicht wusste war, dass ich somit auch ihre Motivation gerettet habe, da sie auch mit dem Gedanken gespielt hat aufzugeben. Am Ende des Rennens habe ich zwar immer wieder kleine technische Probleme gehabt, aber ich habe mich fit gefühlt und wollte weiter nach vorne fahren. Zum ersten Mal hatte ich die Angst, dass ich wegen der 80 Prozent Regelung meine letzte Runde nicht mehr fahren darf, doch ich bin gerade so noch durchgekommen und konnte somit in der letzten Runde auch noch Plätze gut machen. Es gab sogar noch einen Zielsprint um den 21. Platz, den ich dann jedoch nicht mehr geschafft habe, da ich bei der letzten Abfahrt auf die vor mir aufgefahren bin, jedoch bei der letzten Kurve noch hinter ihr war. Insgesamt bin ich zwar nicht mit meiner Platzierung zufrieden, aber mit meiner Leistung auf jeden Fall. Ich habe mich fit gefühlt und freue mich jetzt schon riesig auf die EM in Rivera nächste Woche.“

Sina van Thiel / kb

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