Über 1000 Stunden Arbeit

Am vergangenen Wochenende hat der Modellsportclub Westallgäu (MCW) das 25-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Aus diesem Anlass sorgten die Modellbauer aus dem Westallgäu und zahlreiche Mitglieder befreundeter Clubs für rasante Bewegung rund um die TSZ-Halle in Lindenberg. Rennwagen, Offroader, Trucks und Panzer waren vor dem Eingang zur Halle unterwegs. Sportflugzeuge, Segler und Helikopter vollführten atemberaubende Flugmanöver im Luftraum über dem benachbarten Kunstrasenplatz. Derweil drehten die Güter- und Personenzüge der Modellbahnen in der Halle unablässig ihre Kreise. Gleich daneben konnte man am Samstag und Sonntag auch Hunderte von Modellen in einer großen Ausstellung bestaunen.

Im Gespräch mit den Modellbauern zeigt sich, für dieses Hobby sollte man eine gehörige Portion Geduld und auch Zeit mitbringen. Der „echte“ Modellbauer klebt nicht einfach einen gekauften Bausatz zusammen. Für ihn ist Modellbau handwerkliche Arbeit und Perfektion bis ins kleinste Detail. Unzählige Arbeitsstunden hat Walter Probst schon in seine historischen Schiffsmodelle investiert. Ganze 23 Schiffe hat der gelernte Kaminkehrermeister in 44 Jahren gebaut, 14 dieser Schmuckstücke zeigt er auf der Jubiläumsausstellung. Tausend Stunden und länger dauert es, bis er ein Modell fertig gestellt hat. „Ich wollte einfach etwas basteln, was nicht gleich fertig ist“, erklärt Probst sein ausgefallenes Hobby. Vor zehn Jahren hat er die „San Felipe“ gebaut, gut 1800 Stunden hat es gedauert, bis der Dreimaster vom Kiel bis zur Mastspitze fertig war. „Vom Auge her ist es eines der schönsten Schiffe“, sagt Probst mit sichtlichem Stolz. Zu Demonstrationszwecken hat er auch sein neuestes Projekt gleich mitgebracht. Die „Royal Caroline“, die Yacht der königlichen Familie. Im Moment arbeitet Probst an seinem originalgetreuen Nachbau. Gut 800 Arbeitsstunden stecken schon im Rumpf und in den Aufbauten. Die Masten sind gesetzt, aber Rahen, Segel und Takelage fehlen noch. Das braucht Zeit und so nutzt Probst einfach die beiden Ausstellungstage, um an seiner Yacht weiter zu arbeiten. Ein paar Schritte weiter sind die Modulanlagen der Modellbahn zu finden. Auf einzelnen Elementen haben die Mitglieder Gleisabschnitte in den Spurweiten N und H 0 aufgebaut. Michael Siemens, Vorstand des Modellsportclubs, ist auch beruflich mit dem Modellbau verbunden, er ist Redakteur bei der Zeitschrift „Züge“, einer renommierten Fachzeitschrift in Modellbahnkreisen. Berufsbedingt wohnt Siemens seit einigen Jahren in Marktoberdorf, doch bisher hat sich noch niemand aus dem Westallgäu gefunden, der seine Nachfolge im Verein antritt. Überhaupt ist vieles im Umbruch begriffen, erzählt er. In den letzten beiden Jahren hat sich die Mitgliederzahl des Modellsportclubs nahezu halbiert. Der Nachwuchs bleibt aus. „Das mag wohl auch an der Veränderung in der Modellbauszene liegen“, vermutet Siemens. „Der Modellbau hat sich gewandelt, der Fertigmodellsektor nimmt immer mehr zu“, sagt der Vorsitzende. Kaufen, auspacken, Akku laden und losfliegen, so sei das heute. Es liegt auf der Hand, dass man dafür nicht unbedingt einen Verein braucht. Solch ein Fertigmodell käme für Peter Schöner auf gar keinen Fall in Frage. „Ich will etwas bauen, was andere nicht haben“, erläutert er seinen Teil der Ausstellung. Seit gut 16 Jahren entwickelt der Lindenberger ausgefallene Modelle. Ein Unimog im Maßstab 1:7 steht vor ihm auf dem Tisch, voll funktionsfähig und mit Allradantrieb ausgestattet. Alles, aber auch wirklich alles an seinen Modellen ist individuelle Einzelanfertigung. Rahmen und Fahrgestelle stellt er aus Aluminium her, die Aufbauten sind aus PVC und die Baggerschaufel aus Messing. Alles funktioniert Schöner ist ein Tüftler, gut zwei Jahre hat er an seinem Bagger gearbeitet. Ganz wie beim Original lässt sich die Schaufel hydraulisch bewegen, alle Systeme funktionieren wie beim großen Bruder. Mit einer Federwaage hat Schöner festgestellt, dass sein Bagger bis zu 20 Kilogramm heben kann. Im Moment arbeitet er gerade an einem Canyon Pistenbully im Maßstab 1:6. Sein Sohn Nicolai brachte ihn auf diese Idee. Der Fünfjährige hat viel Spaß am Spiel mit den Modellen, doch im Winter gibt es dazu eigentlich kaum eine Möglichkeit. Warum also nicht einen Pistenbully bauen? Gesagt getan, das Fahrgestell mit Raupenketten ist bereits fertig, der Führerhausaufbau ist in der Rohform vorhanden, im nächsten Winter ist der Spielspaß für den Sprössling garantiert. Dann führt er einen „Max 4“ mit Sechsradantrieb vor. Rasend schnell flitzt das Gefährt durch die Halle, dank zwei Planetengetrieben aus der Schweiz wendet es auf der Stelle. Man spürt, Modellbau lässt das Kind im Manne lebendig werden und wie es scheint, ist dieses Hobby extrem ansteckend.

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