"OB ist der schönste Beruf der Welt"

Die überzeugte Liberale Gabriela Büssemaker strebt das höchste Amt im Kemptener Rathaus an

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Freut sich bereits auf den Wahlkampf: die OB-Kandidatin der FDP Gabriela Büssemaker

Kempten – Viel ist spekuliert worden unter den Kemptener BürgerInnen, ob nach CSU (unterstützt von Freien Wählern), Grünen und der SPD, wohl auch die FDP für die Kommunalwahl 2020 noch einen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt aus dem Hut zaubern würde.

Nun ist es raus. Der FDP-Kreisvorstand hat. Allerdings keinen Kandidaten, sondern eine Kandidatin, dazu eine mit OB-Erfahrung, wenn auch in Baden-Württemberg. Damit könnte Gabriela Büssemaker die Quote von derzeit gerade einmal drei Oberbürgermeisterinnen in Bayern (Stand 2017), so ihr Rechercheergebnis, künftig verbessern. „Ich dachte“, sagt die frischgebackene Kandidatin selbstbewusst, „das könnte man steigern“, denn der Süden der Republik hinke da deutlich hinterher. 

Für Ullrich Kremser, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion (zusammen mit UB/ödp), ist Gabriela Büssemaker die ideale OB-Kandidatin: „Erstens weil sie eine Frau ist, zweitens hat sie Erfahrung und wir wollen bei einer Wahl ganz deutlich Flagge zeigen, dass es auch Alternativen gibt“, wie er auf Nachfrage meinte. Wie die gebürtige Nürnbergerin (Jahrgang 1956) und seit eineinhalb Jahren Wahlkemptenerin im Gespräch mit dem Kreisbote sagte, sei sie von mehreren Seiten wegen einer Kandidatur angesprochen worden, u.a. von den Allgäuer Unternehmerinnen, von Kunden in ihrem eigenen Champagnerhandel und natürlich aus den FDP-Reihen, wo sie und ihr Mann Dr. Michael Büssemaker, Baudirektor a.D., seit Jahren aktiv sind, auch in Kempten. 

Dass die Biographie der entschlossenen Frau nicht „blütenweiß“ ist, sehe man, so Büssemaker, in der FDP-Kempten „entspannt“. Sie räumt ein, Fehler gemacht zu haben – „Schnee von gestern“ und eine Art von Lebenserfahrungen nach dem Motto, wer viel macht, kann auch Fehler machen, wer nichts macht... Was ihr in der Vergangenheit angekreidet wurde, ist – oftmals auf richterlichem Weg – bereinigt. Für Büssemaker ihrem Naturell entsprechend deshalb also kein Grund, nicht weiter nach vorne zu blicken und – zu gehen. 

Dass sie anpacken kann und es nicht scheut, auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen, hat sie in der Vergangenheit, u.a. als Oberbürgermeisterin von Ettlingen bei Karlsruhe von 2003 bis 2011, gezeigt. Und wie sie im Gespräch betont: „Was ich mache, mache ich zu 100 Prozent.“ Für das „lebens- und liebenswerte“ Kempten, wo zwar „vieles ziemlich gut funktioniert“, einiges aber nicht, hat sie schon einige zielgerichtete Visionen. 

„Verbesserungswürdig“ findet die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Großmutter von drei Enkelkindern zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch bessere Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen, diese auch in Ferienzeiten, oder verbesserte Bedingungen für Berufs-Wiedereinsteigerinnen. Handlungsbedarf sieht sie zudem beim Stadtmarketing, wo der Konkurrent Trier ihres Erachtens besser abschneide. Kempten müsse da nicht nur an seiner Außenwirkung arbeiten, sondern auch an der nach innen. 

Ein großer Vorteil der Stadt sei, dass es hier noch viel Einzelhandel gebe und nicht nur große Ketten. Um die Leerstände in der Innenstadt zu bekämpfen, muss aus ihrer Sicht „das Umfeld“ verbessert werden; z. B. würde sie die Gerberstraße in Feste wie den Weihnachtsmarkt einbeziehen. Ein Problem sei allerdings die Höhe der Gestattungsgebühren, die eine Beteiligung für den Einzelhandel „sehr teuer“ machten und für Aufsteller oder Stühle vor der Ladentüre fällig würden. 

