Überparteilicher stellt sich vor

Landratskandidat des BürgerBündnis Oberallgäu, Peter Rist, geht mit Ambitionen in den Wahlkampf

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Peter Rist stellte sich und seine Ziele als Landrat vor.

Waltenhofen/Oberdorf – Knapp einen Monat nach der Gründung der überparteilichen Bürgerbewegung BürgerBündnis Oberallgäu kam es am vergangenen Mittwoch im Bahnhof Martinszell/Oberdorf zum ersten offiziellen Treffen, bei dem sich auch Peter Rist als überparteilicher Landratskandidat erstmals der Öffentlichkeit vorstellte.

Möglichst viele Freigeister aus dem Allgäu wolle man mit dem BürgerBündnis Oberallgäu bündeln, meinte Wolfgang Lau, Gemeinderatsmitglied aus Waltenhofen, zu Beginn der gut besuchten Veranstaltung, zu der Gäste aus allen Ecken des Oberallgäus gekommen waren. Dem Leitspruch „Mitanond & Mitanand – mit Herz und Verstand“ folgend, habe man ausschließlich das Wohl des Oberallgäus und aller dort lebenden Menschen im Fokus, statt einem übergeordneten Parteiprogramm aus München Folge zu leisten, erklärte Christian Kühnel, Sprecher des Bürgerbündnisses. „Außerdem stehen wir für kreisweite Konzepte mit professioneller direkter Bürgerbeteiligung und wollen Ökologie, Soziales und Ökonomie miteinander in Einklang bringen“, so Kühnel weiter.

Passend dazu, referierte im Anschluss die Gesundheitswissenschaftlerin Petra Heinle zur regionalen Gemeinwohlökonomie. Das Wirtschaftsmodell berücksichtigt nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern stellt soziale und ökologische Gesichtspunkte in den Fokus. Heinle berichtete von einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2012, wonach sich 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine andere Wirtschaftsordnung wünschten, die die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Soziales höher priorisierten als den reinen wirtschaftlichen Erfolg. Dem würde die Gemeinwohlökonomie gerecht werden, wobei diese keine fertige Lösung, sondern ein entwicklungsoffenes Konzept darstelle, dem Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgen könnten.

Als Vorzeigebeispiel nannte die Referentin die Gemeinde Kirchanschöring im oberbayerischen Landkreis Traunstein, die bereits eine Gemeinwohlbilanz aufgestellt hat. Dies führte unter anderem zu einem neuen Haus der Begegnung, einem ökologischen Pflegekonzept zum Insektenschutz und dem Beseitigen von Barrieren aller Art gegenüber benachteiligten Bürgerinnen und Bürgern.

„Auch im Allgäu gibt es bereits Unternehmen, die nach dem Modell der Gemeinwohlökonomie handeln, beispielsweise die Raiffeisenbank Wangen, das Parkhotel Frank in Oberstdorf und Elobau in Leutkirch“, stellte die Gesundheitswissenschaftlerin den regionalen Bezug her.

