Ungelöste Knoten(punkte)

Anbindung des neuen Gewerbegebiets in Leubas diskutiert

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„Bei Fragen bitte fragen“, hieß es am Donnerstagabend im Schützenheim Leubas bei der Vorstellung des Bebauungsplans am Knotenpunkt Kaufbeurer-/Leubaser-/Heisinger Straße. Dort soll 2020 ein Zentrallager der Firmen Ceratizit und WNT entstehen und zugleich der Kreuzungsbereich neu gestaltet werden. Tim Koemstedt (v.l.), Baureferent der Stadt Kempten; Thomas Kiechle, OB Kempten; Markus Wiedemann, Amtsleiter Tiefbau und Verkehr und Thomas Hanrieder, Staatliches Bauamt Kempten.

Kempten – Der Mann aus Leubas ist wie viele andere am Donnerstagabend ins Schützenheim Leubas gekommen, um sich bei einer ersten Bürgerinformation zum Neubau von Betriebsgebäuden der Firmen WNT Deutschland GmbH und der Ceratizit Logistik GmbH zu informieren.

Auf einer Fläche von rund 12,3 Hektar soll bis 2020 im „Gewerbegebiet südlich Leubas“ ein neues Firmengebäude mit automatisiertem Hochlager und Büroräumen für Vertrieb, Logistik, Callcenter und Geschäftsführung auf rund 50.000 Quadratmetern entstehen. Beide Firmen, die im Jahr 2002 fusionierten, werden von ihrem bisherigen Standort in der Daimlerstraße 70 in das neue Gebäude vis à vis von Autohaus Seitz an der Kaufbeurer Straße umziehen. „Wenn ich in Leubas auf die Leubaser Straße in Richtung Kempten links abbiegen möchte, muss ich aufgrund der hohen Verkehrsdichte aus meinem Auto aussteigen und die Fußgängerampel betätigen, um mir eine Gelegenheit zum Abbiegen zu verschaffen. Wird die Stadt Kempten an dieser Stelle eine Ampelanlage in beide Fahrtrichtungen bauen?“, möchte der Mann am Abend von den Verantwortlichen der Stadt wissen.

Was macht Ceratizit?

Simon Jost, Geschäftsführer der Ceratizit Logistik GmbH, ist neben Oberbürgermeister Thomas Kiechle, dem Amtsleiter des Tiefbauamtes Markus Wiedemann, Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten und Tim Koemstedt, Baureferent der Stadt Kempten, ins Schützenheim Leubas gekommen, um die Bevölkerung über die Pläne seines Unternehmens zum Bau eines neuen Firmensitzes südlich von Leubas zu informieren.

Beide Firmen, Ceratizit und WNT, sind auf Erfolgskurs und müssen ihre bisherigen Lagerkapazitäten erweitern. Drei Lagerhallen in der Daimlerstraße reichen nicht aus, um die täglichen 65.000 Artikel, gebündelt in rund 14.500 Lagerpositionen mit 16.000 Kilogramm Gewicht, in kurzen Zeitfenstern für den Abtransport auf der Straße bereitzustellen. Da sich das Logistik-Unternehmen, das sich aus den Firmen CERAMETAL aus Luxembourg und Plansee Tizit aus Reutte gebildet hat, in der vergangenen Zeit zum Global Player im Bereich der Herstellung von Hartmetallwerkzeugen in der Zerspanungstechnik und deren weltweitem Vertrieb entwickelt hat, wurde es notwendig, ein neues großes Zentrallager zu erschaffen. Dieses soll nun mit einer Mindestbauhöhe von acht Metern bis zu einer lichten Maximalhöhe von 14 Metern auf den besagten 12,3 Hektar in einem Abstand von rund 200 Metern zur südlichen Bebauung von Leubas gegenhüber von Autohaus Seitz entstehen.

Just in time

Das neue Zentrallager wird neben Büroräumen und einem hochmodernen automatisierten Hochlager auch Stellplätze für rund 250 Fahrzeuge und eine eigene schleifenförmige Anbindung an die Kreuzung Kaufbeurer-/Leubaser- und Heisinger Straße erhalten. Bei der Vorstellung seines Unternehmens legt Geschäftsführer Jost Wert darauf, den rund 120 Besuchern des Abends zu erklären, wie wichtig eine schnelle und reibungslose Anbindung an die nahe Autobahn A7 ist. Er berichtet, dass es zum Beispiel für Kunden aus Großbritannien möglich ist, bei der Ceratizit Logistik GmbH bis 19 Uhr Waren zu bestellen, die am nächsten Tag ihren Empfänger auf der Insel erreichen. Nur mit einem hochmodernen, automatisierten Lager, Partnern wie UPS und DHL aus der Logistik-Branche und einer schnellen Verbindung zur Autobahn ist es möglich, an dieser Stelle ein Zentrallager zu errichten. Das macht einen kompletten Neubau des Knotenpunktes Kaufbeurer-/Leubaser-/Heisinger Straße notwendig.

