Überdeutliche Worte

Mit einem brennenden Thema und einem prominenten Redner und Verfechter von „Ethik im Wirtschaftsleben“ lockte der Lions Club Kempten Müßiggengel vergangene Woche zahlreiche Zuhörer in die Räume der Hypo Vereinsbank. Als Mann „der ersten Stunde, die in ihrem unternehmerischen Handeln Schwerpunkte in praktischer und angewandter Wirtschaftsethik setzt“, begrüßte Lions-Präsident Dr. Frank Geßner den Geschäftsführenden Gesellschafter der HIPP-Unternehmensgruppe, Prof. Dr. Claus Hipp. Der Anhänger sozialer Marktwirtschaft sparte anschließend nicht mit Kritik am politischen Krisenmanagement.

Im Bestreben der Politik, „Großunternehmen gegen Wettbewerber zu schützen“, machte er Tendenz zur Planwirtschaft aus. „Branchenspezifische Förderungen bringen in der Krise Unordnung“, wies er auf die Abwrackprämie hin, die zu Lasten anderer gegangen sei. „Es tut uns leid um jeden Arbeitsplatz, der verloren geht“. Aber „wenn Opel heute pleite geht, gibt es morgen auch nicht mehr Fußgänger“ – Kunden für andere Hersteller. Und warum sollten die Kleinen, die einst von den Großen verdrängt worden seien, „jetzt über Steuergelder die finanzieren, die sie kaputt gemacht haben“, fragte er. Auch die Bankenpleite dürfe seines Erachtens nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen, denn „wer spekuliert, kann nicht erwarten, dass ihm geholfen wird“. Zunehmender Egoismus erfordere immer mehr Gesetze. So müsse man als Unternehmer inzwischen „85000 Vorschriften beachten“ – eine größere Bürde als die Abgaben. Zudem dienten manche Gesetze mehr dazu, „Besitzstände zu sichern“ als Menschen in Arbeit zu bringen, benannte er das Antidiskriminierungsgesetzes in manchen Fällen als wenig zielführend. Dem „Gejammer“ über PISA setzte er große Hoffnung in die Jugend entgegen. „Wir sollten uns gut überlegen, was wir in ihre Köpfe packen“, kritisierte Hipp allerdings, dass sich unser System nur um Wissen kümmere. „Ausbildung ist wichtig, aber wir dürfen die Bildung nicht vergessen“, berief sich der selbst kulturell versierte Mann auf Pestalozzis Lernen mit „Haupt, Hand und Herz“. Klug und gerecht Er halte es mit den Haupttugenden nach Aristoteles: Klugheit gleich rechtes Wissen und Handeln; Gerechtigkeit in Punkto Legalität und Legitimität; Tapferkeit, im Umgang mit Niederlagen sowie der eigenen Meinungsäußerung und schließlich Maßhaltung, wobei es „sehr befreiend, ist auf Dinge zu verzichten“ und sich nicht zu Statussymbolen drängen zu lassen. Die sehr christlich geprägten Werte des erfolgreichen Firmenchefs spiegeln sich auch in der „Ethik-Charta“, die im Unternehmen von der Qualität über den Umgang mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten oder auch der Konkurrenz bis zum internen Informationsfluss „in verständlicher Weise“ als Leitfaden dient, wider. Als internes Korrektiv werde jedes Jahr eine Beurteilung der 2000 Mitarbeiter wie der Führungskräfte vorgenommen, die schon manch einem zu denken gegeben habe. Hilfe für Georgien Stark machte er sich für Schulabgänger, die oft wichtige Fähigkeiten hätten und diese auch im Unternehmen zeigen können sollten. Zur Frage nach seinem Engagement in Georgien bekundete er seine Faszination für das „kulturell und historisch spannende Land“. Die demokratische Bewegung dort sei „sehr stark“ kritisierte er die hier „sehr einseitige Berichterstattung“. Sein Honorar und der Erlös der Veranstaltung gingen an die von ihm gegründete Georgien-Hilfe.

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