Als Höhepunkt des Abends präsentierte das BürgerBündnis Oberallgäu mit Peter Rist seinen Landratskandidaten. Rist wurde 1969 in Isny im Allgäu geboren, ist dreifacher Familienvater und machte beruflich unter anderem als stellvertretender Bürgermeister in der Stadt Reutlingen Station, bis er 2013 zurück ins Allgäu zog. Bei seiner Vorstellung erzählte der Europa-Verfechter, dass er aus Überzeugung überparteilich tätig sei, weil er kein Freund von vielen Versprechen sei, die letztlich nicht eingehalten würden. „Ich möchte mich der Zwickmühle einer Partei nicht aussetzen, die mir sagt, wie ich Politik zu machen habe.“ Stattdessen wolle er Politik für die Menschen vor Ort machen. Seine Ziele sind dabei ambitioniert. Von einer „neuen Zeitrechnung im Allgäu“ sprach er. Mehr Existenzgründungen, ein besser vernetzter ÖPNV im Süden des Allgäus und eine ambulante und stationäre Pflege nach baden-württembergischem Vorbild, zählte er einige ihm wichtige Themen auf. Auch er nannte die drei Säulen der Ökologie, des Sozialen und der Ökonomie, die miteinander harmonieren müssten. „Und zwar genau in dieser Reihenfolge“, setzte der Politiker seine Prioritäten und betonte, in politischen Debatten niemanden ausschließen zu wollen, da er Skeptiker und Kritiker als Ratgeber sehe, nicht als Gegner. „Ich will Landrat für alle sein. Ich will führen und dienen, nicht herrschen. Wir verändern gemeinsam“, versprach Rist und erzählte, dass die 70 Listenplätze des BürgerBündnis Oberallgäu für die Kreistagsliste bereits mit engagierten Frauen und Männern aus dem gesamten Allgäu, nämlich aus 28 Kreisgemeinden, belegt seien.

Die anwesenden Gäste wollten den Kandidaten näher kennenlernen und nutzten die anschließende Diskussionsrunde für zahlreiche Fragen. „Ich habe bei Ihrer Vorstellung das Thema Schulbildung und Digitalisierung vermisst. Wie stehen Sie dazu?“, wollte eine Teilnehmerin wissen. „Bildung ist wichtig, aber Bindung ist noch viel wichtiger. Dabei darf man sich nicht nur auf die Schulen verlassen. Was die Digitalisierung angeht, bin ich eher konservativ. Ich bin der Meinung, dass in der dritten Klasse noch nicht jedes Kind einen eigenen Laptop braucht“, meinte Rist dazu.

„Wollen Sie die Gemeinwohlökonomie ins Wahlprogramm aufnehmen?“, fragte ein anderer Teilnehmer. Darüber hätten sie sich im Detail noch keine Gedanken gemacht, jedoch werde es in Ansätzen sicher berücksichtigt werden. „Eine Gemeinwohlbilanz aufzustellen, wirkt wahnsinnig gut nach innen.“

Eine weitere Teilnehmerin erkundigte sich bei Rist, wie er den Strukturwandel in der Landwirtschaft stoppen wolle. Ihm sei das Wort „Bäuerlichkeit“ sehr wichtig. Damit meine er selbstbestimmte Bauern kleiner Höfe, die er bewahren wolle.

„Was ist Ihre Meinung zum Thema Overtourism und Tourismuslenkung?“, war eine weitere Frage. Es brauche eine Steuerung in dem Bereich, einen roten Faden, der durch Leitbeschlüsse zu erkennen sei, meinte Rist, der von einer klaren Vision sprach, die er bereits habe, jedoch noch nicht in diesem Rahmen kundtun wolle. „Wenn ich das tue, kann die Vision nicht weiterentwickelt werden. Genau das möchte ich jedoch gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern tun.“ Ein bisschen mehr verriet er dann doch noch: „Aus dem Grünten kann man etwas ganz Tolles machen. Dabei braucht es nicht immer das Schnellste, Lauteste, Teuerste. Leise und langsam geht auch und würde sehr gut zum Allgäu passen“, wollte er die Kreativität der Gäste anregen und sprach von Entschleunigung.

Die letzte Frage des Abends bezog sich auf die Fusion des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu mit den Kreiskliniken Unterallgäu. „Sie wären als Landrat im Aufsichtsrat. Würden Sie es sich leisten wollen, dass es eine Notfallversorgung auch weiterhin in kleineren Häusern gibt?“ Er sei grundsätzlich ein Freund von Kooperation, dies gehe jedoch auch ohne eine Fusion. Die Hochmedizin müsse in Spezialkliniken zentralisiert werden. „Aber: Eine Wunde sollte auch in Zukunft noch vor Ort versorgt werden können. Ich habe noch nie gehört, dass es durch eine Zentralisierung billiger und die Leistung besser würde“.

Dominik Baum

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