Weiberfasching im Stadtrat mit Überraschungsauftritt der "Altstadt-Oma"

"G’schwind" mal eben auf ein Wort

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„Altstadt-Traudl“ Gertraud Schwarz überbrachte in der Stadtratsitzung am Altweiberfaschings-Donnerstag ihren Antrag zur Sanierung der Freudenberg-Unterführung gleich persönlich an OB Thomas Kiechle, der den eigentlich unzulässigen Vorgang, wie auch das Gremium, mit Humor nahm.

Die Sitzung am Tag des Altweiberfaschings bescherte dem Stadtrat nicht nur einen närrischen Rückblick auf das Stadtgeschehen, sondern auch noch einen besonderen Gast.

Aber der Reihe nach: Erst einmal war die 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott an der Reihe, deren Kopf unter einem üppigen Narrenhut fast zu verschwinden drohte. „In Kempten weht ein neuer Wind“, befand sie und nahm unter die Lupe, was in der Stadt „gar it so g’schwind“ oder auch „g’schwind no kommt“. Zum Beispiel der Stadtpark (g’schwind) oder der Wohnbau, an dem „der flotte Singer schon dran“ sei; nicht zu vergessen der Römerpark (it so g’schwind), von dem immerhin schon zwei neue Schilder an der Autobahn stünden. Und dann lobte sie die vielen Ideen des neuen OB und wünschte ihm „dafür viel Mut, Hauptsache für Kempten ist es gut“.

Und dann ergriff der Überraschungsgast, die „Altstadt- Traudl“, das unvorhergesehene Wort und schob ihren Gehwagen forsch den Mittelgang zwischen den Reihen der Stadträte hinunter, während sie ihr Engagement für die Altstadt seit 40 Jahren ins Feld führte. Vorne angekommen, überreichte sie OB Thomas Kiechle persönlich ihren Antrag zur Sanierung der Unterführung am Freudenberg, von dem sie gleich noch ein paar Kopien verteilte. Unterschrieben hatte sie ihn mit der „Bitte um Bearbeitung – ein ernstgemeinter Faschingsgruß von der Altstadt-Oma Gertraud Schwarz, 87 Jahre alt“. Darüber erklärte sie: „Wir Bürger wurden einst mit dem ‚Fortschritt’ (Rolltreppen und Geschäftsanschluss) verführt, leider ist alles nur noch verschmiert. Geschäfte haben die Türen verschlossen, die Stadt will auch nichts investieren. Gewinn muss man am Einsatz messen, sonst kann man Zukunft gleich vergessen. Gemeinsamkeit ist hier gefragt! Will die Einkaufsmeile – Fußgängerzone – sich nicht weiter blamieren, muss jetzt endlich was geschehen, drum bitte nach dem Rechten sehen. Wir schreiten fort und nehmen uns nicht in Acht, dass uns der Fortschritt menschlich ärmer macht.“

Der schriftlich überbrachten Kritik fügte sie mündlich eine positive Botschaft bei, nämlich, dass die Integration in ihrem Viertel nicht zuletzt auch Dank der Arbeit des „Haus International“ gelungen sei und sie „stolz“ drauf sei, türkische Nachbarn zu haben.  Christine Tröger

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