Ein weiteres Anliegen ist der zielorientierten OB-Kandidatin das Ehrenamt, bei dessen Anerkennung und Würdigung sie noch „Potential“ sieht; gleiches gilt aus ihrer Sicht beim Thema „lebenslanges Lernen“. „Da gibt es auch noch eine Reihe von Möglichkeiten, die man heben kann“, wie sie findet. Klare Kante zeigt sie bei der Verkehrspolitik für Kempten: „Gegen die Seilbahn bin ich absolut.“ In ihrer Partei gebe es sogar Überlegungen, gegebenenfalls einen Bürgerentscheid anzustoßen. 

Denn „die Bürger haben ein Recht darauf“, dass das Mobilitätskonzept umgesetzt wird. Eigene Vorstellungen hat Büssemaker bei der Ansiedlung von Gewerbe. „Man sucht immer produzierendes Gewerbe“, schüttelt sie den Kopf, denn das bringe auch Verschmutzung und andere Probleme mit sich. Sie dagegen will auf Dienstleistung und IT setzen und da könne die Stadt „eine Menge Rahmenbedingungen schaffen“, so ihre Überzeugung. Insgesamt kann das Umdenken der Menschen „durch die Kommune angestoßen werden“, wobei man die Bürger „gut einbeziehen“ könne. „Nur weil sie nicht in der Politik sind, heißt das ja nicht, dass sie keine Ahnung haben.“ 

Und es müssen aus Sicht der OB-Kandidatin auch nicht immer nur große Würfe sein. Denn es gebe „viele Kleinigkeiten, die Verbesserungen bringen und nicht viel kosten“. Und welche Chancen rechnet sich Büssemaker für die Kommunalwahl 2020 aus? Die Wahlbeteiligung sei beim letzten Mal mit rund 40 Prozent „nicht hoch“ gewesen und die Zustimmung der Kemptener für den jetzigen OB habe damit unter 50 Prozent gelegen. Sie hoffe diesmal auf mehr Wähler und „da rechne ich mir ganz gute Chancen aus“. Sie hat ein klares Ziel, das sie in dem Satz „OB ist der schönste Beruf der Welt“, zum Ausdruck bringt. Man komme mit vielen Menschen aus allen Bereichen zusammen und, vor allem, „man kann schon viel bewegen“. Aber auch das stellt sie schnörkellos klar: „Ich möchte im Wahlkampf keine Versprechungen machen.“ Am Montag, 4. November, ist die öffentliche Nominierungsveranstaltung der FDP-Kempten, um 19 Uhr, Im Rothkreuz 8.

Infos zu Gabriela Büssemaker

Gabriela Büssemaker legte ihr Abitur 1974 an der Deutschen Schule in Brüssel ab. Danach studierte sie unter anderem auch Betriebswirtschaftslehre. Sie schloss aber keinen ihrer Studiengänge ab. Es folgte 1979/80 eine Ausbildung zur Anwalts- und Notariatsfachangestellten und in den Jahren 1980 bis 1995 arbeitete sie als Büroleiterin in verschiedenen Anwalts- und Notariatskanzeleien. 1995 machte sie sich mit einer Veranstaltungsagentur selbständig. 

Politik
• 1992 bis 1997 Geschäftsführerin des FDP-Kreisverbands Ludwigshafen
• 1998 Beisitzerin im Vorstand der FDP Mannheim
• 2001 in den Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg gewählt
• 2002 bis 2003 Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Mannheim
• 2003 Wahl zur Oberbürgermeisterin in Ettlingen
• 2003 bis 2011 Oberbürgermeisterin in Ettlingen. Zur Wahl im Juli 2011 kandidierte sie nicht mehr
• Februar 2012 Berufung zur Leiterin der Servicestelle „Engagement Global“ im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Quelle: Stadtwiki Karlsruhe (https://ka.stadtwiki.net/) Z


Christine Tröger

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