Stadtpolitik auf's Korn genommen

"Die schämen sich nicht"

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Hatten ihren Spaß: Die drei UB/ödp-Stadträte Michael Hofer (v.l.), Dr. Philipp Jedelhauser und Helmut Hitscherich ziehen die CSU und ihre Politik durch den Kakao.

Kempten – Nach ihrem letzten Aschermittwochsauftritt hatten sich die drei Stadträte der UB/ödp im Stadtrat hinter verschlossenen Türen einiges anhören müssen. Allen voran Freie Wähler, CSU und SPD gingen das Trio in nichtöffentlicher Sitzung wegen ihrer damaligen Sketche rüde an.

Davon unbeeindruckt zogen die drei am Mittwochabend in der Lenzfrieder „Osteria Antica“ erneut ordentlich vom Leder. Hauptziel ihres Spotts – „Cambodunums Salto mortale Umfaller Partei”, einigen auch bekannt als CSU, und deren Fraktionschef Erwin Hagenmaier.

Am Politischen Aschermittwoch darf traditionell so einiges gesagt werden, was im politischen Alltag tabu ist. Übertreibungen sind dabei besonders erwünscht. Daran hielten sich am Mittwochabend gewohnt spitzzüngig-witzig die drei Stadträte Michael Hofer, Dr. Philipp Jedelhauser und Helmut Hitscherich. Von „Iller erleben“ bis zur Ulrich-Netzer-Rathaus-Gedächtnistheke nahmen sie – musikalisch passend begleitet von den Hinterholzer Musikanten – die Stadtpolitik in ihrer „Realsatire“ aufs Korn.

Stehende Welle im Seitenkanal der Iller? „So eine Schnapsidee!“ Der geplante Kultur-Kutter? „Der ist doch gesunken, bevor er überhaupt gebaut wurde!“ Ein Badestrand an der Iller? „In der Iller ist Baden bekanntlich verboten!“ Das Fazit des Trios zum Konzept „Iller erleben“: „Das Iller erleben werden wir so schnell nicht erleben – es sei denn die Stadt spielt Lotto und gewinnt Millionen“, so Stadtrat Helmut Hitscherich.

In dem Ton ging es weiter. Nächstes Ziel der drei: die Kemptener Bauverwaltung. „Bauen ist in Kempten auch so eine Sache. Blickt ihr da noch durch?“ fragte Hofer. Das tat zwar niemand der Anwesenden, aber: „Wenn man die richtigen Leute kennt, geht’s auch anders.“ Beispiel gefällig? „Schau doch mal das Ärztehaus in der Rottachstraße! So mir nichts, dir nichts wurde ein zusätzliches Stockwerk durchgewinkt und der OB von seinen eigen Leuten überstimmt“, erklärte Hofer den Zuhörern.

Umfaller Hagenmaier

Erneut ein beliebtes Thema für Hohn und Spott war die bislang erfolglose Suche nach einem neuen Standort für den Rettungshubschrauber Christoph 17. Der war mit der Riederau eigentlich gefunden, bis CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier und Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) ihn von heute auf morgen torpedierten, wie Jedelhauser und Hofer erinnerten. „In der Stadtratssitzung nach dem letzten Aschermittwoch wurden wir von CSU, FW und SPD niedergemacht“, erzählte Jedelhauser. „Wir hätten uns damit außerhalb des Stadtrats gestellt, weil wir am Stadtratsbeschluss Rettungshubschrauber/Riederau nicht mehr festhalten würden.“ Und Michael Hofer ergänzte: „Und dann? Keine sechs Wochen später sagen Hagenmaier und Knott selber Nein zum Standort Riederau, weil damit die Landschaft verschandelt würde.“

Für das Trio typisch für die Kemptener CSU: „Was wir einst versprochen, ist doch einerlei. Hoch Cambodunums Salto Rückwärts Umfaller Partei“, sang es unter dem Gelächter der Anwesenden. Der CSU-Wahlkampfslogan „Gemeinsam gestalten“ bekam ebenfalls sein Fett weg. „Was haben die eigentlich gestaltet?“ fragte Hitscherich, und gab die Antwort gleich selbst: „Den St.-Mangplatz, wo sich Kinder blutige Knie holen? Die Nordspange, wo der Minister sofort im Moor versinkt? Den XXXL am Haslacher Berg, damit die Hochschule auch ja keine Erweiterungsfläche hat? Und dann wollten die eine Tiefgarage am Hildegardplatz gestalten, wo der Parkplatz auf 35 000 Euro gekommen wäre!“

Wundern taten sich die drei auch darüber, warum CSU-Stadtrat Stephan Prause plötzlich so weit hinten auf der CSU-Kandidatenliste gelandet sei. „Der hat halt ab und zu mal was gewollt, was dem Hagenmaier nicht gefallen hat“, erklärte Dr. Jedelhauser. „Anträge ohne Genehmigung durch den Fraktionsvorsitzenden zu stellen, hat halt da Konsequenzen.“

Überhaupt der Wahlkampf der Christsozialen. „Die schämen sich nicht“, empörte sich Hofer, „Initiativen auf ihre Fahnen zu schreiben, die gar nicht von ihnen stammen.“

Noch-OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) blieb ebenfalls nicht ungeschoren. Der geplante Umbau des Rathauses für 2,3 Millionen Euro sei die UNGT, die Ulrich Netzer Rathaus-Gedächtnistheke, lästerte das Trio. Dass Netzer nun Sparkassenpräsident werde, liege vor allem daran, dass es „vonseiten der CSU kaum innerparteiliche Konkurrenz“ gegeben habe, da Netzer einer der wenigen in der Partei ohne gefälschten Doktortitel sei. „Da gilt man heute als CSU’ler schon als Vorbild“, lästerte Jedelhauser.

Ihre Vorführung schlossen die drei mit der Hoffnung: „Lasst euch nicht verarschen, macht die Augen auf, mehr als Geld zähl’n Argumente, da hoffen wir drauf!“

Matthias Matz

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