Keine Aufwertung nötig

Kaum etwas verändert

Kempten – Einstimmig hat der Haupt- und Finanzausschuss am Mittwoch die Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens abgesegnet.

Am Beschlussvorschlag hat sich, laut Dr. Manfred Bauer, Geschäftsführer der erneut mit der Untersuchung beauftragten Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), bis auf die Streichung der „Kleinflächenregelung“ kaum etwas verändert.

Zum einen waren die neuen Untersuchungen wegen des „Bauloch-Streits“ (der Kreisbote berichtete) in Auftrag gegeben worden. Zwar habe das Gericht im Rahmen der Normenkontrollklage die vom Kläger beanstandeten Abgrenzungen nicht angezweifelt. Trotzdem habe man die den zentralen Versorgungsbereich überprüfen wollen. Wie Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl zu Beginn der Ausschusssitzung betonte, sei es zum anderen generell „nach vier Jahren auch sinnvoll zu schauen, ob es noch passt“. Bei den ergänzend durch eine repräsentative Haushaltsbefragung (gut 500 Personen) gewonnenen Ergebnissen, seien die Nahversorgungszentren nur pauschal berücksichtigt worden, so Schießl. Diese sollen erst Ende des Jahres näher unter die Lupe genommen werden.

Die strittige Linie westlich des „Forum Allgäu“ begründete Bauer vor allem dadurch, dass es, entgegen der Situation innerhalb des markierten Bereichs, jenseits der Linie „keinen relevanten Einzelhandel gibt“; der Bereich keine Tradition als Einkaufslage habe, abgesehen von ein paar vereinzelten, nur temporär angesiedelten Läden; keine städtebauliche Wertigkeit vorhanden sei und der Bereich auch nicht aufgewertet werden müsse, da das „Forum stark genug“ sei. Dagegen gebe es seit Jahren Versuche die Gerberstraße zu beleben, wo städtebauliche Wertigkeit gegeben sei.

Die insgesamt „fast schon idealtypische“ Einzelhandelssituation sei nur „durch konsequente Abgrenzung zum Außenbereich“ möglich, verteidigte er die Grenzziehung. Überhaupt zeichnete Bauer ein recht positives Bild von der Einzelhandelssituation in Kempten, wo es gelungen sei, „in relativ überschaubarem Zeitraum große Leerstände zu füllen“. „Die Zahlen bestätigen, dass Sie ein starker Einkaufsort sind“, mit „hoher Kaufkraftbindung“. Über 80 Prozent der Kundschaft kommen laut Bauer aus dem ungewöhnlich großen Einzugsgebiet nach Kempten, vor allem um das gastronomische Angebot zu nutzen.

„Traumwerte“ von weit über 70 Prozent auf der Beliebtheitsskala bescheinigte er den Kultur-, Freizeit- und Sportangeboten, den Einkaufsmöglichkeiten von Bekleidung, Schuhen, Lederwaren sowie von Elektronikartikeln. Dagegen würden nur 36 Prozent ihre Möbel in Kempten kaufen, „weil Sie da kein so gutes Angebot haben“. Verbesserungspotential sah er generell eher im „Feintuning“ als in großen Dingen. So werde „die Möblierung noch nicht für eine Corporate Identity genutzt“, zeigte er Bilder von unterschiedlichen Modellen öffentlicher Müllbehälter.

Während die Stadt bei der Begrünung „deutlich zugelegt hat“, gebe es noch zu wenig Kinderspielplätze, wies er auf den ein oder anderen Schönheitsfehler hin. „Luft nach oben“ sah er noch bei der Vermarktung lokaler und regionaler Produkte, unter anderem durch eine bessere Kennzeichnung. Lob gab es für die überwiegend gut gemachten Geschäftseingänge. Aber auch für die Verbesserung der Außengastronomie, bei der nur noch wenige „Ausreißer“ mit Billigmöbeln operieren würden.

Auf Nachfrage von Helmut Hitscherich (ödp) zum Thema „Bauloch“ machte Schießl klar, dass „unabhängig davon, ob das Problem mit Zugeständnissen gelöst wäre“, juristische Wechselwirkungen entstünden. Es gebe keinen Grund hier „fachlich städtebaulich auszuweichen“, lediglich „öffentlichen Druck“. Wenn dem nachgegeben werde, dann „machen wir es willkürlich“, womit auch in Folge kein Einzelhandelskonzept – das im Übrigen städtebaulich nachvollziehbar begründet sein müsse – mehr als Begründung herangezogen werden könne.

Im Übrigen sei die Begrenzung einer Einzelhandelsfläche baurechtlich nicht möglich. Es stelle sich also nur die Frage ob oder ob nicht. Ein Zugeständnis würde zudem die Bestrebungen zur Belebung des Nordens und gegen die Leerstände „konterkarieren“.

Christine Tröger

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