"Weltweites Pilotprojekt" geht schon bald in Betrieb

Innovative Wasserkraft

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Mit Hilfe eines Krans werden die beiden jeweils 45 Tonnen schweren VLH-Turbinen ins Kraftwerksgebäude eingehoben.

Suzberg/Au – Nach dem Spatenstich vor einem knappen Jahr, konnte am Wasserkraftwerk Sulzberg-Au erneut gefeiert werden – diesmal eine Premiere. Erstmals wurde dort vergangenen Freitagnachmittag die Technologie der „Very Low-Head“-Turbine (VLH) in einem alpinen Gebirgsfluss, der Iller, installiert.

Vor rund 150 geladenen Gästen, darunter Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder, wurden die beiden jeweils 45 Tonnen schweren VHL-Turbinen per Kran in das Kraftwerksgebäude eingehoben. Dieser Turbinentyp wurde speziell für Standorte mit niedrigem Wassergefälle entwickelt und soll einen fischfreundlichen Betrieb ermöglichen.

Angestoßen wurde das Projekt von Allgäuer Überlandwerk (AÜW) und den Bayerischen Landeskraftwerken (LaKW) durch das Bayerische Umweltministerium mit dem Bestreben, die Energiewende aktiv voranzubringen. In Kombination mit der variablen Stauzielregelung durch ein wasser- gefülltes Schlauchwehr stellt es laut AÜW-Chef Michael Lucke eine Weltneuheit dar und einen „weiteren Meilenstein auf dem Weg in eine erfolgreiche Energiezukunft“ der beiden Projektpartner. „Bewährt sich die neue Technologie in einem alpinen Gebirgsfluss, wäre das ein Durchbruch in der Nutzung der Wasserkraft.“ Kemptens OB Thomas Kiechle, AÜW-Verwaltungsratsvorsitzender, hob hervor, dass neben der Bauzeit auch das geplante Budget in Höhe von 8,7 Millionen Euro nicht überschritten wurde und Landrat Anton Klotz sah durch das Projekt den Beschluss des Landkreises bestätigt, bis 2022 70 Prozent des benötigten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen. Staatsminister Dr. Markus Söder wertete die Pilotanlage Sulzberg-Au als „wichtigen Schritt für den umweltverträglichen Ausbau der Wasserkraft in Bayern“, zumal Pionierprojekte benötigt würden, „um im Praxistest Erkenntnisse über innovative Technik unter den Besonderheiten bayerischer Wildflüsse zu gewinnen“. In Sulzberg-Au stelle man sich „gleich mehreren Herausforderungen zum ersten Mal – ein weltweites Pilotprojekt“.

Heuer Inbetriebnahme 

Noch in diesem Jahr sollen die beiden neuen VLH-Turbinen an das Stromnetz angeschlossen werden und pro Jahr rund 3,9 Millionen Kilowattstunden Erneuerbare Energie aus heimischer Wasserkraft erzeugen.

Aufschluss bezüglich Fischverträglichkeit der VLH-Turbine sowie der ökologischen Auswirkungen der Wasserkraftanlage auf die umliegenden Lebensräume bestimmter Tier- und Pflanzenarten soll ein unabhängiges, staatlich finanziertes Monitoring durch die Technische Universität (TU) München liefern. Sollten sich die positiven Ergebnisse aus ähnlichen Untersuchungen, die in Frankreich gemacht wurden, auch in Sulzberg-Au bestätigen, könnte die gesamte ökologische Nutzung der Wasserkraft in Bayern davon profitieren, so die Hoffnung der Akteure.

Christine Tröger

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