Kreuzungsneubau notwendig

Hierzu wurden seitens der Stadt Kempten durch Wiedemann sowie vom Baureferenten bereits Überlegungen angestellt. Für ein ermitteltes Verkehrsaufkommen von täglich 44.400 Fahrzeugen, vornehmlich PKW und Kleintransporter, bei einer Prognose von bis zu 30 Prozent Zuwachs in den nächsten Jahren, ist der Bau eines Kreisverkehrs nicht möglich. Auch ein zweispuriger Kreisverkehr würde die Verkehrsströme nicht bewältigen. „Nur der Ausbau des Kreuzungsbereichs zu einer Kreuzung mit Lichtsignalanlage und neuen Abbiegespuren, unter anderem zum Ceratizit-Zen-

trallager, wird das Verkehrsaufkommen stemmen können“, so die beiden Fachleute der Stadt Kempten. Grundsätzlich aber erfordert der Ausbau des Knotenpunktes an dieser Stelle mittelfristig auch eine Erweiterung der zuführenden Straßen, in diesem Fall der Kaufbeurer Straße. Diese soll vierspurig vom Ortsausgang Kempten in Richtung Leubas bis zu Knotenpunkt ausgebaut werden. Allerdings liegt der Ausbau eines Teilstücks der Kaufbeurer Straße im Bereich der Autobahnausfahrt Kempten-Leubas nicht im Verantwortungsbereich der Stadt, sondern in dem des Bundes. Aus diesem Grund war zur Bürgerinformationsveranstaltung Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten erschienen.

Teufel im Detail

„Das Bauvorhaben eines vierspurigen Ausbaus der Kaufbeurer Straße im Bereich der Autobahnanschlussstelle Kempten-Leubas ist im Bundesverkehrswegeplan angelegt. Allerdings genießt der Ausbau der B12 in Richtung München Priorität und so können wir nicht sagen, wann hier tatsächlich etwas umgesetzt wird“, so Hanrieder. Das schaffte Unmut bei den Zuhöhrern, die sich und den anwesenden Verantwortlichen Fragen stellten. „Wenn zuerst der Knotenpunkt ausgebaut wird, dann der Neubau der Firma entsteht und es dann Jahre dauert, bis die Anbindung an Kempten vierspurig sein wird, entstehen Leubas mehr Verkehrsprobleme als bisher“, mutmaßen Anwohner. Die Verantwortlichen beschwichtigen und erklären, dass der Zuwachs des Verkehrs durch den Bau des Zentrallagers am Knotenpunkt nicht mehr als 600 Fahrzeuge bedeutet. Die Bewohner von Leubas aber befürchten, dass es durch den Bau eines neuen großen Kreuzungsbereichs an dieser Stelle zu noch mehr Rückstaus in Richtung ihrer Gemeinde kommt. So brennen alle darauf, zu erfahren, wann der vierspurige Ausbau der Kaufbeurer Straße seitens des Bundes in Angriff genommen werden kann.

"Bei Fragen bitte fragen"

Ein Zuhörer steht auf und fasst das Ergebnis der aktuellen Planung zusammen: „Zuerst wird der Knotenpunkt erweitert, dann entsteht das Zentrallager und dann der vierspurige Ausbau der Kaufbeurer Straße.“ Von Hanrieder möchte der Zuhörer wissen: „Die Autobahnbrücke an der Anschlussstelle Kempten-Leubas wurde erst vor Jahren renoviert. Ein vierspuriger Ausbau ist so dort aktuell nicht möglich.

Macht das nicht einen Neubau der Autobahnbrücke nötig?“ „Ja, das stimmt“, antwortet Hanrieder. Da noch ungeklärte Fragen bestehen, lud Kiechle schon zu Beginn der Veranstaltung die Bewohner Leubas zu einer weiteren Bürgerbeteiligung zum Jahresende hin ein, bevor ein konkreter Entwurf eines Bebauungsplans dem Stadtrat final zur Beschlussfassung im Frühjahr vorgelegt werden soll. 

Jörg Spielberg

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